Ein Wirbelrohr (engl. Vortex Tube) spaltet einen eintretenden Massenstrom in einen warmen und einen kalten Teilstrom auf. Der französische Erfinder Georges Joseph Ranque hatte bereits 1928 diesen Effekt entdeckt, doch er geriet in Vergessenheit und wurde 1945 durch den Deutschen Rudolph Hilsch wieder entdeckt. Deshalb wird der Effekt auch als Ranque-Hilsch Effekt bezeichnet. In dem US Patent 1952281 von Ranque ist der Aufbau ausführlich beschrieben. Heute werden Wirbelrohre in der Pneumatik zur lokalen Kühlung oder Erwärmung eingesetzt.
Der berühmte Physiker James Clerk Maxwell hatte einmal gesagt,
dass, wenn Wärme nichts anderes als eine Molekülbewegung ist,
dann wird es eines Tages auch möglich sein, die kalten und warmen
Anteile mit Hilfe eines "kleinen Dämons" voneinander zu trennen.
Er spielte damit auf den Carnot-Kreisprozess und die viel zitierte Entropievergrößerung
an. Wärmekraftmaschinen benötigen zu ihrer Funktion ja nur eine
Temperaturdifferenz. Diese könnte doch durch einen kleinen Dämon
erzeugt werden, der die Teilchen im Arbeitsmedium beobachtet und nach ihrer
Geschwindigkeit in zwei verschiedene Behälter sortiert. Dadurch würde
eine Temperaturdifferenz entstehen, ohne das unmittelbar Arbeit
dafür notwendig war, was eindeutig den 2. Hauptsatz der Wärmelehre verletzt.
Deshalb wird der Effekt auch liebevoll "Maxwell’s Dämon" genannt.
Professionelle Wirbelrohre können Temperaturen von -45°C und
+110°C erreichen. Dieser Luftvorwärmer für Atemmasken der Firma Arbin hat z.B. eine Temperaturspreizung von +-20°C bei 4,5bar Arbeitsdruck.
Solche Wirbelrohre sind meist sehr teuer. Bereits mit einfachen Mitteln
lässt sich ein Wirbelrohr selbst anfertigen, was zwar nicht so
leistungsfähig ist, aber zumindest den grundsätzlichen Effekt
zeigt.
Dieser einfache Aufbau besteht aus einem 215mm langen und 22mm dicken
Kupferrohr, wie es für die Wasser- und Heizungsinstallationen verwendet
wird. Der Lufteintritt erfolgt tangential, die Kaltluft wird am rechten
Ende aus dem Rohrinneren entnommen und die Heißluft links von der
Außenseite.
Der Austritt auf der Heißluftseite erfolgt über ein kegeliges
Endstück, das über einen Schrauben verstellbar ist. Hiermit wird
das Wirbelrohr abgeglichen. Es kann auf eine maximale Kühlung oder
maximale Erwärmung eingestellt werden, wobei beides aber nicht im
gleichen Arbeitspunkt auftritt. Die maximale Warmlufttemperatur erreicht
man mit fast geschlossenem Regelventil, für die minimale Kaltlufttemperatur
muss es hingegen etwas weiter geöffnet werden.
Das 6mm Lufteinlassrohr wird tangential an das Wirbelrohr gelötet,
in dessen Außenwand sich die 2,5mm Einströmbohrung befindet.
Wichtig ist, dass sie auf der Innenseite des Rohres genau tangential auftrifft,
damit die Luftströmung einen sauberen Wirbel bilden kann. Es ist hilfreich,
zuerst das Rohr anzulöten und erst dann das Loch zu bohren.
Wichtig für den Betrieb ist, dass wirklich mit ausreichend Druck
gearbeitet wird. Ein Manometer auf dem Druckkessel, zeigt nicht an, wie viel
wirklich noch an der Einströmöffnung des Wirbelrohres zur Verfügung
steht. Bereits relativ kurze Leitungen können durch einen zu geringen
Querschnitt einen erheblichen Druckabfall verursachen.
Mit diesem Aufbau lässt sich bei 6bar Versorgungsdruck mit
20°C Eintrittstemperatur eine Kaltluft von ca. 5°C und eine Heißluft
von ca. 30°C erreichen.
2. Versuchsaufbau
=
Im 2. Schritt wurde ein etwas dünneres Messingrohr verwendet.
Das Rohr muss an der Innenseite sehr glatt sein, damit der Wirbel nicht
vorzeitig abreißt. An der Kaltluftseite wurde ein Gewinde angebracht,
um mit verschiedenen Durchmessern beim Austritt experimentieren zu können.
Die Bohrung dürfte aber mit ihren 3mm ohnedies den optimalen Durchmesser
haben.
Mit diesem Aufbau lässt sich bei 6bar Versorgungsdruck mit 20°C Eintrittstemperatur eine Kaltluft von ca. -5°C und eine Heißluft von ca. 35°C erreichen.
Funktion
An dieser Stelle hört man immer wieder, dass die Luft
ja überhaupt nicht in ihre kalten und warmen Bestandteile getrennt würde,
sondern nur kalte Luft durch die Entspannung des eintretenden Gases und warme
durch erneute Kompression erzeugt würde. Dem muss ich aber entgegen
setzen, dass durch die Entspannung von 6bar Druckluft keinesfalls -45°C
entstehen können. Wie wir von der Herstellung flüssiger Luft
wissen, kühlt sich Luft bei der Entspannung pro bar Druckdifferenz um
nur 1/4°C ab. Mit 6 bar erreichen wir so maximal 1,5°C. Es muss also
schon ein anderer Vorgang ablaufen, der so hohe Temperaturdifferenzen entstehen
lässt.
Somit ist das Wirbelrohr sicher auch ein "heißer" Tipp zur Luftverflüssigung.
Man müsste mindestens 4 optimal funktionierende Röhren hintereinander
schalten und sicher auch mit einem großen Anfangsdruck arbeiten, damit
für das letzte überhaupt noch etwas übrig bleibt.
Die nahe liegendste Erklärung wäre wohl, dass die Luftmoleküle aufgrund ihres Volumens (was ja bei statistischer Betrachtung mehrerer Moleküle temperaturabhängig ist) durch die Zentrifugalkraft sortiert werden. Genau das lässt sich ja auch beim Wasserwirbler beobachten. Demnach müsste sich aber die kalte Luft, als die dichtere, an der Außenseite des Rohres sammeln, es ist aber genau umgekehrt.
Eine solche Sortierung tritt schon auf, nur nicht nach dem Volumen,
sondern nach der Geschwindigkeit. Alle aus der Düse austretenden
Luftmoleküle erhalten im Mittel die gleiche Beschleunigungsenergie
aus dem Druck. Jetzt gibt es aber aufgrund der statistischen Verteilung
der Wärmebewegung im Gas schnellere und langsamere Moleküle.
Ein Teil deren Geschwindigkeitsvektoren liegen natürlich auch in
der Richtung der Düse und so wird die Beschleunigung zur
Wärmebewegung hinzu addiert. Wir erhalten also einen Luftstrom mit
unterschiedlich schnellen Molekülen, die anschließend in
eine Kreisbahn gezwungen werden. Dort tritt jetzt die Sortierung
aufgrund der unterschiedlich großen Zentrifugalkräfte auf.
Die schnelleren, also wärmeren Moleküle sammeln sich an der
Außenseite und die langsameren und somit kälteren im
Innenraum.
Hiermit wird auch klar, warum sehr hohe Strömungsgeschwindigkeiten
benötigt werden, denn nur wenn man in den Bereich der mittleren
Molekülgeschwindigkeit kommt, diese beträgt bei 20°C in Luft etwa 500m/s, kann eine nennenswerte
Differenzierung aus der sonst ungerichteten Wärmebewegung entstehen. Das ist auch bei der Turbomolekularpumpe
so, die eine sehr hohe Rotordrehzahl benötigt und dadurch
ebenfalls Einfluss auf die Wärmebewegung der Moleküle nimmt.
Das Wirbelrohr könnte durchaus zu einem wirklich Dämon in der
Physik werden, wenn nämlich der "kleine Dämon" weniger Energie für
seine Arbeit benötigt, als durch den Temperaturunterschied letztendlich
gewonnen werden könnte. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, z.B.
über Parabolspiegel oder über die Gravitation, einen solchen "Dämon"
herbeizurufen. Siehe dazu Erklärungen bei der selbstlaufenden Wärmepumpe.
| Das Wirbelrohr findet sich auch in diesem Buch, wo versucht wird, durch Grundlagenexperimente und neue theoretische Ansätze mehr Licht in das Thema der Freien Energie zu bringen. Nähere Informationen zum Buch. | ||
|---|---|---|
| Titel: | Grundlagen und Praxis der Freien Energie Alternative Theorien und interessante Experimente |
|
| Autoren: | Harald Chmela und Wolfgang Wiedergut | |
| Verlag: | Erschienen im August 2004 im Franzis Verlag | |
| ISBN Nr.: | 3-7723-4400-3 | |