Das ist der Laboraufbau einer Stoßmagnetisierungsanlage. Links im
Hintergrund ist ein Teil des Regeltrafos zu sehen, daneben das 24V
Netzgerät.
Ganz links ist der Ladewiderstand, daneben die beiden Kondensatoren und
davor der Hauptschütz zu sehen. Durch einen Druck auf den Taster
im
Vordergrund entladen sich die Kondensatoren über die Spule rechts
im Bild. Dadurch entsteht für kurze Zeit ein extrem starkes
Magnetfeld.
Mit diesem Aufbau wurde versucht, Ferritmagnete so zu magnetisieren,
dass
sich in ihnen eine so genannte magnetische Blase bildet. Bis jetzt ist
das
zwar noch nicht gelungen, aber es ist immerhin möglich mit diesem
einfachen Aufbau einen Ferritmagnet komplett umzumagnetisieren. Das
heißt,
wo vorher der Nordpol war, ist nachher der Südpol. Das Feld eines
so behandelten Magneten ist nachher auch genauso stark wie bei einem
"unbehandelten"
Magneten.
!! Achtung vor dem Nachbau !!
In dieser Schaltung werden hohe Spannungen in Verbindung mit
Kondensatoren
verwendet. Eine Berührung eines aufgeladenen Kondensators oder
netzspannungsführenden
Teilen kann lebensgefährlich sein! Es ist immer ein
Entladewiderstand
am Kondensator anzubringen. Die Schaltung sollte auch nie direkt vom
Netz
versorgt werden. Denn dann sind nach dem Gleichrichter beide Pole des
Kondensators
"heiß", denn der Außenleiter wechselt immer die "Seite"
(!!!).
Beim Umgang mit dieser Schaltung ist immer Vorsicht geboten, denn einen
aufgeladenen Kondensator kann man nicht abschalten!
Schaltungsbeschreibung
Die
Schaltung ist recht einfach. Sie besteht aus dem Regeltrafo mit
nachgeschalteten
Gleichrichter. Es sollte unbedingt ein von Netz galvanisch getrennter
Regeltrafo
verwendet werden. Über einen 220 Ohm Widerstand werden zwei
Kondensatoren
geladen. Hier wurden zwei parallelgeschaltet, um eine höhere
Kapazität
zu erreichen. Es empfiehlt sich auch den kleineren Kondensator
näher
bei der Spule anzubringen. Es ergibt sich dadurch eine
größere
Anstiegsgeschwindigkeit des Magnetfeldes, da ein kleinerer Kondensator
auch eine geringere Induktivität aufweist. Will man eine noch
höhere
Anstiegsgeschwindigkeit erreichen sollten kleine MK oder
MP-Kondensatoren
parallel geschaltet werden. Dann ist es aber auch sinnvoll eine
kleinere
Hauptspule zu verwenden, da ihre Induktivität den Stromanstieg
ebenfalls
begrenzt. Grundsätzlich gilt aber immer, eine höhere Spannung
ergibt auch einen schnelleren Stromanstieg in der Spule. Als
Hauptschütz
sollte einer mit großen Kontaktflächen verwendet werden. Der
Nennstrom ist dabei gar nicht so wichtig, da es sich nur um kurze
Belastung
handelt und mit dem fließenden Strom von einigen hundert Ampere
ist
sowieso jeden Kleinschütz überfordert. Da er diesen Strom
aber
nicht abschalten muss, hält es auch einige Zeit aus. Zur eigenen
Sicherheit sollte der Steuerkreis für den Schütz nur mit
Kleinspannung
betrieben werden und auf keinen Fall mit einem Pol des Kondensators
verbunden
werden.
Messungen an der Schaltung
Um
eine Vorstellung von der Größe der hier fließenden
Ströme zu gewinnen, wurde eine Strommessung mit einem
Speicheroszilloskop
durchgeführt. Dazu wurde ein 1 Milliohm Shuntwiderstand in die
Zuleitung
zur Magnetisierungsspule eingebaut. Der Spannungsabfall an diesem
Widerstand
wurde mit einem Tektronix 2212 aufgezeichnet.
Das Oszillogramm zeigt einen stark gedämpften Schwingungsvorgang.
Dieser entsteht in dem Parallelschwingkreis, der aus den Kondensatoren
und der Magnetisierungsspule besteht. Die Frequenz dieser Schwingung
beträgt
etwa 45 Hz.
Die erste Spitze erreicht eine Spannung von 196mV. Das entspricht bei
1 Milliohm einem Strom von 196A! Der Stoßvorgang ist somit ein
Schwingungsvorgang.
Um das erzeugte Magnetfeld möglichst stark zu machen, sollten
unnötig
viele Schwingungen durch richtige Wahl der Spule vermieden werden.
Der
rechteckige Ferritmagnet ist zwischen den beiden Spulen zu sehen. Die
Spulen sind in Serie geschaltet um die Entladung länger andauern
zu
lassen. Wichtig ist dabei, die Spulen so zu schalten, dass sie sich
einander anziehen, denn sonst springt einem die obere Spule mitsamt dem
Versuchsaufbau entgegen. Bei dem Magnetisierungsvorgang kann es
vorkommen,
dass Teile des Magneten durch die auftretenden Kräfte abspringen.
Diese fliegen dann mehr oder weniger schnell herum. Man sollte dabei
also
nicht unbedingt mit der Nase an der Spule kleben.
Auf diese Art kann man sehr gut einen Magneten stärken, der durch
die vielen Fallversuche beim Bau des Levitrons
schon schwach geworden ist. Für einen Ringmagneten ist eine Spule
zu empfehlen, deren Innendurchmesser etwas größer als der
Außendurchmesser
des Magneten ist.
Jedes
leitende Metall, dass auf die Spule gelegt wird, wird durch das
plötzlich
ansteigende Feld und die dadurch im Material auftretenden
Wirbelströme
weggeworfen. Für Versuche in normalen Räumen sind nur kleine
Al-Stücke
zu empfehlen. Für diesen Versuch wurden die 2300µF nur auf
ca.
100V geladen.
Kupfer
ist viel besser leitend und eine Scheibe mit Loch in der Mitte ist
die idealste Form für Kreisströme. Eine übriggebliebene
Kupferscheibe von der N-Maschine passte genau
auf die Spule. Bei voller Ladung von 325 V und nach einem
erwartungsvollen
Druck auf den Taster sprang sie mit einem stampfenden Geräusch
fast
einen
Meter hoch. Doch wenn sie dann erst wieder herunterkommt.....
Man kann
das noch weiter steigern, wenn man größere Kondensatoren
nimmt. Bei diesem Freilandversuch wurden insgesamt 25900µF auf
325V
geladen. Die Scheibe flog fast zwei Meter hoch und das alles mit einer
unmagnetischen Kupferscheibe ! Ein Stein wurde unter die Spule gelegt
um
einen besseren Untergrund für den Rückstoß zu liefern.
Als die Spule nur im Gras lag, flog die Scheibe nur noch halb so hoch.
An dem Knall und den Bewegungen der Spule kann man erkennen, wie
groß
die Kräfte sind.
Die Höhe lässt sich übrigens mit Hilfe des Videos
sehr gut berechnen. In Frame 13 bei Zeitindex 0,52s hebt die Scheibe
ab.
Man sieht auch einen Funken in der Klemme unter der Spule. In Frame 41
bei Zeitindex 1,64s berührt die Scheibe den Boden. Das gibt eine
Flugzeit
von 1,12s. Daraus lässt sich die Scheitelhöhe mit der Formel
h=1/2*g*(t/2)² berechnen. Das ergibt dann genau 1,53m.
Das zeigt eindrucksvoll, welche Energien in einem Kondensator gespeichert sind. Man kann dazu auch alte Festplattenscheiben verwenden. Diese sind zwar aus Aluminium, aber springen genau so gut, weil sie leichter sind. Die Höhe ist vorwiegend von der Dicke der Scheiben abhängig. Man kann auch mehrere dieser Scheiben übereinander legen, um die Sprunghöhe zu vergrößern. Die Höhe scheint quadratisch mit der Dicke anzusteigen.
Theoretischer Hintergrund: "Der induzierte Strom ist immer so gerichtet, dass sein Magnetfeld der Induktionsursache entgegenwirkt." Das ist die Lenz'sche Regel und in jedem Physikbuch zu finden. Auf unsere Kupferscheibe angewandt heißt das: Ein ansteigendes Magnetfeld induziert in der Scheibe Kreisströme, deren Magnetfeld versucht, das der Spule aufzuheben. Dazu muss es umgekehrt gepolt sein und wirkt dadurch abstoßend auf das induzierende Feld.
Weitere Versuche: Mit einem so
starken
Magnetfeld müsste es auch möglich sein, die diamagnetischen
Eigenschaften von Wasser nachzuweisen. Ich hatte dabei nur das
Problem,
dass die Spule durch innere Kräfte mehr Stöße
verursacht,
als das Wasser selbst. Die Wellenbildung, die ich beobachten konnte,
kam
ausschließlich von der mechanischen Schockwelle in der Spule.
Man müsste das Wasserglas mechanisch von der Spule entkoppeln,
um eine Wellenbildung durch das Magnetfeld nachzuweisen.
Vorsicht mit Wasser in Verbindung mit Strom
!!!
Verbesserungsvorschläge
Wenn man noch einmal das Oszillogramm
betrachtet, ist zu erkennen, dass der Strom in der Spule auch negative
Werte erreicht. Dadurch entsteht natürlich auch ein Magnetfeld in
der umgekehrten Richtung, was zu einer Schwächung der Magneten
führen
kann. Um das zu verhindern, kann man eine Diode in den Stromkreis
einschalten.
Diese verhindert ein Rückschwingen der Energie aus der Spule in
den
Kondensator. Um das Verhalten zu testen, wurde eine Versuchsschaltung
mit
geringerer Spannung aufgebaut. Denn eine Diode in der
Magnetisierungsschaltung
müsste natürlich auch den vollen Strom von ca. 200A und
die Spannung von ca. 400V vertragen können. Da eine solche nicht
zur
Verfügung stand, wurden kleinere Spannungen verwendet und die
Bauteile
anders dimensioniert. Das Prinzip ist aber auf jeden Schwingkreis
anwendbar.
Der
Umschwingkreis:
Die
Schaltung zeigt den Aufbau und die Funktion. Ein 14µF Kondensator
wird auf 24V geladen. Wird der Schalter S umgelegt, so entlädt er
sich über die Diode und die Induktivität (0.8H =
Vorschaltgerät
für Leuchtstofflampen).
Zur Strommessung wurde ein Strombildner verwendet, um eine galvanische
Trennung zu erreichen. Die Strommessung kann man natürlich auch
mit
einem Shuntwiderstand machen, dann muss man aber aufpassen, wo man
das Oszilloskop erdet und welchen Kanal man invertiert.
Im Oszillogramm ist gut zu erkennen, wie der
Kondensator seine Energie
in die Drossel abgibt. Das ist bis zum Erreichen des Strommaximums der
Fall. Dann versucht die Drossel die Stromrichtung aufrecht zu erhalten
und liefert deshalb Energie in den Kondensator zurück, so dass
die Kondensatorspannung negativ wird. Sobald der Strom Null ist, kann
die
Energie nur durch eine Umkehrung der Stromrichtung wieder in die
Drossel
gebracht werden. Doch das verhindert die Diode und stoppt somit die
Schwingung.
Die Spannung am Kondensator ist jetzt wieder annähernd 24V aber in
umgekehrter Polarität. Dieses Prinzip wird in
Stromrichterschaltungen
angewandt, um einen Thyristor wieder löschen zu können. Es
ist
unter dem Namen Thyristorlöschung mit Umschwingkreis bekannt.
Der
Schwingkreis:
Um
zu zeigen, wie die Schaltung ohne Diode schwingen würde, wurde
diese entfernt. Die so entstehende Schaltung stellt dann einen normalen
Schwingkreis da.
Das Oszillogramm zeigt eine gedämpfte Schwingung
mit einer Frequenz
von ca. 50 Hz. Da in dem geschlossenen Schwingkreis sehr wenig Verluste
auftreten, schwingt er relativ lange. Sehr schön ist die
Phasenverschiebung
zwischen Strom und Spannung zu erkennen. Immer, wenn die Spannung Null
ist, hat der Strom ein Maximum. Dann ist alle Energie in der Drossel.
Ist
der Strom dagegen Null, so hat die Spannung ein Maximum, alle Energie
ist
jetzt im Kondensator. Aus den Bauteilwerten kann man übrigens auch
die Resonanzfrequenz nach folgender Formel berechnen:
Eine Magnetisierungsschaltung hat dagegen relativ hohe Verluste (Ohm'sche Verluste durch den hohen Strom und Hystereseverluste durch die Magnetisierung) und schwingt deshalb nur wenige Perioden. D.h. die Schwingung ist sehr stark gedämpft. Wenn man eine Magnetisierungsschaltung nach diesem Prinzip umbaut, muss man nur darauf achten, wie groß die Spannung am Kondensator nach dem Umschwingen ist. Da meistens Elektrolytkondensatoren verwendet werden, dürfen keine hohen negativen Spannungen entstehen. Um diese abzuleiten, kann man eine Diode mit einem Entladungswiderstand parallel zu den Kondensatoren schalten.
Hohe Ströme können Gewaltiges leisten. Wenn man bedenkt,
dass
ein einmal magnetisierter Magnet seine Leistung viele Jahre behalten
kann,
wird klar welche Veränderungen die Ströme im Material
hervorrufen
müssen.