Jeder Bastler weiß, dass ein Fernseher so einiges an nützlichen
Sachen zum Ausschlachten enthält. Besonders der Zeilentrafo ist ein
sehr interessantes Objekt. Ohne Ansteuerung ist er aber wertlos. Es empfiehlt
sich daher beim Ausbau etwas gezielter vorzugehen, um die dazugehörigen
Bauteile und deren Beschaltung zu erhalten.
Funktion
Im Fernseher wird der Zeilentrafo hauptsächlich zur Erzeugung
der Horizontalablenkung benötigt. Da diese mit einer Frequenz von
15,625 kHz betrieben wird, ist er meistens als Trafo mit Ferritkern
und kleinem Luftspalt ausgeführt. Durch die hohe Arbeitsfrequenz bietet
sich aber noch eine andere Anwendung an. Die Bildröhre benötigt
für die Nachbeschleunigung eine hohe Gleichspannung von 5...24
kV je nach Größe der Bildröhre. Die hohe Frequenz ermöglicht
mit geringen Windungszahlen diese Spannung zu erzeugen. Zur Nachbeschleunigung
wird eine positive Gleichspannung benötigt. Deshalb wird meistens
eine Gleichrichterdiode in den Trafo mit eingegossen. Nur bei älteren
Modellen kann diese noch diskret ausgeführt sein. Mit solchen Dioden
kann man eine Spannungsverdopplerschaltung aufbauen.
Weiters kann der Zeilentrafo noch Potentiometer für die Helligkeit
und den Fokus der Bildröhre enthalten. Mit diesen lässt sich
eine kleine Spannung (einige kV) einstellen, die an den zusätzlichen
Leitungen herausgeführt wird. Der Anschluss für die Nachbeschleunigung
ist dagegen meist viel stärker isoliert, und somit leicht zu erkennen.
Viele ältere Fernsehgeräte haben nach dem Zeilentrafo oft eine
so genannte Kaskade (=Villard-Schaltung) nachgeschaltet. Diese wird mit
einer relativ geringen
Wechselspannung (z.B.500V) vom Zeilentrafo
versorgt, gleichgerichtet und vervielfacht. Wenn man die Zusammenschaltung
mit dem Trafo beibehält, kann man auch diese verwenden.
EineVillard-Schaltung ist eine Spannungsvervielfacherschaltung, die
ähnlich arbeitet, wie die Einpuls-Verdopplerschaltung
in einem Mikrowellenherd. Die hier dargestellte
Schaltung besteht im Prinzip aus 4 Einweg-Verdopplerschaltungen. Die negative
Halbwelle der Wechselspannung U1 (=220V) lädt den Kondensator C1 auf
den Spitzenwert von etwa 311V auf. Die folgende positive Halbwelle der
Spannung U1 ist nun mit C1 in Serie geschaltet, so dass C2 jetzt über
D2 auf etwa 622V aufgeladen wird. Für die zweite Stufe der Schaltung
gilt ähnliches, nur liegt für diese der Nullpunkt bereits an
+622V. Das hat den Vorteil, dass alle Bauteile in der 2.Stufe nur mit der
gleichen Spannung (622V) wie in der 1.Stufe belastet werden. C3 wird in
der negativen Halbwelle auf 622V (=UC2-UC1+U1) aufgeladen, C4 in der positiven
auf ebenfalls 622V. Der Ausgang der Schaltung liegt an D1, C4. Dort kann
gegenüber dem Nullpunkt eine Leerlaufspannung von etwa +1244V (= 4
* 311V = 4 stufige Schaltung) als Summe der beiden Stufen abgenommen werden.
Solche Schaltungen werden oft zur Erzeugung hoher Spannungen in Luftionisatoren
oder Fliegenfängern verwendet. Unter Belastung sinkt die Spannung
mitunter sehr stark ab, da die Kondensatoren über die vielen Stufen
nicht so schnell nachgeladen werden können.
Schaltungsbeschreibung
Die Schaltung zeigt einen Oszillator mit einem NE555. Das ist völlig
ausreichend, da wir hier keine präzisen Ablenkspannungen erzeugen
wollen. Über die beiden 22kOhm Potis kann die Frequenz bzw. das Tastverhältnis
eingestellt werden. Mit diesen Einstellungen wird der Trafo auf max. Ausgangsspannung
abgeglichen. Der Ausgang des Oszillators steuert einen BD242, der wiederum
als Treiber für den Endtransistor (2SC3883) dient. Dieser Typ besitzt
eine eingebaute Freilaufdiode.
Der Trafo wird hier als Sperrschwinger betrieben. D.h. der Freilaufkreis
bildet sich auf der Sekundärseite des Trafos über die Gleichrichterschaltung.
Ist diese Last zu gering (das ist sie ohne Bildröhre meistens), können
Überschläge an den anderen freien Wicklungen entstehen. Diese
könne durch geeignete Belastung (z.B. RC-Glied) verhindert werden.
Soll die Hochspannung einstellbar sein, so ist es zu empfehlen, zwei
getrennte Stromkreise aufzubauen. Die Steuerspannung (hier 12V) bleibt
immer konstant. Über die Versorgungsspannung des Trafos lässt
sich dann die Hochspannung von Null weg einstellen. Dieses Prinzip wurde auch beim 40kV Labornetzgerät eingesetzt. Eine Änderung
im kleineren Bereich ist auch über das Tastverhältnis der Primärspannung
möglich.
Zum Nachbau
Wenn man den Zeilentrafo aus dem Fernseher ausbaut, sollte man sich
die Anschlüsse für die Primärwicklung merken. Das ist dort,
wo der Hochspannungs-Leistungstransistor angeschlossen ist. Den sollte
man am besten mit seinem Kühlblech auch gleich ausbauen, sofern er
nicht defekt ist (ein häufiger Fehler in Fernsehgeräten). Meistens
wird der Pluspol der Versorgung direkt an den Trafo geführt und der
NPN-Transistor schaltet dann gegen Masse. Viele neue Geräte verwenden
eine relativ niedrige Spannung im Primärkreis (z.B.38V). Ein solcher
Trafo ist bevorzugt zu verwenden, da dann die Spannungsversorgung leichter
und ungefährlicher zu realisieren ist. Wenn man auch einen Treibertransistor
auf der Platine entdeckt, so kann man diesen natürlich anstelle des
BD242 verwenden. Es empfiehlt sich überhaupt die gesamte Beschaltung
um den Leistungstransistor herum direkt zu übernehmen, da diese auf
den Trafo abgestimmt ist.
Steht hingegen nur ein bereits ausgebauter Zeilentrafo zur Verfügung, so muss man die Anschlüsse des Zeilentrafos nachträglich ausmessen. Wir gehen davon aus, dass ein moderner Zeiletrafo mit eingebauter Diode und über 30kV Ausgangsspannung verwendet wird. Meist haben diese Trafos zwei Hochspannungsausgänge für die Vor- und Nachbeschleunigung, manchmal auch noch zusätzliche für die Fokussierung, verwendet wird nur der spannungsstärkere für die Nachbeschleunigung. Dazu geht man wie folgt vor:
Die Funken, die damit erzeugt werden können, sind ca. 2cm lang. Diese
Länge erreichen sie nur zwischen zwei Spitzen. Ein Vergleich mit der
Kugelfunkenstrecke
zeigt, dass dort 20kV nur einen 6mm langen Funken erzeugen würden.
Das knatternde Geräusch bei der Entladung, ist charakteristisch für
Gleichspannungsentladungen. Wechselspannungen wie z.B. aus dem Miniteslatrafo
erzeugen ein zischendes Geräusch.
Soll mehr Energie bei der Entladung frei werden, so muss ein Kondensator
mit einigen pF parallel zur Hochspannung geschaltet werden. Im Fernseher
erledigt das die Bildröhre meist selbst. Da sie außen mit Graphit
leitend beschichtet ist, bildet sich ein Kondensator mit der Innenbeschichtung
der Nachbeschleunigungselektrode.
Versuch
zum Faradaybecher
Wer sich noch kein Elektroskop gebaut hat,
der kann auch nur mit Hilfe des Zeilentrafos den Faradaybecher
Effekt nachweisen. Mit einem Elektroskop geht es aber viel eleganter und
einfacher.
Ein Faradaybecher ist ein isoliert aufgestellter Metallbecher. Hier wurde
ein 1/2l Küchenmaß vom Kelvin-Generator
auf einen Keramikisolator gestellt. Mit der graphitbeschichteten (Graphitspray)
Styroporkugel an einem isolierenden Faden ist, es möglich, diesen
Becher immer weiter aufzuladen, wenn man ihn im Inneren
berührt. Der Becher kann so auf eine höhere Spannung aufgeladen
werden, als der Zeilentrafo erzeugt, mit dem man die Styroporkugel immer
wieder neu lädt.
Die Styroporkugel wird durch kurzes berühren der Kugel am Ausgang
des Zeilentrafos geladen. Eine Kugel ist hier wichtig, da sonst die Spitze
des Kabels vom Zeilentrafo die Ladungen in den Raum sprüht, und alles
rundherum auflädt. Dann sieht man gar nichts mehr und erhält
obendrein einen elektrischen Schlag, wenn man Metallteile berührt.
Ob die Styroporkugel geladen ist, sieht man sofort, wenn sie sich von
der Generatorkugel abstößt (gleichnamige Ladungen). Ist sie
ungeladen, kann man sie ohne Ablenkung der Generatorkugel nähern,
ist sie geladen, versucht sie ihr hingegen auszuweichen.
Nähert man die so geladene Kugel jetzt dem vorher ebenfalls auf
Generatorspannung aufgeladenen Becher, so spürt man die gleiche Abstoßung.
Bringt man jetzt die Kugel von oben in den Becher, ohne diesen am Rand
zu berühren, so kann man die Ladung der Kugel an den Becher abgeben,
indem man ihn weit im Inneren mit der Kugel berührt. Sobald
die Ladung abgegeben ist, ist die Kugel völlig ungeladen und es tritt
auch keine weitere Ablenkung mehr auf. Beim Herausziehen der Kugel muss
man wieder darauf achten, den Becher nicht am Rand zu berühren, da
sonst die Kugel wieder geladen ist. Wenn man das richtig macht, ist die
Kugel nachher genau so wenig geladen, wie am Beginn des Versuches. Man
kann also die Kugel nie im Inneren des Bechers aufladen. An der Außenseite
hingegen, funktioniert das genauso, wie bei der Generatorkugel.
Wenn man so den Becher oft genug "nachlädt", wird man feststellen,
dass der Becher auf eine höhere Spannung aufgeladen ist, als sie der
Zeilentrafo erzeugen kann. Ohne Elektroskop
kann man das nur durch die Intensität und Länge der Funkenentladung
des Bechers feststellen. Dazu sollte man sich vorher einmal einprägen,
wie die Entladung mit Nennspannung des Zeilentrafos aussieht. Denn der
Becher speichert nur sehr wenig Energie, so dass die Entladung viel leiser
und mitunter auch kürzer ist, als die des Zeilentrafos.
Die zusätzliche Energie stammt natürlich aus den mechanischen
Bewegungen (Ladungstrennung) der Kugel. Beim Eintauchen in den Becher muss
mitunter eine relativ große Kraft überwunden werden, die eine
leichte Styroporkugel schon zurückwerfen kann. Dieses Prinzip der
Ladung eines Bechers durch viele kleine Ladungen wird beim Kelvin-Generator
ausgenutzt, um hohe elektrostatische Spannungen zu erzeugen.
Theoretischer Hintergrund
Der Grund für dieses merkwürdige Verhalten liegt darin, dass
das Innere eines leitenden Körpers immer frei von elektrischen Feldern
und somit auch frei von Ladungen ist. Die gesamte Ladung eines Körpers
sitzt demnach nur an seiner Oberfläche ! Das soll nicht heißen,
dass man den Becher innen mit der Erde kurzschließen kann, ohne dass
er sich entlädt. Metalle sind immer noch leitend ! Er kann innen nur
keine Ladungen abgeben, da sich eben alle Ladungen an seiner Außenfläche
befinden. Das soll heißen, mit einer Kugel auf einem isolierten Stab
kann man aus dem Inneren keine Ladungen abziehen. Die Kugel ist ungeladen,
sobald man sie aus dem Becher zieht ! Nur durch eine Berührung an
der Außenfläche kann die Kugel geladen werden.
Vorschläge für
weitere Versuche:
Mit diesem Hochspannungsgenerator habe ich versucht einen Elektret
herzustellen. Das ist ein Isolationsmaterial, das immer ein elektrisches
Feld erzeugt. Es ist sozusagen das elektrostatische Gegenstück zum
Magneten. Dazu habe ich Wachs geschmolzen, und danach zwei Elektroden eingegossen.
Während der Abkühlphase wird die Hochspannung angelegt. Leider
war nach Ausschalten der Hochspannung kein Wiederaufladen der Elektroden
festzustellen. Vermutlich ist das Wachs nicht genug isolierend, um die
Dipole in der ausgerichteten Lage festhalten zu können. Es müssen
wahrscheinlich Kunststoffe verwendet werden, die hochisolierend sind. Epoxidharz
wäre da ein guter Tipp.
Elektrete sind sehr interessant, da sie immer wieder Ladungen "abgeben"
können, ohne die Eigenladung zu verlieren. Das darf nicht unbedingt
gleich als unmöglich angesehen werden. Der Elektret erzeugt ja nur
ein elektrisches Feld. Wenn in dieses z.B. ein Platten-Kondensator eingebracht
wird, so wird durch die Bewegung in das Feld die Ladung influenziert.
Es wird also nur die mechanische Energie, nach einem unüblichen Verfahren,
in Elektrische umgewandelt.