Wissenschaft und Religion
Vom Widerspruch zur Symbiose

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 03/2004 des Pulsars zur Ankündigung des Kongresses über Freie Energie im April 2004 in Pöllauberg erschienen.

In dem Film "Contact" von Robert Zemeckis, der vor allem durch "Forrest Gump" bekannt wurde, wird erstklassige Sciencefiction geboten, die schließlich in einer bizarren Reise zu einem fernen Planeten gipfelt. Hier wird endlich einmal das ausgesprochen, was ohnehin schon jeder vermutet hat - Wir sind nicht allein im Universum.

Vor allem wird in dem Film aber der Zusammenhang, oder besser gesagt der Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion dargestellt.
So heißt es im Buch des Priesters, gespielt durch Matthew McConaughey, "Ausgerechnet die Frage nach einem Sinn kann die Wissenschaft der orientierungslos gewordenen Menschheit nicht geben". Die Vertreterin der Wissenschaft, gespielt durch Jodie Foster, meint darauf, das klinge so, als hätte die Wissenschaft Gott getötet, aber in Wirklichkeit nur bewiesen, dass es ihn nie gegeben hat.

Die Arbeitsweise der Wissenschaft

Tatsächlich könnte man die Arbeitsweise der Wissenschaft mit ähnlichen, wenn auch nicht ganz so harten Worten beschreiben. Der Wissenschaft geht es primär um Erkenntnisse aus der Natur, welche sie dann in Form der Technik für alle nutzbar macht. Für ihr methodisches Vorgehen nutzt sie die Logik, wenn demnach ein Phänomen einmal eindeutig wissenschaftlich erklärt werden kann, so sind alle anderen, bisherigen Erklärungen dafür ungültig.
So betrachteten die Menschen in der Frühzeit den Himmel als den Wohnort der Götter. Sie konnten sich die unregelmäßigen Bewegungen der Planeten nicht erklären und sahen daher in ihnen ihre Götter, welchen sie schutzlos ausgeliefert waren, wenn sie erzürnten und z.B. eine Sonnenfinsternis über sie hereinbrechen ließen.
Doch seit Kopernikus und Galilei sind die Götter ihres Platzes verwiesen worden. Die Bahnen der Planeten können heute präzise vorausberechnet werden und jedes Himmelsereignis ist vorhersagbar. Damit wurde den Menschen zwar die Furcht vor den Göttern genommen, aber zugleich auch ein Keil zwischen Wissenschaft und Religion getrieben. Seither müssen wir uns mit zwei verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Himmel" abfinden. Es gibt den Himmel der Götter, oder in heutiger Zeit den Himmel der Heiligen, der in den Bereich der Religion fällt. Wenn hingegen ein Wissenschaftler vom Himmel spricht, meint er damit immer den der Gestirne.

Vom Glauben und Wissen

Während meiner technischen Ausbildung kam es des Öfteren zu Situationen, in denen jemand die Worte "ich glaube" in den Mund nahm, womit man sich dann meist auch gleich selbst disqualifizierte. Sofort argumentierten dann die Lehrer, der Glaube gehöre in die Kirche und hat in der Technik nichts verloren. Auch kein seriöser Wissenschaftler würde seine neue Theorie mit den Worten "ich glaube" ankündigen, selbst wenn er in Wirklichkeit genau das tut. In der Wissenschaft ist glauben gleichbedeutend mit nicht wissen.
Die religiöse Bedeutung des Wortes Glauben ist eine etwas andere. Hier kam es zu einer ähnlichen Aufspaltung wie beim Begriff des Himmels. Glauben wird in der Religion häufig auch als Gottvertrauen beschrieben. Es geht hierbei nicht nur um eine teilweise Zustimmung zu der Meinung eines anderen, was keinerlei Wissen über die Dinge voraussetzt. Das Vertrauen entstammt aus einer tiefen, inneren Überzeugung und ist wesentlich stärker, als das bloße Glauben. Bedingungsloses Vertrauen setzt ja sogar voraus, dass die vertrauenswürdige Sache unserer Meinung nach bis ins letzte Detail wahr ist.

Nach dieser Betrachtung sind die Wissenschaftler und vor allem auch wir alle, welche die technologischen Errungenschaften benutzen, im religiösen Sinn die tiefst gläubigen Menschen der Welt. Gehen wir nicht jedes Mal, wenn wir unser Auto starten davon aus, dass es auch anspringen wird ? Rechnen wir nicht immer fix damit, dass das Licht auch angehen wird, wenn wir den Schalter betätigen ?
Unser Vertrauen geht sogar soweit, dass wir, wenn einmal etwas nicht funktioniert, keineswegs die Richtigkeit der Wissenschaft anzweifeln, sondern einfach dem Gerät die Schuld geben, welches defekt oder schlecht gewartet sein muss. Man wird in unseren Breiten kaum einen Menschen finden, der in diesem Sinne nicht technik-gläubig ist.
Man könnte daher die Wissenschaft durchaus als die Religion unserer Zeit bezeichnen. Auf der Esoterikseite habe ich das noch überzeichnender dargestellt, indem ich die Bibel mit den Physikbüchern und alle Gläubigen mit den Physikern verglich.
Die, vor allem in den westlichen Ländern von Logik dominierte Denkweise, hat ihr übriges dazu getan, dass die Wissenschaft zum unantastbaren Glaubensbekenntnis wurde. Denn es bleibt keine Alternative, wer die Wissenschaft anzweifelt, wird als verrückt abgetan und sofort in den religiösen Bereich verwiesen, wo er dann wieder "glauben" darf.

Die Axiome des logischen Denkens

Wenden wir uns an dieser Stelle jener Logik zu, derer sich die Wissenschaft bedient und durch deren Praktizierung sie sich über die Religion gestellt hat.
Das Wissen um die Logik ist über 2000 Jahre alt und geht auf den bekannten Philosophen Aristoteles zurück, der die sogenannten Axiome des logischen Denkens formulierte.
Die Formulierung von verbalen Anleitungen zum korrekten Denken weißt schon darauf hin, dass wir mit Hilfe der Sprache denken. Daraus folgt bereits die erste Einschränkung, Dinge für die es keine Worte gibt, können auch nicht bedacht werden. Die Religion kennt ein solches Problem nicht, man kann auch in unbenannte Dinge Vertrauen haben.

Sind die Begriffe einmal eindeutig festgelegt, was bedingt, dass sie jeder kennt und nur sinngemäß verwendet, geht es der Logik des weiteren um die Bereinigung von Widersprüchen. Von zwei, sich wiedersprechenden Aussagen, muss eine eliminiert werden. Dahinter steht der Wunsch nach klaren Verhältnissen und einer gewissen Reinheit unserer Gedankenmodelle. Ein Wiederspruch will aber erst dann als solcher eliminiert werden, wenn man sich zuvor eine entsprechende Meinung zum Thema zurechtgerückt hat und diese entsprechend vertritt.

Meinungsbildung erfolgt primär durch Erfahrung und deren anschließende Beurteilung. In unserer modernen Welt ist es aber gar nicht mehr möglich, alle Erfahrungen selbst zu sammeln, wir sind demnach auf andere angewiesen, die uns bei der Meinungsbildung unterstützen. Bei dem schulischen Lernprozess, den wir alle durchlaufen, werden wir mit einer Vielzahl von Meinungen anderer konfrontiert, die wir in Ermangelung einer anderen dazu widersprüchlichen Meinung, als die für uns vermeintlich richtige hinnehmen. Durch diese Vorgehensweise werden nicht nur, eine ganze Reihe von neuen Erfahrungen verhindert, sondern es wird zugleich eine vorgefestigte Meinung installiert, wonach wirklich neue Entdeckungen dann viel eher als widersprüchlich eliminiert werden.

Wahr oder Richtig

Das fällt umso leichter, da nach den Axiomen der Logik formulierte Aussagen immer einen seriösen Eindruck erwecken, so wie wir es von korrekten Aussagen her gewöhnt sind - sie erscheinen uns richtig zu sein. Doch richtig eben nur im Sinne der Logik, also primär ist Widerspruchsfreiheit garantiert. Ob die eigentliche Kernaussage der Wahrheit entspricht ist damit lange noch nicht gesagt.

Die Mathematik ist eine jener wenigen Wissenschaft, die sich zur Gänze auf die Logik stützt. Ihr geht es nicht um Experimente und Erkenntnisse daraus, es geht ihr nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, was sich alles nach den Gesetzen der Logik widerspruchsfrei formulieren lässt. Ihr geht es nur um die formale Richtigkeit, weshalb sie ja auch zu den Formalwissenschaften zählt.
Mathematische Formeln sind daher immer logisch richtig, was wohl auch der Grund dafür ist, dass sie unter Wissenschaftlern so beliebt sind. Dennoch kann eine Wahrheit damit nicht begründet werden, und demnach können Formeln auch nicht zur alleinigen Erklärung von Naturgesetzten herangezogen werden, was leider all zu oft getan wird. Nicht ohne Grund sagt man ja auch, eine Formel beschreibe diese und jene Zusammenhänge, denn erklären kann sie sie nicht.
Der bekannte Physiker Niels Bor hat die Problematik um "Wahr" und "Richtig" auf den Punkt gebracht, indem er sagte: "Das Gegenteil einer richtigen Behauptung ist eine falsche Behauptung, aber das Gegenteil einer tiefen Wahrheit kann wieder eine tiefe Wahrheit sein."

Wissenschaft als neue Religion

Die Wissenschaft auf der Suche nach den letzten Wahrheiten im Universum wird sicher nicht um die Beachtung der religiösen Aspekte herumkommen. Der Artikel "Das kosmische Trägerfeld" gibt einen Einblick, wie eine solche Vereinheitlichung aussehen könnte. Vor allem, wenn die Wissenschaft sich in Bereiche wie Metaphysik, Parapsychologie oder Freie Energie vorwagen will, vor denen sie ja aus dem gleichen Grund zurückschreckt, wird es ohne eine Betrachtung der religiösen Seite kein Weiterkommen geben.

Es verwunderlich, dass sich Religion und Wissenschaft derart verfeindet haben, denn eigentlich geht es ihnen im Grunde um die gleiche Sache. Die Religion verehrt das Universum als die Verkörperung der schöpferischen Kraft und die Wissenschaft strebt nach einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge im Universum.

Wissenschaft und Religion werden also in Zukunft aufeinander zu gehen müssen, was auch Veränderungen innerhalb der Religion bedingt. Die Vorstellung eines personifizierten Gottes, wie sie in unserer derzeitigen Religion üblich ist, mag bis vor nicht all zu langer Zeit durchaus noch den Bedürfnissen der Menschheit gerecht geworden sein. Doch so wie sich das Wissen auf allen Gebieten weiterentwickelt hat, benötigt auch die Religion eine entsprechende Anpassung an die Zeit. Gerade das findet aber nicht statt. Im Gegenteil, es wird immer versucht, alles möglichst bildlich und originalgetreu zu überliefern. Die Kernaussagen gehen bei diesen fast schon kindlichen Beschreibungen total verloren.

So wird wohl auch der bekannteste Satz aus dem Johannes Evangelium "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort" falsch interpretiert. "Wort" ist darin die Übersetzung des altgriechischen Wortes "logos", das neben vielen anderen Bedeutungen vor allem mit "göttliches Prinzip" oder "Gesetz" übersetzt wird. Da es am Anfang keine Menschen gab, die Gesetze erlassen hätten können, so müssen mit dem göttlichen Prinzip wohl die Naturgesetze gemeint sein.

Daraus lässt sich eine völlig neue Art von Religion entwickeln, die Gott in Form des Universums mit all seinen Naturgesetzen verehrt, was im Prinzip dem entspricht was, die Wissenschaft auch heute schon tun, nur eben nicht mit der für eine Religion nötigen Ehrfurcht.
Eine solche vereinheitlichte Wissenschaftsreligion wird dann auch dem Ausdruck Natur-wissen-schaft wieder mehr gerecht, als unsere derzeitige materialistisch orientierte Wissenschaft.

Ing. Harald Chmela, Februar 2004

Quelle und weiterführende Literatur: Herbert Pietschmann "Das Ende des naturwissenschaftlichen Zeitalters", siehe Buchliste

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