Die klassischen netzgeführten Stromrichter mit Thyristoren benötigen
alle einen so genannten Steuersatz. Das ist ein Gerät, das die Zündimpulse
für die Thyristoren im richtigen Moment erzeugt. Der hier gezeigte
Steuersatz (von hps-Systemtechnik) ist einer, wie er oft für Versuchsaufbauten
in Schulen verwendet wird. Bei so einer „Blue Box" sieht man sehr wenig
von seinem Innenleben. Das Blockschaltbild ist aber sehr schön auf
der Frontseite des Gerätes aufgedruckt.
Es zeigt sich aber, dass nicht wirklich viel drinnen ist. Die Bauteile
sind relativ spärlich auf der riesigen Print angeordnet. Ein Nachbau
der Schaltung ist mit den entsprechenden Datenblättern der IC-Hersteller
sicher nicht allzu schwierig. Eine weitere Erleichterung sind die relativ
geringen Frequenzen, was den Aufbau unkritisch gestaltet.
Auf der Gehäuseunterseite befindet sich das 2x15V Netzgerät
mit dem Netzschalter, der Sicherung und dem Kaltgerätestecker.
Der Teil zur Phasensynchronisation an das Netz ist mit einem kleinen
Trafo galvanisch von der Netzseite getrennt. Der Trafo besitzt mehrere
Anzapfungen, so dass ein Betrieb mit verschiedenen Spannungen (220V,95V,24V)
möglich ist. Die Bereiche sind aber sehr variabel, da immer nur die
Nulldurchgänge der Spannung ausgewertet werden. Die Synchronisation
des Sägezahnes übernimmt ein TCA 785 (Siemens). Der Vergleicher
und der 1kHz Generator sind mit dem FZH 261 aufgebaut. Dazu könnte
man sicher auch einen normalen OPV und einen NE555 verwenden. Das UND-Gatter
befindet sich in einem FZH 2558, der sicher durch einen normalen TTL-Baustein
ersetzt werden kann.
Die Sollwertspannung wird von den zwei OPVs LF351 so verarbeitet, dass
mit zwei Potis der maximale und minimale Steuerwinkel eingestellt werden
kann. Dieser Teil muss nicht unbedingt aufgebaut werden.
Der Ausgangsteil verwendet so genannte Zündübertrager, um
die Spannung der Thyristorschaltung zu entkoppeln. Die Übertrager
(braune Würfel) werden von einer Transistor-Schaltstufe (BD242) getrieben.
Ein Übertrager hat je zwei getrennte Ausgänge, um auch eine Vollbrücke
ansteuern zu können. Die Dioden an jedem Übertragerausgang verhindern
das entstehen von negativen Steuerimpulsen.
Im Oszillogramm ist gut zu erkennen, dass eigentlich nur die Nulldurchgänge
der Netzspannung detektiert werden. Denn immer dann ändert das Digitalsignal
seinen Zustand. Wichtig ist auch, dass die Polarität der Spannung
erkannt wird. Die Information darüber steckt in den zwei Signalen,
die die UND-Gatter ansteuern. Für die gibt es leider keinen Messpunkt
auf der Frontplatte. Man kann sich diese Signale aber leicht vorstellen,
indem man das hier gezeigte Signal einfach invertiert. Jetzt markiert es
die negative Halbwelle, nach Umkehrung die Positive.
Aus diesem netzsynchronen Rechtecksignal wird jetzt ein Sägezahn erzeugt.
Das geschieht über Nadelimpulse, die den Beginn jeder Halbwelle markieren.
Die Nadelimpulse erhält man leicht durch Differentiation des Rechtecksignals.
Jeder Impuls startet dann den Sägezahngenerator neu, wodurch auch
dieser netzsynchron wird. Diese Sägezahnspannung wird nun mit der
Sollwertvorgabe für den Steuerwinkel verglichen.
Immer dann, wenn der Momentanwert des Sägezahnes den Sollwert überschreitet,
liefert der Vergleicher eine positive Ausgangsspannung. Diese triggert
das nachgeschaltete Flip-Flop und verhindert somit ein Rücksetzen
des Steuerimpulses bei verrauschter Eingangsspannung. Das Flip-Flop wird
erst mit dem nächsten Neustart des Sägezahngenerator zurückgesetzt.
Dadurch steht der Steuerimpuls bis zum Ende der Halbwelle an. Diese Steuerimpulse
sind jetzt noch für beide Halbwellen gleich.
Durch das oben beschriebene netzsynchrone Rechtecksignal wird jetzt eine
Unterscheidung der beiden Halbwellen getroffen. Das erledigen die zwei
UND-Gatter am Ausgang. Eines erhält nur bei der positiven Halbwelle
eine Freigabe, das andere nur bei der Negativen. Dadurch fällt jeder
zweite Steuerimpuls für einen Ausgang weg, und wir erhalten die gewünschten
Signale für die Zündübertrager. Über einen 1kHz Rechteckgenerator
können auch so genannte Mehrfachzündimpulse erzeugt werden. Diese
verwendet man dann, wenn der Thyristor nicht von Beginn des Zündimpulses
an stromführend ist und dadurch wieder löschen würde. Dieses
Problem führt und direkt zur Funktionsweise des Thyristors.
Ein Thyristor besteht aus vier Halbleiterschichten p-n-p-n. Die beiden
äußeren Schichten bilden die Anschlüsse für den Hauptstromkreis
und werden wie bei einer Diode mit A(=Anode) für die p-Schicht und
K(=Kathode) für die n-Schicht bezeichnet. Die Steuerelektrode ist
an eine der beiden mittleren Schichten angeschlossen. Je nachdem, ob die
n oder p Schicht dazu verwendet wird, spricht man von einem Anoden-Gate-Thyristor
bzw. von einem Kathoden-Gate-Thyristor. Den Namen gibt jene Hauptelektrode,
die näher am Gate ist als die andere. Der gebräuchlichere Typ
ist der Kathoden-Gate-Thyristor. Bei diesem ist die Steuerelektrode an
die p-Schicht angeschlossen.
Die Funktion eines Thyristors geht aus der Ersatzschaltung hervor. Die
4 Halbleiterschichten kann man sich als eine Zusammenschaltung aus einem
pnp und einem npn Transistor vorstellen. Aus dem Ersatzschaltbild
wird die Funktion ersichtlich. Die Beschreibung soll hier nur für
den Kathoden-Gate-Thyristor gegeben werden. Der Gate-Anschluss ist
in diesem Fall Gk.
Nach dem Anlegen der Spannung an die Hauptelektroden (A=positiv, K=negativ)
passiert zunächst nichts. Beide Transistoren sind gesperrt, es kann
kein Strom fließen. Wird jetzt die Spannung am Gate gegenüber
der Kathode in positiver Richtung erhöht, so beginnt in T2 ein Basisstrom
zu fließen. Dadurch wird die Kollektor-Emitterstrecke von T2 leitend,
was wiederum einen Basisstrom für T1 bedeutet. Wenn T1 leitend wird,
verstärkt das wiederum zusätzlich den Basisstrom von T2. Ab einem
gewissen Strom wird der Thyristor durch die gegenseitige Verstärkung
der Basisströme schlagartig leitend. Man sagt der Thyristor zündet.
Ist der Thyristor einmal gezündet, so wird er durch den fließenden
Laststrom im leitenden Zustand gehalten. Es ist keine weitere Steuerung
über das Gate mehr möglich. Der Thyristor kann nur gelöscht
werden, indem der Laststrom kurz unterbrochen wird. Dann ist wieder der
Ausgangszustand erreicht und der Thyristor sperrt.
Aus der Funktionsweise des Thyristors wird klar, warum er nur sehr schlecht
in Gleichstromschaltungen einzusetzen ist. Ist er einmal gezündet,
kann er nicht mehr abgeschaltet werden. Für Gleichstrom gibt es Spezialschaltungen
mit Umschwingkreis, wodurch eine
Löschung über einen Hilfsthyristor möglich wird.
Wird er allerdings in einem Wechselstromkreis eingesetzt, so löscht
er im Nulldurchgang des Stromes automatisch ohne, dass eine zusätzliche
Beschaltung nötig wäre. In der nächsten Halbwelle kann er
dann zu einem beliebigen Zeitpunkt gezündet werden und ist dann wieder
bis zum Nulldurchgang leitend.