Beobachtungen
Wenn man genauer hinsieht, bemerkt man, dass die Flügel auf
einer Seite schwarz und auf der anderen weiß lackiert sind. Die Drehung
erfolgt immer so, dass die weiße Fläche in Bewegungsrichtung
zeigt. Die schwarze Fläche ist oft auch mit Ruß überzogen,
um die wirksame Oberfläche etwas zu vergrößern.
Die nächste Frage die sich stellt, ist was sich in der Glasbirne befindet.
Das kann man leicht herausfinden, indem man das Radiometer neben einen
kleinen
Teslatrafo stellt. Dann beginnt das gesamte Innere in einem schwachen
Blau, ähnlich einer Geißler-Röhre,
zu leuchten und die Flügel fangen an sich zu drehen.
Ein Edelgas, wie in einer Glühbirne würde in einer etwas
rötlicheren Farbe leuchten. Unter nur leicht verminderten Druck würden
dann auch nur kurze Pfade von Spitzen
oder Kanten aus ionisiert. Das Radiometer leuchtet aber in seinem gesamten
Inneren fast gleichmäßig schwach blau. Eine solche Entladung
kann eigentlich nur in stark verdünnten Gasen, bei einem geschätzen Druck von etwa 10^-3 mbar entstehen. Für
normale Luft ist die Farbe allerdings zu blau. Luft bzw. Stickstoff in
einer Geißler-Röhre leuchtet in einem leicht rot bis violetten
Farbton.
Funktion
Aus diesen Beobachtungen lässt sich auch schon die Funktion
ableiten. Das einfallende Licht bzw. die entstehende Wärme im Gas
erwärmt die schwarze Fläche. Die stark verdünnten Luftmoleküle
werden von der schwarzen Fläche ebenfalls erwärmt und geraten
dadurch in schnellere Bewegung. Da nur sehr wenig Gasmoleküle vorhanden
sind, wird die Eigenbewegung nur schwach gebremst. Die Gasmoleküle
prallen von der erhitzen Seite mit einer größeren Geschwindigkeit
ab, als sie gekommen sind. Die Schaufel erhält so einen Impuls in
der Gegenrichtung. Da dieser Effekt auf der weißen Seite nicht so
stark auftritt, entsteht eine Vortriebskraft in Richtung der weißen
Fläche. Vereinfacht kann man sich auch vorstellen, dass sich
das erwärmte Gas ausdehnt, und so die schwarze Fläche von sich
wegdrückt. Der geringe Luftwiderstand für das Rad wirkt sich
zusätzlich positiv auf die Rotation aus, so dass sich das Rad
mitunter sehr schnell drehen kann.
Umgekehrte Funktion
Ein anderer, interessanter Effekt tritt auf, wenn die Lichtquelle nach
längerem Betrieb ausgeschaltet wird. Dann bleiben die Schaufeln zunächst
stehen, beginnen aber dann wieder in umgekehrter Richtung, also mit der
schwarzen Seite nach vorne zu laufen. Auch dieses, zunächst etwas
seltsame Verhalten, ist auf die Wärmeverteilung an den Schaufeln zurückzuführen.
Über die schwarzen Flächen werden bei längerem Lichteinfall
natürlich die gesamten Schaufeln erwärmt. Wird die Wärmequelle
ausgeschaltet, so beginnen sich die Schaufeln wieder abzukühlen. Bedingt
durch die verschiedenen Farben aber mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Eine schwarze Fläche strahlt wesentlich mehr Wärme ab, als eine
weiße. Aus diesem Grund sind gute Kühlkörper ja auch immer
schwarz eloxierd (nicht lackiert, denn das käme einer Wärmeisolierung
gleich). Wenn sich demnach die schwarzen Flächen schneller abkühlen,
tritt der oben beschriebene Effekt verstärkt auf den weißen
Flächen auf, sodass die Schaufeln mit der schwarzen Fläche
nach vorne laufen. Bei gleicher Temperatur beider Flächen heben sich
die Kräfte auf und es tut sich gar nichts. Deshalb dauert es am Anfang
ein wenig, bis sich die schwarze Fläche soweit abgekühlt hat,
dass genügend Kraft für die Drehung erzeugt werden kann.
Das Video zeigt das Radiometer in Betrieb. Es wird von einer 50W Halogenlampe
angestrahlt, und dreht sich deshalb sehr schnell. Wichtig ist, dass
ein Licht mit hohem infrarotem Anteil (=Wärmestrahlung) verwendet
wird. Bei Anstrahlung mit einer Neon-Lampe funktioniert es deshalb, wenn
überhaupt, nur sehr schlecht.