Das Oszillogramm zeigt die Ausgangsspannung des Senders
an einem 50 Ohm Lastwiderstand (CH1) und
die Modulationsspannung (CH2). Die Modulationsspannung stammt von einem
Funktionsgenerator und hat eine Frequenz von ca. 1 kHz. In der
Ausgangsspannung
ist sehr schön die Modulation zu erkennen. Die Amplitude der
Trägerschwingung
folgt dem Verlauf der Modulationsspannung. Die schnelle Schwingung der
HF ist auf diesem Bild
nicht
mehr zu sehen, wodurch eine ausgefüllte Hüllenkurve entsteht.
Die einzelnen Spitzen im Trägersignal stammen von
dem
Aliasing-Effekt (Umfalt-Effekt), der durch die Digitalisierung
entsteht.
Aus der Spannung am Widerstand (Dummy Load) kann man auf die
Spitzenleistung
am Senderausgang zurückrechnen:
Das
ist das Innenleben des MW-Senders. Vorne links ist der Gleichrichter
mit dem Glättungskondensator für die Röhrenstufe zu
sehen,
daneben der Kathodenwiderstand und anschließend die Endröhre
(PL504). Rechts neben der Röhre ist der Lastschwingkreis zu sehen,
der aus zwei Kondensatoren und dem Anodentrafo
(Ferritstab)
besteht. Dahinter befindet sich der Netztrafo und der Lüfter zur
Röhrenkühlung.
Zum besseren Nachbau gibt es vom Innenleben auch
ein Bild aus der
Vogelperspektive.
Auf diesem Bild ist vor allem der transistorisierte Teil hut zu
erkennen.
Rechts unter dem großen Elko befindet sich die 24V Stabilisierung
zur Versorgung der Vorstufe. Der
einzige IC in der Schaltung ist nur ein Melodiengenerator, der zur
Modulation
ohne externes Signal dient.
Die
Schaltung besteht im wesentlichen aus vier Teilen und kann auch in
dieser Reihenfolge stufenweise ausgebaut und getestet werden. Der
Vorteil
der MW-Frequenz ist, dass sie mit fast jedem
Oszilloskop
dargestellt werden können.
1.) Der Oszillator
Dieser besteht aus einem Meißner-Oszillator, der mit T1 (BC548)
realisiert wurde. Dieser ist als Kleinsignalverstärker beschaltet.
Durch Rückkopplung des Ausganges auf den Eingang wird eine
Schwingung
angeregt. Mit dem Drehkondensator C2 kann die Frequenz von 800kHz bis
1,2MHz eingestellt werden. Mit der Schwingkreisspule L1 muss eventuell etwas
experimentiert werden.
Ich habe für L1 diese Spule mit verstellbarem Ferritkern
aus einem AM-Radio verwendet. Die 150µH entsprechen dabei ca.70
Windungen mit 0,12mm dickem Lackdraht.
Die Rückkoppelspule hat dann etwa 5 Windungen. Im Prinzip kann
jede
vergleichbare Spule verwendet werden, wenn die Rückkopplung (C5)
und die Gegenkopplung in der Emitterleitung (R3,C3) entsprechend
angepaßt wird. Der Oszillator arbeitet dann richtig, wenn am
Ausgang (nach C4)
ein sauberes Sinussignal mit über dem Frequenzbereich konstanter
Amplitude
abgegeben wird.
2.) Der Modulator
Dieser wird durch den Dual-Gate MOSFET T3 (BF981) gebildet, der als
Multipizierer
geschaltet ist und die Aufgabe hat, die NF mit der HF zu mischen. Durch
die Spannungsteiler an den beiden Gates werden die Pegel so
eingestellt,
dass keine Begrenzung eintritt. Die Stufe arbeitet mit einem
großen NF-Pegel und einem kleinen HF-Pegel, da dann die beste
Modulation erreicht wird. Das NF-Signal wird von einem
Vorverstärker (T2) über C8 eingekoppelt, die HF wird
über den Spannungsteiler R4, R10 auf den richtigen Pegel (0,1Vpp)
eingestellt. Das Mischprodukt am Ausgang des MOSFET's enthält nun
NF
und
HF Anteile und muss noch einen Hochpaßfilter zugeführt
werden. Die Qualität der Modulation kann man auch schon mit
diesem
Signal beurteilen. Ist alles in Ordnung, dann lässt sich bis
kurz vor die Modulationsgrenze (Wenn HF-Anteil Null wird) aussteuern,
ohne dass eine Verzerrung des NF Anteiles auftritt.
3.) Das Hochpaßfilter
Dieses besteht nur aus C9 und den nachfolgenden
Basiswiderständen R13, R14 des Verstärkers. Es hat die
Aufgabe, die
NF-Anteile
auszufiltern und nur die HF an den Verstärker T4 weiterzuleiten.
Am
Ausgang
des Verstärkers muss ein sauberes AM-Signal zu sehen
sein.
Die Linearität einer AM-Modulation kann man mit einem Oszilloskop
im XY-Betrieb sehr gut beurteilen, indem man das sogenannte
Modulationsdreieck darstellt. Wenn man auf die X-Achse das
modulierende NF-Signal
legt und auf die Y-Achse das amplitudenmodulierte HF-Signal, dann muss
ein sauberes Dreieck sichtbar werden. Jede Abweichung von den geraden
Seiten kommt
einer
Verzerrung gleich.
4.) Der Leistungsverstärker
Das
so gewonnene AM-Signal muss nur noch entsprechend verstärkt
werden. Ich habe dazu eine PL504 aus einem alten Fernsehgerät
verwendet.
Als Röhrentreiber dient in dieser Schaltung T1 (BF871), der
bereits
mit der Anodenspannung (350V) versorgt wird und etwa 50V Spitze-Spitze
an die Röhre liefert. Aufgrund der hohen Betriebsspannung dieses
Transistors
ist es wegen der Verlustleistung nicht mehr leicht möglich, einen
Basis-Spannungsteiler zu verwenden. Die Arbeitspunkteinstellung erfolgt
aus diesem Grund über R2 (2,2MOhm) und ist deshalb etwas
kritisch. Das wird teilweise durch den mit 3,3kOhm sehr großen
Gegenkoppelwiderstand R4 stabilisiert. Der parallele Kondensator
C4 ist absichtlich so klein gewählt, damit der Frequenzgang der
Endstufe
etwas linearisiert wird. Eine sehr hohe Verstärkung wird von
diesem
Transistor ohnehin nicht benötigt. T1 arbeitet auf den 15kOhm/5W
Widerstand R3. Um den HF-Spannungsabfall etwas zu vergrößern
wurde
noch die Induktivität L1 in den Kollektorzweig eingeschaltet.
Die HF-Spannung wird über C5 ausgekoppelt und gelangt
direkt an das Steuergitter (g1) der Röhre, die in Klasse A
Einstellung
arbeitet. Dazu wird eine negative Gittervorspannung benötigt, die
durch den Kathodenwiderstand R6 erzeugt wird. Der parallel geschaltete
Kondensator
C7 verhindert unnötige Gegenkopplungen des HF-Anteiles. Der
Lastkreis
der Röhre besteht aus einem Leistungsübertrager und dem
Kondensator C6. Diese bilden zusammen den Lastschwingkreis, der auf
etwa 900kHz
abgestimmt
ist. Durch die sehr feste Kopplung der Last, gibt es keine
ausgeprägte
Resonanzspitze. Die Anzapfung bei 10 Wdg am Übertrager dient
mit dem 75Ohm Widerstand R7 zur Schirmgitterversorgung (g2). Man
erreicht
dadurch eine leichte Gegenkopplung, wodurch der Verstärker
linearer
wird. Die Ausgangswicklung des Anodentrafos sollte an die 50 Ohm
Wellenwiderstand
eines RG-58 Kabels angepaßt sein, um Leistungsverluste zu
vermeiden. Man
kann das einfach so realisieren, indem man einen 50Ohm Widerstand
direkt, ohne
Koax-Kabel an den Anodentrafo anschließt und die Windungszahl so
lange
verändert, bis auf dem Widerstand die größte Spannung
(größte
Leistung) auftritt. Dann liegt Leistungsanpassung vor und der
Innenwiderstand
des Generators ist ebenfalls 50 Ohm.
Daten des Anodentrafos
| Kernmaterial: |
Ferritstab aus AM-Radio, 8cm lang, 1cm dick |
| Anodenwicklung: | 65 Windungen mit 0,35 mm dicken Lackdraht, ca. 138 µH bei 1 kHz |
| g2-Anzapfung: | 10 Windungen von der +UA Seite aus gesehen, ca. 30µH bei 1 kHz |
| Auskoppelwicklung: | 17 Windungen mit 1mm dicken Lackdraht, ca. 12,7 µH bei 1 kHz |
Mit so einem MW-Sender lassen sie viele interessante Experimente mit
Hochfrequenz, wie etwa CW-Teslatrafo, induktive Erwärmung oder kapazitiver Trafo durchführen.