Dieses kleine Experiment besteht aus einem Motorkondensator und einem
Vorschaltgerät
einer Leuchtstofflampe. Zunächst wird die Lampe über die
Drossel
von einem 40V Trafo gespeist. Dadurch glüht der Faden nur so
schwach,
dass es hier nicht zu sehen ist. Es sieht zunächst so aus, als ob
der Lampe, ohne Verwendung eines zweiten Trafos zum Hochspannen, nicht
mehr zu entlocken ist.
Wird jetzt der Kondensator
parallel zur Lampe geschaltet, so leuchtet sie
plötzlich fast so hell wie im Normalbetrieb. Eine Messung zeigt
schnell,
dass jetzt ca. 200V an der Lampe anliegen. Die Versorgung ist mit 40V
aber
unverändert geblieben. Wie ist so eine Transformation ohne Trafo
möglich
?
| Kondensator: | 12,5µF / 400V Motorkondensator |
| Induktivität: | Vorschaltgerät von 58W / 0,47A Leuchtstofflampe (ca. 800mH) |
| Lampe: | 230V / 25W |
| Versorgung: | Externer Trafo 40V~ / 1A |
Die Schaltung zeigt den sehr
einfachen Aufbau dieses Versuches. Es ist
zunächst nicht ersichtlich, wie die Transformation zustande kommt.
Doch wenn man bedenkt, dass Kondensator und Induktivität zusammen
einen Schwingkreis bilden, wird einiges klarer. Rechnen wir doch zuerst
einmal die Resonanzfrequenz dieses Schwingkreises mit der Schwingungsgleichung
aus. Siehe da, es sind annähernd 50Hz, also die Netzfrequenz !
Theoretischer Hintergrund
Was passiert in einem Schwingkreis, wenn beide Bauteile
gegeneinander
verändert werden ? Angenommen es wird der Kondensator verkleinert
und die Induktivität so erhöht, dass sich wieder die gleiche
Resonanzfrequenz einstellt. Auf den ersten Blick hat sich nichts
verändert,
doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. Die Induktivität kann
jetzt viel mehr Energie speichern und muss diese auf einen viel
kleineren
Kondensator abgeben. Dieser muss aber die gesamte Energie aus der
Induktivität
aufnehmen, da sonst keine Schwingung
zustande käme und das kann er nur, indem er seine Spannung
erhöht.
Mit einer höheren Spannung kann er die gleiche Energie speichern
wie
ein großer Kondensator bei geringer Spannung.
Analog dazu verhält sich der Schwingkreis, wenn die
Induktivität
verringert wird. Dann wird ein höherer Strom zum Fließen
kommen.
Aufgrund der Dimensionierung der Bauteile kommt es beim Zuschalten
des
Kondensators zu einer Resonanzüberhöhung. Die Spannung im
Schwingkreis,
also an L und C steigt an, während die Versorgung unverändert
bleibt. Die Lampe liegt aber innerhalb des Schwingkreises und
erhält
so die hohe Spannung. Sie könnte genauso gut parallel zur Drossel
liegen
um diesen Effekt zu erzeugen.
Erstaunlich ist, wie der Strom durch die Schaltung nur durch das
Zuschalten
des Kondensators ansteigt. Es ist im Betrieb ca. 1A zu messen. Das
überlastet
schon ein wenig die Drossel, die dann auch sehr heiß wird. Der
hohe
Strom ist aber notwendig, um die Leistung auf dem niedrigen
Spannungsniveau
zur Verfügung stellen zu können. Wird die Lampe entfernt, so
fließt ein ähnlich hoher Strom, der aber dann kapazitiv ist,
und es tritt eine noch viel höhere Spannung auf, die schon
ca.
300V erreichen kann. Das kann mitunter bereits den Kondensator
zerstören.
Der Entladewiderstand R verhindert, dass der Kondensator nach dem
Abschalten
aufgeladen bleibt.
Nach dem gleichen Prinzip
funktioniert auch ein auf den ersten Blick etwas
seltsamer Effekt. Nimmt man einen Netztrafo 48V/3A und schaltet
parallel
zu seinem Ausgang einen Kondensator z.B. 50µF (=
Motorkondensator, keinen Elko !), dann ist im Belastungsfall eine
höhere Spannung am
Trafo zu messen, als im Leerlauf an seinen Klemmen zur Verfügung
steht.
Die Erhöhung ist oft nicht mehr als ein Volt, aber dennoch gut
messbar.
Es ist verblüffend zu sehen, wie nach dem Schließen des
Schalters S Strom durch den Trafo fließt, also der Trafo belastet
wird und trotzdem die Spannung ansteigt.
Doch wenn man bedenkt, dass sich mit der Streuinduktivität der
Wicklung ein Schwingkreis bildet, ist diese
Spannungsüberhöhung
leicht zu erklären. Der Grund, warum die Spannung nicht wie bei
einem
Teslatrafo bis in den kV-Bereich ansteigt, ist die sehr feste Kopplung
zwischen den beiden Spulen eines Netztrafos.
Um dieses Experiment erfolgreich durchzuführen, sollte schon ein
stärkerer Trafo mit mindestens 100 VA Leistung verwendet werden.
Bei
kleineren Trafos ist der Innenwiderstand der Wicklung zu groß und
die Ausgangsspannung sinkt durch den Belastungsstrom zu stark ab, um
noch
eine Überhöhung zu messen. Weites ist eine hohe
Ausgangsspannung
von Vorteil, da dann die Kapazität nicht so groß sein muss
um
in die Nähe des Resonanzpunktes zu kommen.
Diese wenig bekannte, aber mindestens ebenso effektive Methode wie die magnetische verwendet auch der Teslatrafo. Es ist eine geschickte Ausnutzung der Resonanzgesetze. L und C sind Energiespeicher, zwischen denen die Energie ständig hin und her pendelt. Wird L vergrößert und C so verringert, dass sich wieder die gleiche Resonanzfrequenz einstellt, dann steigt die Spannung an, weil die große Induktivität ihre gesamte Energie in einen kleinen Kondensator abgeben muss. Dieser kann die gleiche Energiemenge nur aufnehmen, wenn er dazu eine höhere Spannung verwendet.
Resonanzen kommen in allen schwingenden Systemen vor, werden aber
oft
nicht beachtet. Wer hätte schon an einen Teslatrafo bei 50Hz
gedacht
? Aber im Prinzip ist diese Schaltung nichts anderes, als ein mit
diskreten
Bauteilen aufgebauter Teslatrafo.