Nachbau des OC MPMM Magnetmotors


In einem Thread des Forums der Firma Steorn wird derzeit über ein Modell eines Magnetmotors diskutiert, welches vielversprechende, selbstlaufende Eigenschaften zeigt. Auf der Seite PESWiki findet sich eine ausführliche Beschreibung des Magnetmotors, sowie auch Videos vom laufenden Modell, welche es ebenfalls auf YouTube zu sehen gibt. Der Motor wird nach dem Pseudonym seines Entwicklers "OverConvident" meist als OC MPMM bezeichnet, wobei MPMM für Magnet Perpetual Motion Machine steht. Bei Steorn findet man ihn meist unter der Bezeichnung "Whipmag".

OCMPMM Nachdem der Aufbau relativ einfach erscheint, habe auch ich mich zu einem Nachbau entschieden. Das Bild zeigt meine Version des Magnetmotors. Die große Scheibe ist auf der Grundplatte drehbar gelagert. Die drei Rotormagnete befinden sich auf einem 13er Teilkreis um die Scheibe und sind ebenfalls drehbar gelagert. Die beiden Aluminiumteile sind die sogenannten Dämpfer und sollen durch Wirbelstrombremsung das laufende Modell vor einem ständigen Ansteigen der Drehzahl bewahren.

Ich habe mich bei den Abmessungen im Wesentlichen an die Pläne auf der PESWiki-Seite gehalten, wobei leider Einschränkungen durch die zur Verfügung stehenden Magneten nötig waren. Die Magnete stammen von der Firma www.supermagnete.de. In der folgenden Tabelle sind nochmal kurz die wichtigsten Abmessungen zusammengestellt.

Scheibe:
Durchmesser 146mm, Dicke 13mm, Material: Nylon 66
Nuten: 8 Stk. Eingeschriebener Innendurchmesser 120mm, Tiefe 8mm, Breite 6mm
Rotoren:
Durchmesser: 22mm, Länge: 18mm, Material: Nylon
Grundplatte:
200mm x 200mm x 6mm Material: Makrolon
13er Teilkreis für Rotoren: Durchmesser 172mm
Stabmagnete:
2 Stk. pro Nut aneinander gereiht. Länge 10mm, Dicke 6mm, Magnetisierung N40 (Neodym)
Rotormagnete:
Durchmesser 12mm, Dicke 6mm, Magnetisierung diametral N42 (Neodym)
Dämpfer:
Durchmesser 12mm, Dicke 6mm, Material: Aluminium
Lager:
Scheibe: 2 Stk. AD: 19mm, ID 6mm, Schmiermittel ausgewaschen
Rotoren: 1 Stk. AD 15mm ID 6mm, Schmiermittel ausgewaschen

Dynamisches Verhalten des Modells

In dem originalen Video wird für den Start des Motors die Scheibe von Hand angedreht. Dann drehen sich zunächst die 3 Rotoren durch die Magnetkräfte in der Richtung mit, wie Zahnräder es tun würden. Der Rotor zwischen den Dämpfern wird anschließend angehalten und in die entgegengesetzte Laufrichtung wieder gestartet. Danach beschleunigt das Modell von selbst auf eine höhere Drehzahl. Dann werden sogar noch die anderen beiden Rotoren angehalten, sodass nur noch der Rotor zwischen den Dämpfern in die entgegengesetzte Richtung läuft, worauf das Modell noch weiter beschleunigt.

Aus diesem Verhalten kann man einige interessante Eigenschaften des zugrunde liegenden, energieerzeugenden Effekts ableiten.
  1. Der Effekt tritt nur aus, wenn zumindest ein Rotor entgegen seiner natürlichen Laufrichtung läuft.
  2. Die beiden mitlaufenden Rotoren stellen nur zusätzliche Reibungsverluste dar und erzeugen keine Energie.
  3. Die beiden mitlaufenden Rotoren werden möglicherweise nur zum Starten benötigt.
Um sich diesem Effekt zu nähern, ist es zunächst wichtig, die gegenläufige Rotation zu stabilisieren. Diese ist nicht mit jeder Magnetkonfiguration gleich gut zu erreichen und erfordert etwas Optimierungsarbeit.

Magnetpolung Dabei erweist es sich als günstig, die Magneten auf der Scheibe immer gleichnamig zu polen. In diesem Bild sind gleiche Pole mit einem schwarzen Punkt gekennzeichnet, so wie es auch bei dem originalen Modell der Fall ist. N vom einem Magneten zeigt in Richtung N des nächsten, dann weiter mit S-S usw. So erreicht man eine Drehzahlübersetzung von Scheibe zu Rotor von 1:4.
Polt man die Magnete immer abwechselnd N-S-N-S, dann ergibt sich ein Verhältnis von 1:8, was dann eine zu hohe Drehzahl für den Rotormagneten bedeuten würde.
Auch die Länge der Magnete auf der Scheibe hat einen starken Einfluss auf die Stabilität der gegenläufigen Rotation. Ich habe verschiedene Längen ausprobiert und ein Optimum bei den 20mm langen Magneten (zusammengesetzt aus zwei 10mm langen) gefunden.
Das Laufverhalten der Rotoren ist ein kompliziertes Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Bei niedrigen Drehzahlen neigen die Rotoren zu Schwingungen, weil beim Drehen der Scheibe die Kraftübertragung zum Rotor nicht kontinuierliche erfolgt, sondern im Bereich des vorbeiziehenden Magneten eine erhöhte Rotation verursacht wird. Die stabilste Rotation erreicht man dann, wenn diese Kraftübertragung so kontinuierlich wie möglich abläuft.

Messungen an dem Modell

Nachdem ich mein Modell so optimiert hatte, dass eine gegenläufige Rotation möglich war, zeigte sich der gewünschte Effekt der Selbstbeschleunigung leider nicht. Um den Effekt auch dann noch entdecken zu können, wenn er nur zu schwach ist, um die Gesamtreibung im Modell zu überwinden, wurden einige Messreihen durchgeführt. Dabei wurde die Drehzahl eines Rotors mit einem optischen Drehzahlmesser gemessen. Mit einer manuellen Stoppuhr wurde die Zeit gemessen, die das Modell braucht, um von 2000 U/min auf 1000 U/min abzufallen. Um die Fehler durch das manuelle Stoppen und vor allem durch das Aktualisierungsintervall des digitalen Drehzahlmessers zu minimieren, wurden immer 10 Messungen durchgeführt, woraus dann der Mittelwert gebildet wird.

1. Untersuchung der Auswirkung der gegenläufigen Rotation des Rotors zwischen den Dämpfern

Messung
Auslaufzeit für normale Rotation in sec.
Auslaufzeit für gegenläufige Rotation in sec.
1
10,2
8,6
2
9,4
8,2
3
10,0
9,4
4
10,0
9,2
5
9,2
9,2
6
9,8
9,2
7
10,2
8,4
8
10,0
10,0
9
10,8
9,2
10
10,0
9,8
Mittelwert:
9,96
9,12

Hierbei zeigt sich keine Verlängerung der Auslaufzeit bei gegenläufiger Rotation, wie es zu erwarten wäre, wenn zusätzliche Energie in dem System erzeugt wird. Im Gegenteil, es ist sogar eine Verringerung der Auslaufzeit um fast 1 Sekunde festzustellen. Das spricht für erhöhte Verluste bei der gegenläufigen Rotation, was sich auch mit der Beobachtung eines erhöhten Laufgeräusches deckt. Da der energieerzeugende Effet vermutlich nur in dem einen, gegenläufigen Rotor auftritt, könnte sein Einfluss zu gering sein, um gemessen zu werden. Für die nächste Messung wurden daher zwei Rotoren entfernt.

2. Untersuchung der Auswirkung der gegenläufigen Rotation bei nur einem Rotor mit Dämpfern
Der einzige verbleibende Rotor befindet sich zwischen den Dämpfern.

Messung
Auslaufzeit für normale Rotation in sec.
Auslaufzeit für gegenläufige Rotation in sec.
1
18,8
15,6
2
18,8
15,0
3
18,2
15,0
4
18,6
15,4
5
18,0
15,2
6
18,0
15,0
7
18,0
15,2
8
18,2
15,2
9
18,0
15,4
10
17,8
15,6
Mittelwert:
18,24
15,26

Wie zu erwarten war, fällt dieses Ergebnis deutlicher aus. Es zeigt sich zum Einen die stark verringerte Gesamtreibung bei nur noch einem Rotor durch die viel längere Auslaufzeit. Trotzdem wurde das Ergebnis der 1. Messung weiter bestätigt. Die gegenläufige Rotation verbraucht mehr Energie, als die normale Rotation, was hier mit etwa 3 Sekunden Unterschied ziemlich eindeutig ist.

3. Untersuchung der Wirkung der Dämpfer
Es wurde nur ein Rotor verwendet und jeweils die Auslaufzeit für normale und gegenläufige Rotation ohne Dämpfer gemessen.

Messung
Auslaufzeit für normale Rotation in sec.
Auslaufzeit für gegenläufige Rotation in sec.
1
18,8
16,2
2
18,0
16,0
3
18,0
16,2
4
18,4
17,0
5
19,0
16,8
6
19,2
16,4
7
18,2
16,0
8
18,2
16,4
9
18,4
17,0
10
18,6
16,8
Mittelwert:
18,48
16,48

Der Vergleich erfolgt jetzt mit der 2. Messung, um die Wirkung der Dämpfer beurteilen zu können. Zunächst zeigt sich nur ein sehr geringer Einfluss der Dämpfer. Interessant ist aber, dass der dämpfende Einfluss bei gegenläufiger Rotation wesentlich größer ist, als bei normaler Rotation. Das könnte auf eine ganz andere Feldverteilung bei gegenläufiger Rotation hindeuten.

Abschätzung der Reibungsverluste

Für die Funktion scheint es wichtig zu sein, ein Modell mit möglichst geringen Reibungsverlusten zu bauen. Aus diesem Grund wurden alle Lager ausgewaschen, um unnötige Reibung durch das Schmiermittel zu vermeiden. Die Lager sind nur mit einem Tropfen Nähmaschinenöl geschmiert.
Um sich ein Bild von der Größe der anfallenden Reibungsverluste machen zu können, erfolgt nun eine überschlägige Abschätzung. Dazu können die gemessenen Auslaufzeiten herangezogen werden, wenn zusätzlich noch die Masse aller rotierenden Teile bekannt ist.
Aus der Masse und den Abmessungen kann das Massenträgheitsmoment nach der Formel J = 1/2 * m * r² errechnet werden. Dabei wird zur Vereinfachung angenommen, dass die Masse gleichmäßig verteilt ist, was nicht ganz stimmt, aber für eine Abschätzung ausreichend erscheint.
Für die gemessenen Rotordrehzahlen von 2000 U/min und 1000 U/min folgt eine Scheibendrehzahl von 500 U/min und 250 U/min. Für beide Fälle kann daraus die gespeicherte Rotationsenergie nach der Formel W = 1/2 * J * 4 * Pi ² * n² berechnet werden.


Radius r
Masse m
Massenträgheitsmoment J
Rotationsenergie W
Verbrauch
Scheibe mit Magneten, ohne Welle
73 mm
256 g
6,821*10^-4 kg m²
@500 U/min: 0,935 Ws
@250 U/min: 0,234 Ws
0,701 Ws
Rotor mit Magnet und Lager
11 mm
14 g
8,47*10^-7 kg m²
@2000 U/min:  0,0186 Ws
@1000 U/min:  0,0046 Ws
0,014 Ws
Gesamtverbrauch:
0,715 Ws

Die Ergebnisse zeigen, dass der Rotor nur sehr wenig Energie speichert und genau so gut vernachlässigt werden könnte. Insgesamt verbraucht das System für den Auslauf von 2000 U/min auf 1000 U/min Rotordrehzahl eine Energie von 0,715 Ws. Diese Energie wird in der gemessenen Zeit verbraucht, woraus sich mit P = W / t eine Leistung errechnen lässt, die nötig wäre, um das System mit einer mittleren Drehzahl zwischen 2000 U/min und 1000 U/min Rotordrehzahl entgegen der Reibung in Bewegung zu halten.


Auslaufzeit
Notwendig Antriebsleistung zur Überwindung der Reibung
Normaler Lauf mit Dämpfer
18,24 sec.
39,2 mW
Gegenläufiger Lauf mit Dämpfer
15,26 sec.
46,9 mW
Normaler Lauf ohne Dämpfer
18,48 sec.
38,7 mW
Gegenläufiger Lauf mit Dämpfer
16,48 sec.
43,4 mW

Es zeigt sich, dass in einem solchen System bereits sehr geringe Energiemengen ausreichen, um es in Bewegung zu halten. Das macht es ideal für Versuche mit unbekannten Energiequellen. In diesem Fall würden z.B. schon 50mW an gewonnener Energie ausreichen, um es in jedem Fall am Laufen zu halten. So geringe Energiemengen sind in anderen Systemen, wie z.B. elektrischen oder elektronischen meist nicht ausreichend zur Überwindung der Verluste. Auch wenn es nicht sinnvoll erscheinen mag, auf rein mechanischem Weg nach neuen Energieformen zu suchen, so ist es unter dieser Betrachtung doch eine sehr gute Möglichkeit zum Nachweis kleinster Energiemengen.

In diesem Zusammenhang drängt sich eine Frage auf:

Könnte der Motor durch die in den Magneten gespeicherte Energie angetrieben werden ?

Um das abschätzen zu können, folgt eine Berechnung der magnetischen Energie:
Laut Herstellerangabe hat das für den Rotormagnet verwendete Material N40 eine magnetische Energiedichte zwischen 303 und 318 kJ/m³. Wir rechnen mit dem Mittelwert w = 310,5 kJ/m³.
Der Rotormagnet hat ein Volumen von V = r² * Pi * l = (6 mm)² * 3,14 * 6 mm = 678,6*10^-9 m³
Damit ist in einem Rotormagnet die Energie W = w * V = 310,5 kJ/m³ * 678,6*10^-9 m³ = 210,7 mJ gespeichert.
Damit könnte der Motor bei einem Verbrauch von 50 mW nur eine Zeit von t = W / P = 210,7 mJ / 50 mW = 4,2 s lang angetrieben werden.

Selbst wenn man annimmt, dass auch die Energie der Stabmagnete vollständig umgewandelt wird (was ich wegen den Überlegungen zur Simulation weiter unter aber nicht glaube), kommen keine wesentlich längeren Laufzeiten zustande. Eine Nutzung der magnetischen Energie kann daher ausgeschlossen werden.

Weitere Beobachtungen

Ein sehr interessantes Verhalten, welches möglicherweise mit dem energieerzeugenden Effekt in Verbindung steht, ist das Schwingen der Rotormagnete. Besonders im niedrigen Drehzahlbereich kann man erkennen, dass die Rotoren dazu neigen, rhythmisch leicht zu beschleunigen und abzubremsen. Auch wenn ein Rotor angehalten wurde, führt er leichte Pendelbewegungen aus, solange sich die Scheibe mit niedriger Drehzahl dreht. Kurz vor dem Stillstand geht diese Pendelbewegung dann sogar in eine Rotation über. Diese Schwingungsneigung konnte auch mit der gegenläufigen Rotation in Verbindung gebracht werden, was möglicherweise der Grund dafür ist, warum eine gegenläufige Rotation zur Funktion nötig ist.

Flux-Detektor Hier wurde eine Magnetfelddetektor Folie verwendet, welche Magnetfelder durch eingelagerte Nickelteilchen sichtbar macht. Diese liegt über einem Rotormagnet und zeigt bei schneller Drehzahl nur noch sein Zentrum als weißen Punkt. Interessant ist der Bereich zwischen Rotor und Stator. Dort ist ebenfalls eine weiße Zone zu sehen. Diese liegt sehr stabil in der Mitte, solange der Rotor mit normaler Drehrichtung läuft. Auch schnelle Änderung der Geschwindigkeit können diese Zone nicht aus ihrer Lage heraus bewegen.
Wird jedoch eine gegenläufige Rotation gewählt, so zeigt diese Zone zwischen Rotor und Scheibe ein sehr instabiles Verhalten. Bei Geschwindigkeitsänderungen reagiert sie mit seitlichen Schwingungen um die Mittenlage herum. Je stärker die Geschwindigkeitsänderung ist, um so stärker ist auch die Schwingung. Bei zu großer Geschwindigkeitsänderung verliert der Rotor die Synchronisation, was durch eine vorangehende, sehr starke Schwingung angekündigt wird.
Diese Schwingung klingt langsam ab, wenn keine weiteren Geschwindingkeitsänderung mehr erfolgen und sieht dann genau so aus wie bei normaler Laufrichtung. Das kann nur bedeuten, dass die Drehzahl des Rotors bei gegenläufiger Rotation nicht konstant ist, sondern ebenfalls einer Schwingung unterliegt.

MPEG-Video 970kB Dieses Video zeigt das Schwingungsverhalten bei gegenläufiger Rotation des Rotors. Zu Beginn zeigt sich keine Schwingung, weil das System bereits eingelaufen ist. Erst wenn die Scheibe von Hand beschleunigt wird, kommt es zu dem Schwingungsverhalten, welches dann rasch wieder abklingt. Aus dem Zeitindex des Videos 3,233 und 3,533 lässt sich die Schwingungsfrequenz etwa mit 3,3Hz berechnen. Im Laufgeräusch ist ebenfalls eine leichte Schwingung hörbar, die zu er Erscheinung auf dem Magnetfelddetektor passt.

Es wäre denkbar, dass diese Schwingung für die Funktion von Bedeutung ist. Wenn das der Fall ist, dann sind alles schwingungsrelevanten Parameter wie z.B. die Masse des Rotors und seines Lagers von Bedeutung, was den Nachbau weiter erschweren würde. Außerdem müsste man nach Methoden suchen, diese Schwingung auch bei konstanter Drehzahl aufrecht zu erhalten, was derzeit nicht der Fall ist und vielleicht auch ein Grund für das Versagen des Nachbaus ist.

Simulation

Zum besseren Verständnis der magnetischen Verhältnisse in dem Modell wurde mit Simulationsprogramm Quickfield eine Magnetfeldsimulation durchgeführt. Dargestellt wurde ein 45° Segment des Scheibenumfangs mit einem Rotormagnet. In der Simulation wurden Symmetriekanten verwendet, sodass die Magnetfeldverteilung der des gesamten Scheibenumfangs entspricht. Dargestellt wurden jeweils die magnetischen Feldlinien in schwarz und die Flussdichteverteilung in farblicher Abstufung von rot nach blau. Die einzelnen Simulationsschritte wurden zu einem animierten GIF-Bild zusammen gefügt, sodass der Eindruck einer kontinuierlichen Rotation entsteht.

Normaler Lauf
Hier ist die natürliche Laufrichtung des Rotors dargestellt. In der Feldverteilung ist schön zu erkennen, warum der Rotor diese Laufrichtung bevorzugen. Die Magnetfelder greifen wie Zahnräder ineinander und ermöglichen eine gute Kraftübertragung. Der Ablauf wirkt sehr harmonisch.
Gegenläufiger Lauf Der eigentliche Betriebszustand des Magnetmotors mit gegenläufiger Rotation ist hier dargestellt. Es fällt zunächst auf, dass die Feldlinien nicht mehr so schön ineinander greifen und der gesamte Ablauf eher erzwungen wirkt. Das erklärt die größere Instabilität des gegenläufigen Laufs.
Es zeigt sich aber ein sehr interessantes Verhalten, welches vielleicht mit dem energieerzeugenden Effekt in Verbindung steht. Aufgrund der sich gegenüber stehenden, gegenpoligen Felder, wird das Feld des Rotormagneten zu gewissen Zeitpunkten geschwächt. In der Simulation ist an Hand des Farbwechsels von rot auf orange gut zu erkennen, dass der Rotormagnet seine Flussdichte verringert, wenn ihm der Stabmagnet genau gegenüber steht.
Gegenläufiger Lauf -20° Um den Einfluss der gegenläufigen Rotation auf das Abschwächen des Rotorfeldes noch näher zu untersuchen, wurde eine zweite Simulation mit gegenläufiger Rotation durchgeführt. Hier wurde die Phasenlage des Rotors um 20° gegen den Uhrzeigersinn verschoben. Das entspricht etwa der Phasenlage, die der Rotor in dem originalen Video unter Stroboskoplicht zeigt. Es ist an der teilweisen rot/orangen Färbung zu erkennen, dass unter diesen Umständen das Feld des Rotormagneten sogar noch stärker geschwächt wird als zuvor.
Das Feld der Stabmagnete wird dabei nicht merklich geschwächt. Das liegt daran, dass ein Magnet umso stabiler wird, je größer seine Länge gegenüber seiner Breite wird. Der runde Rotormagnet ist demnach prädestiniert dafür, um leicht durch äußere Felder beeinflusst zu werden. Wenn ein energieerzeugender Effekt durch das periodische Schwächen des Feldes auftritt, dann wohl am ehesten im Rotormagnet.

Die gegenläufige Rotation eines Rotormagneten macht unter dieser Betrachtung also durchaus Sinn. Es wäre denkbar, dass durch das Abschwächen und den anschließenden Wiederanstieg des Feldes im Magnetmaterial Effekte auftreten, die zu einem Energiezufluss in das System führen. Denkbar wäre z.B. ein Effekt ähnlich der magnetischen Kühlung, wodurch es zu einer Energieumwandlung der thermischen Energie der Umgebung in magnetische und letztlich in mechanische Energie kommen könnte.

Magnetische Kühlung als Energiequelle ?

Der Effekt der magnetischen Kühlung ist in der Physik schon lange bekannt und wird z.B. in der Tieftemperaturtechnik verwendet, um Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt zu erreichen. In jüngster Zeit wurden spezielle Legierungen auf Gadoliniumbasis entwickelt, die eine Curie Temperatur in der Nähe der Raumtemperatur haben. Mit solchen Legierungen ist es möglich Kühlgeräte auf Basis der magnetischen Kühlung zu bauen.
Für die Freie Energie Forschung ist die magnetische Kühlung deshalb so interessant, weil sie auf einer Beeinflussung der Entropie basiert. Durch das Anlegen eines Magnetfeldes richten sich die magnetischen Spinmomente im Material parallel zum Magnetfeld aus. Das kommt einer Erhöhung der inneren Ordnung gleich, die Entropie nimmt ab. Der normalerweise völlig ungerichteten Wärmebewegung der Teilchen wird somit ein Freiheitsgrad entzogen, in dem sie sich bewegen können. Da ihre Energie aber konstant bleibt, erhöht sich ihre Geschwindigkeit, was letztlich einer Temperaturerhöhung gleich kommt. Ein Material, welches in ein Magnetfeld gebracht wird, erhöht dadurch seine Temperatur. Wird das Magnetfeld wieder ausgeschaltet, so sinkt die Temperatur wieder auf den ursprünglichen Wert. Wird dem Material in der warmen Phase Wärmeenergie entzogen, so sinkt die Temperatur nach dem Entmagnetisieren unter den Anfangswert und kann zu Kühlzwecken benutzt werden. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Effekt, wenn ein Material mit einer Curie Temperatur gewählt wird, die nahe der Arbeitstemperatur liegt.
Das führt uns zurück zu den Magnetmotoren. Neodym Magnete haben die niedrigste Curie Temperatur aller Magnete, welche je nach Material bei etwa 300°C liegt. Viele Hersteller geben als maximale Betriebstemperatur 70 bis 80°C an. Das könnte darauf hindeuten, dass diese Neodym Materialien einen durchaus beachtlichen Effekt der magnetischen Kühlung aufweisen könnten.

Für die Energiegewinnung ist der Effekt der magnetischen Kühlung deshalb so interessant, weil hierbei ein direkter Zugriff auf die thermische Molekularbewegung erfolgt, welche normalerweise in dieser Form nicht möglich ist. Dadurch wird die Wirkung der statistischen Stoßvorgänge ausgeschaltet, welche normalerweise dazu führen, dass Wärmeenergie immer von der höheren Temperatur zur niedrigeren fließt. Der direkte Zugriff auf die thermische Bewegungsenergie könnte dazu führen, dass die Entropie hierbei nicht wie gewohnt wirkt. Es könnten Bedingungen geschaffen werden, die eine direkte Wandlung von Wärmeenergie in magnetische Energie ohne eine Temperaturdifferenz ermöglichen.

Wie aus der oberen Simulation zu erkennen ist, wird das Feld der Rotormagnete bei gegenläufiger Rotation periodisch geschwächt und gestärkt. Damit sind die Grundbedingungen für die magnetische Kühlung gegeben. Diese wechselnde Feldstärke könnte einen Effekt im Magnetmaterial auslösen, der zu einer Energiewandlung von Wärme in magnetische Energie führt. Wie gemessen, würden bereits 50mW an erzeugter Leistung ausreichen, um den Motor am Laufen zu halten. Eine Abkühlung des Rotormagnets um diese Leistung würde man im Normalfall wahrscheinlich gar nicht bemerken und dann sieht es so aus, als läuft der Motor aus dem Nichts.

Der Arbeitszyklus könnte folgendermaßen aussehen:

Wenn das Material abwechselnd hoher und niedriger Feldstärke ausgesetzt ist, wird es sich entsprechend der magnetischen Kühlung abwechselnd erwärmen und wieder abkühlen. Das geschieht unmittelbar mit der Feldänderung und ist im Material an keinerlei Effekte der Wärmeleitung gebunden. Hierbei erlangt man direkten Zugriff auf die thermischen Molekularbewegungen und ist bei der thermischen Kopplung an keine statistischen Stoßvorgänge gebunden, welche den Gesetzen der Entropie unterliegen.
In der kalten Phase ist es möglich, dass zusätzliche Wärmeenergie von der Umgebung in das Material fließt. In der warmen Phase wird diese dann normalerweise wieder abgegeben, beides aber nach den Gesetzen der Wärmeleitung, also im Normalfall viel langsamer, als die magnetische Kühlung wirkt.
Es muss jetzt ein Weg gefunden werden, die zusätzlich aufgenommene Energie nicht wieder als Wärme, sondern in Form von magnetischer Energie abzuführen. Aus diesem Grund kann es nur in einem dynamischen Zyklus funktionieren, weil man aus einem statischen Magnetfeld keine Energie herausbekommt.
In der Phase, wo das Magnetfeld ansteigt, ist die thermische Energie (Bewegungsenergie) der Elementarmagnete für kurze Zeit mit dem magnetischen Feld gekoppelt. D.h. die sich ausrichtenden Elementarmagnete führen zu einer magnetischen Rückwirkung auf das äußere Feld. Es geht darum, diese Energie auch zu nutzen, denn wenn das nicht geschieht, geht alles wieder vollständig in Wärme über und man merkt gar nicht, dass der Effekt überhaupt existiert. Nutzt man die Energie durch Auskoppeln von magnetischer Energie, dann fehlt diese Energie und das Material wird sich weniger erwärmen, als es eigentlich sollte. Wenn der Zyklus gelingt, dann bleibt das Material im Mittel unter der Umgebungstemperatur und es ist ein ständiger Energiefluss von der Umgebung in das Material möglich.

Dieser Effekt könnte die Funktion des OCMPMMs und auch vieler anderer Magnetmotoren erklären, bei denen von einer Abkühlung der Materialien berichtet wird. Systematische Versuche in dieser Richtung wären von Interesse, weil die Forschung im Bereich der magnetischen Kühlung bei Raumtemperatur noch relativ jung ist und sicher noch nicht alle Effekte der neuen Materialien entdeckt wurden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei meinem Modell trotz aller Vermutungen kein energieerzeugender Effekt auftritt. Da es keine näheren Angaben dazu gibt, unter welchen Bedingungen dieser Effekt auftreten soll, sind weitere Untersuchungen in dieser Richtung schwierig. Wenn zumindest im Ansatz zu erkennen wäre, dass die gegenläufige Rotation zu einer längeren Auslaufzeit führt, könnte man versuchen, den Effekt weiter zu optimieren. Da es aber genau umgekehrt der Fall ist, sehe ich hier wenig Chancen.

Wie schon bei so vielen anderen Geräten der Freien Energie stellt sich auch hier wieder die Frage, wie hoch die Glaubwürdigkeit der Quellen im Internet ist. Auch wenn in diesem Fall die Entstehungsgeschichte in einem Forum nachzulesen ist, so könnte letztlich immer noch alles der Phantasie entsprungen sein. Vielleicht war der Erfolg auch nur ein glücklicher Zufall, den bis jetzt noch niemand wiederholen konnte, wie die vielen gescheiterten Nachbauversuche im Internet zeigen.

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