2.1 Absoluter und relativer Druck
Im täglichen Umgang mit Druckangaben verwenden wir zwei
unterschiedliche Systeme, ohne weiter darüber nachzudenken. Wenn
jemand sagt, der Luftdruck beträgt heute 1000mbar, dann ist damit
immer der absolute Druck gemeint.
Wenn hingegen jemand sagt, der Autoreifen benötigt einen Druck von
2 bar, dann ist damit eine relative Angabe gemeint, also ein
Überdruck zum normalen Luftdruck. In dem Autoreifen herrscht
letztendlich ein Druck von 3,013bar, wenn man mit dem mittleren
Luftdruck von 1013mbar auf Meereshöhe rechnet. Wir sehen also,
dass die relative Angabe speziell beim Autoreichen Sinn macht, denn
sonst müssten wird uns immer mit dem tatsächlichen Luftdruck
und damit verbunden auch mit der Seehöhe auseinandersetzten, auf
der wir den Reifen füllen. Letztendlich wirkt als mechanische
Kraft im Reifen ohnedies nur der Differenzdruck zum äußeren
Luftdruck.
Bei Angaben von Unterdrücken ist es ähnlich. Ein Unterdruck
von 100mbar, entspricht einem absoluten Druck von 913mbar. Bei der
Angabe eines Vakuums hat sich die absolute Druckangabe durchgesetzt
hat. Demnach ist 0bar ein vollständiges Vakuum, dass ähnlich
wie der absolute Nullpunkt nie zur Gänze erreicht werden kann, dem
man sich aber auf viele Nachkommastellen nähern kann. Im
Hochvakuumbereich trifft man daher häufig auf Angaben in
Exponentialschreibweise wie etwa 2*10^-5mbar.
3. Vakuumbereiche
Grobvakuum
|
1000mbar bis 1mbar
|
Feinvakuum
|
1mbar bis 10^-3mbar
|
Hochvakuum
|
10^-3mbar bis 10^-7mbar
|
Ultrahochvakuum
|
weniger als 10^-7mbar
|
Je nach Höhe des Vakuums unterscheidet man verschiedene
Vakuumbereiche. Jeder dieser Bereiche hat seine ganz spezifischen
Anwendungsgebiete und stellt auch spezielle Anforderungen an die
verwendeten Geräte.
Grobvakuum nutzt man hauptsächlich auf Grund seiner mechanischen
Kraftwirkung. Die Pneumatik erschließt hier ein Anwendungsgebiet,
das von Unterdruckschaltern zur Überwachung von
Luftströmungen bis hin zu Hebeplatten in der Automatisierten
Fertigung reicht.
Beim Feinvakuum geht es schon mehr um die physikalischen Eigenschaften,
die Gefriertrocknung sei hier als ein Beispiel angeführt.
Beim Hochvakuum geht es um die molekularen Eigenschaften des Gases, es
findet meist in Verbindung mit der Elektrotechnik Verwendung. Die
Elektronenröhren, oft ja auch Hochvakuumröhren genannt, die
in früherer Zeit die Entwicklung der Elektronik überhaupt
erst ermöglicht haben, sind nur ein Beispiel dafür.
Auch im Bereich der Atomphysik ist Hochvakuum in Teilchenbeschleuniger bis hin zur Röntgenröhre zu finden.
Hier zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen den Vakuumbereichen.
Während beim Grobvakuum noch die mechanische Kraftwirkung im
Vordergrund steht, ist diese im Hochvakuumbereich nur mehr von
sekundärer Bedeutung. Auch nehmen diese Kräfte nicht mehr
wesentlich zu, wenn man vom Grob- in den Hochvakuumbereich
übergeht, da die Druckänderung nur mehr in den hinteren
Kommastellen erfolgt.
Den Bereichen sind auch unterschiedliche Typen von Pumpen zugeordnet, von denen wir jetzt einige betrachten wollen.
4. Vakuumpumpen
Vakuumpumpen sind Geräte zum Entfernen der Umgebungsluft aus einem
entsprechend abgedichteten Raum. Man unterscheidet zwei
grundsätzlich verschiedene Funktionsprinzipien. Fördernde
Pumpen saugen die Luft an, verdichten sie auf Umgebungsdruck und geben
sie wieder ab.
Bindende Pumpen hingegen hindern die Luftmoleküle daran sich
weiter frei zu bewegen, entfernen sie aber nicht. Ein Beispiel
dafür ist z.B. die der Kroypumpe, die das Gas durch tiefe
Temperaturen ausfriert. Bei Getterpumpen erfolgt die Pumpwirkung durch
gasbindende Stoffe (Getter).
4.1 Membranpumpe

Die Membranpumpe ist eine sehr einfach aufgebaute, mechanisch
fördernde Vakuumpumpe. Sie besteht aus einem Kolben, der eine
Membran betätigt. Durch je ein Ventil auf der Saug- und Druckseite
wird der Volumenstrom gesteuert. Bewegt sich der Kolben abwärts,
so öffnet das Saugventil und Luft kann von der Vakuumseite her
einströmen. Wenn sich der Kolben wieder aufwärts bewegt, wird
die Luft solange verdichtet, bis der Überdruck ausreicht, um das
Auslassventil zu öffnen, dann wird die Luft ausgestoßen.
Membranpumpen erzeugen ein sehr sauberes, ölfreies Vakuum von bis
zu etwa 20mbar, bei zweistufigen Modellen.
4.2 Drehschieberpumpe
= 
Die
Drehschieberpumpe
zählt ebenfalls zu den mechanisch fördernden Pumpen. Sie
bestehet aus einem zylindrischen Gehäuse, in dem sich ein
außermittig angebrachter Rotor dreht. In entsprechenden
Rotorschlitzen befinden sich zwei oder mehrere (Vielschieberpumpe)
durch Federn oder Fliehkraft belastete Schieber, die an der
Gehäusewand entlang gleiten. Auf Grund der exzentrischen Lage wird
durch die Weiterdrehung des Rotors das auf der Saugseite
eingeschlossene Gas soweit komprimiert, bis es den Umgebungsdruck
übersteigt und sich das Auslassventil öffnet.
Zur Abdichtung von Saug- und Druckseite und zur Verringerung der
Reibung läuft die Pumpe in einem Ölbad. Hierzu darf nur
Öl mit einem sehr geringen Dampfdruck verwendet werden.
Für die Dichtung ist es erforderlich, dass beide Schieber immer
einen Ölfilm unter sich bilden. Dieser reißt an den Kanten
ab und bildet feine Tröpfchen, die als Ölnebel auf der
Auslassseite austreten. Daher ist für den Betrieb in geschlossenen
Räumen immer ein Ölnebelfilter notwendig.
4.2.1 Gasballast
Wenn mit einer Drehschieberpumpe Gase gefördert werden, die einen
kondensierbaren Anteil, wie z.B. Wasser- oder
Lösungsmitteldämpfe enthalten, so kann es vorkommen, das
diese bei der Kompressionsphase kondensieren und so das Öl
kontaminiert wird was der Pumpe schaden kann. Auf der Vakuumseite
verdampfen die eingeschlossenen Inhalte dann wieder, wodurch sich das
Endvakuum verschlechtert.
Um das zu vermeiden, sind fast alle Drehschieberpumpen mit einem
sogenannten Gasballast ausgerüstet. Durch eine zusätzliche
Leitung wird unmittelbar nach Abdichtung der Saugseite von außen
Luft angesaugt, und damit die Kompression soweit herabgesetzt, dass der
Dampf nicht mehr kondensieren kann. Durch das Gasballastventil kann
diese Leitung für das Pumpen von trockenen Gasen abgesperrt
werden, wodurch ein höheres Vakuum erreicht wird.
Zweistufige Drehschieberpumpen erreichen eine Endvakuum von bis zu 10^-4 mbar.
4.3 Turbomolekularpumpe

Wie der Name schon sagt, nutzt diese Pumpe die molekularen
Eigenschaften eines Gases. Sie ist zwar ähnlich einer Turbine mit
stehenden Statorschaufeln und rotierenden Rotorschaufeln aufgebaut,
ihre Funktion ist aber nicht mit dem viskosen Strömen der Luft zu
erklären.
Damit das Gas molekulare Eigenschaften zeigt, ist ein entsprechend
hohes Vorvakuum nötig, das von einer Vorpumpe zur Verfügung
gestellt werden muss. Die Turbopumpe kann nicht auf
Atmosphärendruck verdichten !
Das Vorvakuum muss so hoch sein, dass die freie Wegstrecke, die ein
Luftmolekül bis zum Zusammenstoß mit einem anderen
zurücklegt, größer ist, als der Abstand zwischen Rotor
und Stator. Wenn das sichergestellt ist, dann erteilt der Rotor jedem
Molekül, dass auf ihn trifft einen zusätzlichen Impuls in
seiner Bewegungsrichtung. Die normalerweise ungerichtete und
völlig chaotische Wärmebewegung der Moleküle erhält
so eine Vorzugsrichtung zur Vorvakuumseite hin, wo die Moleküle
durch die Vorpumpe abgesaugt werden. Man könnte auch sagen, die
Turbopumpe beeinflusst die Wahrscheinlichkeit, mit der sich die
Moleküle an einem bestimmten Punkt aufhalten.

Die
Turbopumpe
verdankt ihren Namen auch dem extrem schnell laufenden Rotor. Das ist
notwendig, damit die Umfangsgeschwindigkeit des Rotors in den Bereich
der Molekülgeschwindigkeit gelangt, um eine nennenswerte
Beeinflussung zu erzielen.
In der Praxis werden diese hohe Drehzahl von z.B. 60.000 U/min bei
diesem Modell mit einem 2 poligen, 3phasigen Asynchronmotor erzeugt,
der über einen externen Frequenzumrichter mit einer Drehspannung
versorgt wird. Der Umrichter übernimmt auch die notwendigen
Überwachungen von Strom und Temperatur und regelt den Hochlauf des
Rotors, der nur bei vorhandenen Vorvakuum überhaupt möglich
ist und selbst dann noch einige Minuten lang dauert.
Eine Turbopumpe erreicht ein Endvakuum von bis zu 10^-10 mbar.
4.3.1 Umkehrung der Turbopumpe
Die Umkehrung dieses Funktionsprinzips ist für die Freie
Energieforschung sehr interessant. Denn so wie die Turbomolekularpumpe
die freie Wegstrecke zwischen den Molekülen ausnützt, um die
normalerweise völlig chaotisch fliegenden Moleküle in eine
gerichtete Strömung umzuleiten, so kann dieser Effekt
natürlich auch umgekehrt werden.

Mikhail P. Beshok aus Russland hat in einem Artikel im New Energy
Technologies Magazine, Issue #4(13) July-August 2003 auf diesen sehr
interessanten Effekt hingewiesen.
Gemäß dem kinetischen Gasmodell entsteht der Luftdruck auf
eine Fläche aus den unzähligen Stößen der
Luftmoleküle. Bei gleichen Flächen herrscht auch gleicher
Druck.
Durch die Vergrößerung der Oberfläche mit Hilfe einer
Struktur, deren Abmessungen kleiner sind als die freien Wegstrecke der
Luftmoleküle, entsteht aus der ungerichteten Wärmebewegung
eine gerichtete Kraft, die sich als erhöhter Luftdruck auf die
strukturierte Fläche äußert.
Die Struktur muss so angelegt sein, dass sich ein Molekül
innerhalb ihrer Ausdehnung frei bewegen kann, ohne dabei auf ein
anderes zu stoßen und dabei die Wände der Rotorstruktur
mindestens zwei mal trifft, was z.B. in einem kegelförmigen Loch
der Fall ist.
Diese Überlegung setzt voraus, dass der Stoßvorgang zum Teil
elastisch verläuft, denn nur dann kann beim zweiten Stoß
noch ein zusätzlicher Impuls übertragen werden.

Das Funktionsprinzip wäre ähnlich wie beim
Radiometer,
nur das hierbei direkt die Umgebungswärme genutzt wird und keine
zusätzliche Wärmeenergie eingestrahlt werden muss.
5. Vakuummessgeräte
Die Verfahren zur Messung eines Vakuums gliedern sich analog zu den unterschiedlichen
Vakuumbereichen ebenfalls in verschiedene Messverfahren.
5.1 Mechanische Verfahren
Für Drücke im Grobvakuumbereich kommen mechanische Verfahren
zur Anwendung, welche die mechanische Kraftwirkung des Unterdrucks
ausnutzen. Die Auswertung kann über mechanische Zeiger, wie beim
klassischen Manometer oder durch elektrische Wandler, wie z.B.
Piezoaufnehmer oder kapazitiven Membranen erfolgen. Diese Verfahren
messen unabhängig von der Gasart auf direktem Wege den Druck.
Verfahren, welche die Reibung der Gasmoleküle ausnutzen, wie sie
etwa bei dem Hochlauf der Turbomolekularpumpe ohne entsprechendes
Vorvakuum zu beobachten ist, nehmen eine Sonderstellung unter den
mechanischen Verfahren ein.
5.2 Thermische Verfahren
Im Feinvakuum- und unteren Hochvakuumbereich weist die mechanische
Kraftwirkung keine nennenswerte Änderung mehr auf. Hierbei kommt
ein thermisches Verfahren zu Anwendung, welches die Änderung der
thermischen Leitfähigkeit des Mediums unter verschiednen
Druckverhältnissen ausnutzt und so den Druck auf indirektem Wege
misst. Die Wärmeleitfähigkeit ist abhängig von der
Gasart.
Im Verfahren nach Pirani wird ein dünner Draht mit einer
konstanten Heizleistung versorgt und sein Widerstand, als
temperaturabhängige Größe ausgewertet. Unter hohem
Druck ist die Kühlwirkung der Luft größer und es wird bei gleicher Heizleistung eine niedrigere Temperatur
erreicht, als bei geringem Druck.
5.3 Ionische Verfahren
Im Hoch- und Ultrahochvakuumbereich reichen auch die thermischen
Änderungen nicht mehr aus, um eine brauchbare Differenzierung zu
erhalten. Hierbei kommen ionische Verfahren zum Einsatz, welche den
Effekt der Stromleitung in verdünnten Gasen ausnutzen, der in
Kapitel 6.5 noch näher beschrieben wird. (Verfahren nach Penning)
Da sich manche Gase leichter ionisieren lassen als andere ist auch
dieses Verfahren gasabhängig.
6. Versuche mit Grob- und Feinvakuum

Für
Versuche im Vakuum
ist eine Vakuumglocke hilfreich, die eine freie Sicht ins Innere
gestattet. Solche Glocken werden heute meist aus Kunststoff gefertigt,
was einen erheblichen Sicherheitsvorteil gegenüber
Glasgefäßen bringt. Denn die Drücke, die beim
Evakuieren entstehen, sind gemäß dem Magdeburger Beispiel
sehr hoch. So beträgt die Gewichtskraft, die bei vollem Vakuum auf
dieser kleinen Glocke mit 170mm Durchmesser lastet, immerhin schon mehr
als 230kg.
6.1 Luftwiderstand
Die ersten Fallversuche wurden von Galileo Galilei am schiefen Turm von
Pisa bereits 1590 durchgeführt. Für die damalige Zeit
entsprach die Theorie, dass alle Körper, unabhängig von ihrem
Gewicht, gleich schnell zu Boden fallen nicht unbedingt den
Vorstellungen der Menschen. Jeder konnte eindeutig beobachten, dass
eine Feder wesentlich langsamer zu Boden fällt, als etwa ein Stein.
So war es für Galilei damals auch entsprechend schwierig, seine
Theorie zu formulieren. Erst mit der Möglichkeit, ein Vakuum
herzustellen, waren dann auch die physikalischen Bedingungen
geschaffen, um das Fallgesetz experimentell eindeutig beweisen zu
können.
Ein solcher Versuch kann leicht in der Vakuumglocke durchgeführt
werden, indem man an der Decke eine Feder mit einem kleinen Magnet
festklemmt. Beim Loslassen in Luft fällt der Magnet schnell zu
Boden, während die Feder langsam durch die Luft segelt.
Unter Vakuumbedingungen bietet sich das selbst für uns heute noch
sehr ungewohnte Bild, einer senkrecht nach unten fallenden Feder, die
zeitgleich mit dem Magnet den Boden berührt.
6.2 Volumenvergrößerung
==>
Wenn ein Gas in einem Gefäß verdünnt wird, so verteilen
sich die verbleibenden Moleküle aufgrund ihrer chaotischen
Wärmebewegung wieder auf die volle
Gefäßgröße. Dieses Verhalten kann demonstriert
werden, indem ein nicht aufgeblasner, aber verschlossener Luftballon in
die Vakuumglocke gelegt wird. Mit sinkendem Außendruck bläht
er sich immer weiter auf und erreicht mitunter eine beachtliche
Größe. Etwas Restluft muss sich dafür natürlich
schon vorher in dem Ballon befunden haben.
6.3 Dampfdruck von Wasser

Wasser
besitzt, wie viele andere Flüssigkeiten auch, einen vom
Umgebungsdruck abhängigen Siedepunkt. Anwendung findet das z.B.
beim Druckkochtopf, bei dem durch Erhöhen des Druckes ein
Siedepunkt von über 100°C erreicht wird.
Den umgekehrten Effekt bemerken Bergsteiger, wenn sie in großer
Höhe, bei geringem Luftdruck Wasser erwärmen, es siedet dann
schon unter 100°C.

Dieses Verhalten von Wasser wird in der sogenannten Dampfdruckkurve
dargestellt. Es lässt sich ablesen, dass bei einem Druck von unter
23,3mbar Wasser schon bei 20°C zu sieden beginnt. Dieses Verhalten
kann leicht mit der Drehschieberpumpe und der Vakuumglocke gezeigt
werden.
Es empfiehlt sich für diesen Versuch das Gasballastventil der
Pumpe zu öffnen, damit der Wasserdampf nicht in der Pumpe
kondensiert. Denn die Dämpfe in der verdünnten Luft sind
unter geringem Druck zwar gasförmig, fallen aber bei
Atmosphärendruck sofort wieder als Flüssigkeit aus.
Auf ähnliche Weise können Flüssigkeiten entgast werden.
Wird etwa Mineralwasser dem Vakuum ausgesetzt, so ist ein
verstärktes Ausgasen der Kohlensäure zu beobachten. Das
Wasser siedet in diesem Fall nicht etwa früher, obwohl es so
ähnlich aussieht.
6.4 Trippelpunkt von Wasser
Wenn Wasser siedet, wird ständig Wärmeenergie verbraucht, das
kennen wir aus der Küche. Siedendes Wasser erwärmt sich nie
über 100°C. Die zusätzlich zugeführte Energie geht
in den Dampf über.
Im Falle des Vakuums gilt der umgekehrte Fall. Durch das Sieden wird
Wärmeenergie verbraucht, die aber nicht zugeführt wird. Diese
wird dem Wasser entzogen, sodass es sich abkühlt.

Diesen Effekt kann man soweit an die Spitze treiben, bis das Wasser
gefriert. Dazu werden sinnvoller weise kleine Wassertropfen auf ein
thermisch isolierendes Material gelegt. Die große Oberfläche
begünstigt die Verdunstung, sodass die Tropfen nach einiger Zeit
gefrieren.
Danach könnte man vermuten, dass die Tropfen wieder auftauen, da
jetzt keine Flüssigkeit mehr zur Verfügung steht, um die
Kühlung aufrecht zu erhalten.
Dem ist aber nicht so, denn ganz im Gegenteil bleibt das Eis weiter
bestehen und wird erstaunlicherweise nach einiger Zeit sogar weniger.
Das führt und zu einem weiteren, interessanten Verhalten von
Wasser. Aus dem Zustandsdiagramm lässt sich erkennen, dass sich
mit sinkendem Druck Schmelzpunkt und Siedepunkt immer weiter
nähern, um sich bei einem Druck von 6,09mbar bei einer Temperatur
von 0,01°C im sogenannten Trippelpunkt vereinigen.
Bei einem Druck unterhalb des Trippelpunktes geht das Wasser direkt vom
festen in den gasförmigen Zustand über. Dieser Vorgang
heißt Sublimation und wird industriell bei der Gefriertrocknung
eingesetzt. Dieser Vorgang funktioniert übrigens auch bei
Atmosphärendruck, ähnlich der Verdunstung unterhalb des
Siedepunktes, entsprechend langsamer. So kann im Winter bei länger
andauernden Kälteperioden beobachtet werden, wie etwa gefrorene
Pfützen mit der Zeit immer weniger Eis enthalten. Auch kann man
aufgrund des gleichen Effektes Wäsche selbst bei Minusgraden
trocknen.
6.5 Stromleitung in verdünnten Gasen
Unter normalen Druck verhält sich die Umgebungsluft im
Wesentlichen wie ein Isolator, wie uns die Hochspannungsfreileitungen
zeigen. Bei Funkenüberschlägen oder bei Sprühentladungen
in der Elektrostatik zeigt sich aber, dass Luft dennoch in der Lage ist
Strom zu leiten. Mit sinkendem Luftdruck wird dieser Effekt immer
ausgeprägter und die Luft immer mehr leitfähig.
Geißler- oder Crooks-Röhren,
wie sie im Englischen auch genannt werden, sind
Gasentladungsröhren, welche die Stromleitung in verdünnten
Gasen ausnutzen, um verschiedenste Leuchterscheinungen zu erzeugen.
Ausgehend vom Normaldruck lässt sich mit zunehmendem Vakuum
beobachten, wie die Charakteristik einer Sprühentladung immer mehr
in eine Glimmentladung übergeht.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der unselbständigen
und der selbständigen Stromleitung. Im ersten Fall werden die zur
Leitung benötigten Ladungsträger durch äußere
Einflüsse, wie etwa Röntgenstrahlen, hohe Temperatur z.B. in
Flammen oder radioaktive Strahlung, wie beim Geigerzähler,
erzeugt.
Bei der selbstständigen Stromleitung werden die Ladungsträger
aufgrund einer genügend hohen Spannung in dem Gas selbst, durch
Herausschlagen von Elektronen aus den Luftmolekülen erzeugt. Diese
Form ist für Gasentladungsröhren die übliche Ionisierung.
Demnach werden die positiven Ladungen durch Luftmoleküle
transportiert, denen durch Ionisation Elektronen entzogen wurden. Die
negativen Ladungen werden durch die Elektronen selbst transportiert. Da
die Moleküle viel größer und vor allem schwerer sind,
können sie viel mehr kinetische Energie aufnehmen und daraus
folgen auch ganz unterschiedliche Eigenschaften der beiden
Ladungsträger.
6.5.1 Stromrichtung

Wie
groß die kinetische Energie der positiven Ionen ist, wird
sichtbar, wenn man eine plattenförmige Kathode (negative
Elektrode) mit einem Loch verwendet. Die positiven Ladungsträger
fliegen durch das Loch hindurch und treffen die Kathode erst auf der
Rückseite. Mit umgekehrter Polarität, (Lochelektrode ist die
positive), kann dieses Verhalten nicht festgestellt werden, es gibt
keine Leuchterscheinung auf der Rückseite, da die leichten
Elektronen fast vollständig auf der Plattenvorderseite auftreffen.
Aus diesem, der wirklichen Stromrichtung umgekehrten Verhalten kommt es
auch, dass wir die so genannte technische Stromrichtung verkehrt herum
definieren. Landläufig sagt man, der Strom fließe von Plus
nach Minus, weil es in diesem Fall eben auch so aussieht, als
würde etwas von der positiven Seite zur negativen fliegen, es sind
dies die positiven Ionen. Doch die wirklichen Leistungselektronen in
den Drähten bewegen sich von Minus nach Plus, weil es dort keine
Ionen gibt. Auch das unterschiedliche Verhalten der Pole an einer
Influenzmaschine führt auch dem gleichen Grund zu der gleichen Fehleinschätzung.
6.5.2 Freie Wegstrecke

Ab ca. 0,5mbar ist die Geschwindigkeit der Ladungsträger schon so
hoch, dass Laufzeiterscheinungen auftreten. Am stabilsten und
schönsten sind sie, wenn zwei plattenförmige Elektroden
verwendet werden. Eine Spitze ist hierfür nicht mehr notwendig,
denn diese Erscheinung hat nichts mehr mit einer Sprühentladung zu
tun. Es bilden sich vor der Anode (positiv) viele leuchtende Scheiben.
Dieser Effekt hat nichts mit der Frequenz der angelegten Spannung und
deren
Wellenlänge zu tun, er tritt auch bei Gleichspannung auf, und der Abstand der Scheiben steigt mit sinkendem Druck.
Ein Ladungsträger, der von der Anode weg fliegt, gewinnt seine
Energie aufgrund der Potentialdifferenz zur Kathode, die ihn anzieht.
Seine Geschwindigkeit steigt demnach mit zunehmendem Abstand zur Anode
an. Der Ladungsträger stößt auf seinem Weg
zwangsläufig mit neutralen Gasatomen zusammen. Bis zu einer
gewissen Geschwindigkeit kommt es dabei nur zu elastischen
Stößen, ohne das sich die Gasatome selbst verändern. Ab
einer gewissen Geschwindigkeit aber hat der Ladungsträger
genügend Energie, um aus einem neutralen Atom Ladungen
herauszuschlagen, es also zu ionisieren.
Durch seinen Aufprall erzeugt er in einer Kettenreaktion weitere
Ladungsträger in diesem Bereich. Das führt dazu, dass dieser
Teil leitfähiger wird als der übrige Entladungsraum. In einem
leitfähigen Bereich sinkt aber die Feldstärke ab und somit
auch die Beschleunigungskraft, die auf die Ladungsträger wirkt.
Diese besitzen dann nicht mehr die Energie, um neue Ladungen
herauszuschlagen. Im anschließenden Bereich sind sie zu langsam,
um neutrale Atome zu ionisieren. Es stellt sich nach einem sichtbaren
Knoten wieder ein dunklerer, wenig ionisierter Raum ein. Dort aber
steigt die Feldstärke wieder an, die Ladungsträger werden auf
eine höhere Energie beschleunigt und es ist ihnen wieder
möglich neutrale Atome zu ionisieren, es bildet sich der
nächste Knoten.
6.5.3 Gleichrichtung
Die unterschiedlichen kinetischen Eigenschaften von positiven und
negativen Ladungsträgern können dazu ausgenutzt werden um
einen
Gleichrichtereffekt zu
erzeugen. Dieser nutzt die unterschiedliche Masse und Größe
der Ladungsträger und ist demnach nur von der Oberfläche der
Elektroden, also im Wesentlichen von ihrer Form abhängig.
Zur
Demonstration benutzen wir eine modifizierte Geisslerröhre, mit
einer spitzenförmigen Elektrode auf der einen Seite und einer
plattenförmigen Elektrode auf der anderen.
Mit Hilfe eines Hochspannungsnetzgerätes wird ein konstanter Strom
in die Röhre eingespeist. Die sich daraus an der Röhre
ergebende Spannung wird für beide Flussrichtungen durch die
Röhre gemessen. Es zeigt sich, dass in dem Fall, wo die
plattenförmige Elektrode die positive ist, eine höhere
Spannung an der Röhre auftritt, als wenn die Spitze die positive
ist. Berechnet man daraus den Widerstand, so zeigt sich, dass im ersten
Fall die Röhre einen erhöhten Widerstand aufweist.
Erklären kann man diesen Effekt, den wir sonst nur von beheizten
Röhren her kennen, durch die unterschiedlichen Massen bzw. Volumen
von negativen und positiven Ladungsträger. Die negativen Ladungen
werden durch die Elektronen transportiert, die extrem klein und leicht
sind. Sie können auch gut aus einer kleinen Oberfläche in
großen Mengen austreten. Die positiven Ladungen werden durch die
Luftmoleküle, denen Elektronen entzogen wurden, transportiert.
Diese sind sehr groß und schwer und unterliegen den mechanischen
Gesetzen der Raumnutzung. Wenn die großen Moleküle ihre
Ladung auf eine kleine Oberfläche abgeben müssen, so erfolgt
dies langsamer, als wenn eine große Fläche zur
Verfügung steht. Sie müssen die Elektrode ja berühren
und werden dann ungeladen von ihr abgestoßen, dabei müssen
sie durch die nachdrängenden Moleküle zurück und erst
dann ist der Platz wieder frei für die nächste Umladung. Das
kommt im elektrischen Sinn einer Widerstandserhöhung gleich.
Im Mittel fließt so ein vermehrter Elektronenstrom von der
großen Fläche zur kleinen, weil der Materiestrom der
Moleküle in dieser Richtung einen höheren Widerstand
vorfindet. Da aber unsere technische Stromrichtung umgekehrt zum
Elektronenstrom definiert ist, was leicht zu Verwirrungen führen
kann, fließt der Gleichstromanteil letztendlich von der kleinen
Fläche zur großen.
Dieses Verhalten ist umgekehrt zu normalen Gleichrichterröhren,
was zeigt, dass es von deren Funktionsprinzip grundlegend verschieden
ist. Bei beheizten Vakuumröhren besitzt normalerweise die Anode,
wegen der besseren Kühlung, die größere Fläche,
während die Heizkathode eine sehr geringe Oberfläche
aufweist, um die Strahlungsverluste der Heizung gering zu halten. Bei
diesen Röhren fließt der Gleichstrom (nicht der
Elektronenstrom !) immer von Anode zur Kathode, also von der
großen Fläche zur kleinen Fläche.
7. Versuche mit Hochvakuum

Wird die
Geisslerröhre auf der Turbomolekularpumpe
montiert, so lässt sich das Verhalten der Gasentladung bei noch
niedrigeren Drücken verfolgen. Wird nur die Vorpumpe in Betrieb
genommen, bilden sich zunächst wieder die charakteristischen
leuchtenden Scheiben. Mit weiter sinkenden Druck ziehen sich die
Scheiben rasch zurück, bis nur noch ein gleichmäßiges
Glimmen über die gesamte Röhre herrscht. Auch diese Entladung
verkleinert sich immer weiter, bis nur noch ein dünner Strahl
übrig bleibt. In diesem Abschnitt der Entladung fliegen die
Ladungsträger extrem schnell und erzeugen bei genügend hoher
Beschleunigungsspannung beim Aufprall auf den Elektroden
Röntgenstrahlen. Wird noch weiter evakuiert, so erlischt auch
diese Entladung und es ist im Hochvakuum mit kalten Kathoden nun kein
Stromfluss mehr zu erzielen. Das Vakuum ist jetzt völlig
isolierend, wie uns ja auch die Hochvakuumkondensatoren zeigen.
7.1 Elektronenröhre
1883 entdecke Thomas Alva Edison zufällig beim Experimentieren mit
seinen Glühlampen den Effekt der Glühemission. Bei der
Glühemission werden durch die extrem hohe Temperatur Elektronen
aus dem Material herausgelöst, die dann zur Stromleitung im Vakuum
frei zur Verfügung stehen.

Edison hatte in den Glaskolben einer Glühlampe eine
zusätzliche Elektrode eingeschmolzen, über die ein
Elektronenstrom, von dem erhitzten Glühfaden floss. Damit war
bewiesen, dass auch im hohen Vakuum ein Stromfluss ohne Gasentladung
möglich ist und so schon sehr früh die Grundlage für die
Röhrentechnik gelegt. In der damaligen Zeit gab es aber noch keine
Verwendung dafür.
Ein solches Experiment lässt sich in heutiger Zeit leicht mit
Glühlampen aus dem KFZ Bereich nachstellen, von denen einige Typen
zwei getrennte Glühfäden besitzen. Mit Hilfe der
Turbomolekularpumpe ist es ebenfalls möglich, ein so hohes Vakuum
aufzubauen, dass kein Stromfluss mehr auftritt. Wird dann ein kleiner
Glühfaden aus einem Lämpchen als Kathode benutzt, so
lässt sich der Effekt der Glühemission demonstrieren. Im
kalten Zustand gibt es zunächst keinen Stromfluss, erst wenn der
Glühfaden beheizt wird, kann Strom fließen. Auch kann durch
Umpolung der Spannung der für Elektronenröhren
charakteristische Gleichrichtereffet demonstriert werden. Liegt der
Pluspol an dem Glühfaden an, so kann kein Strom fließen.
Der Gleichrichtereffekt begründet sich hier etwas anders, als in
dem Beispiel mit der Geisslerröhre. Da hier nur mehr Elektronen
geleitet werden, ergibt sich die Gleichrichtung aus der Tatsache, dass
die unbeheizte Anode nicht in der Lage ist, Elektronen zu emittieren.
7.2 Röntgenröhre
Bei Experimenten mit Gasentladungsröhren entdeckte Wilhelm Conrad
Röntgen (1845-1923) 1895 eine unsichtbare Strahlung die von der
Anode ausging. Er nannte sie X-Strahlen, eine elektromagnetische
Strahlung, die durch das Abbremsen schneller Elektronen an der Anode
entsteht.
In der Anfangszeit der Röhrentechnik herrschte allgemein die
Auffassung, dass in einem idealen Vakuum überhaupt keine
Stromleitung möglich ist. Das führte zum Bau von sehr schwer
handzuhabenden Röntgenröhren, mit geringer
Restluftfüllung. In diesen konnte über Glühwendeln das
Vakuum erhöht werden, indem freie Moleküle gebunden wurden.
Über ein speziell durchlässiges Metall konnten im Gegenzug
bei zu hohem Vakuum Wasserstoffatome in die Röhre hinein
diffundieren.
Heutige Röntgenröhren sind hoch evakuiert und nutzen den
Effekt der Glühemission, um auch im Hochvakuum einen Stromfluss
herzustellen.

Auch mit einem sehr einfachen Aufbau, bestehend aus einem Lämpchen
als Kathode und einer abgeschrägten Kupferanode, kann mit Hilfe
der Turbopumpe eine
Röntgenröhre hergestellt werden.
8. Zusammenfassung
Dieser Vortrag sollte einen Überblick über
die Eigenschaften und das Verhalten von Vakuum geben, um bei
Forschungsarbeiten richtig mit der Vakuumtechnik umgehen zu
können, da in diesem Bereich oft einfache und leicht vermeidbare
Fehler zu falschen Versuchsergebnissen führen.
Zweifellos ist das Gebiet der Vakuumtechnik viel umfassender, als hier
dargestellt werden konnte. Ich hoffe dennoch, einen vor allem für
die Praxis brauchbaren Überblick gegeben zu haben.