Das ist ein so genannter Magnetschwebekreisel oder Levitron. Über einer
Basis aus großen Ringmagneten schwebt ein kleiner Kreisel, der ebenfalls
aus einem Ringmagneten besteht. Der Kreisel wird in allen 3 Dimensionen
im Raum stabilisiert und in seiner Lage gehalten, so dass er völlig
frei im Raum schwebt. Das widerspricht eigentlich dem Theorem
von Earnshaw, das eine statische Levitation verbietet.
Funktion
Der Kreiselmagnet ist so gepolt, dass er sich von den Basismagneten
abstößt. Durch die Rotation des Kreisels wird ein seitliches
Ausbrechen verhindert. Kippt der Kreisel seitlich weg, wird er an dieser
Stelle vom Magneten stärker abgestoßen und er richtet sich wieder
auf. Nach der Kreiseltheorie kommt es dabei zu einer Präzessionsbewegung.
Durch ständige Abstoßvorgänge ergibt sich eine Taumelbewegung
um das magnetische Zentrum der Basis. Dieser Bewegung kann der Kreisel
aber nur in einem gewissen Geschwindigkeitsbereich folgen. Da er durch
Wirbelstrom- und Hystereseverluste abgebremst wird, fällt er schließlich
wieder herunter.
Um zu zeigen, dass der Luftwiderstand nicht allein für das Abbremsen
verantwortlich ist, wurde dieses Levitron auch in einer Vakuumglocke
betrieben. Dabei ergibt sich zwar eine längere Schwebezeit, aber trotzdem
fällt der Kreisel schließlich herunter. Unter Normaldruck läuft
dieses Modell ca. 1 bis 2 Minuten, im Vakuum maximal 5 Minuten. Auch wenn
zum Auspumpen der Vakuumglocke einige Zeit benötigt wird, ist das
Endvakuum noch während der Laufzeit des Kreisels erreicht. Wenn dann
keine Verluste mehr auftreten würden, wie man vielleicht annehmen
würde, sollte er wesentlich länger weiterlaufen.
Zum Levitron gibt es auch zwei US-Patente mit den Nummern 5,404,062
und 4,382,245.
Aufbau und Dimensionierung
Die Magnete der Basis stammen alle aus alten Lautsprechern. Ich habe
einfach alles zusammengekratzt was da war, um die nötige Feldstärke
zu erreichen. Es müsste auch mit zwei oder drei großen 102 mm
Ringmagneten funktionieren. Der Kreiselmagnet stammt von einer Magnetfirma
(siehe Bezugsquellenliste). Zwischen die
Magnete habe ich zur Feldstärkeregulierung Aluminiumplatten gelegt.
Dazu kann aber auch jedes andere, unmagnetische plattenförmige
Material verwendet werden. Das Kreiselinnenteil ist aus Nylon Kunststoff
gedreht. Auch hier können andere Materialien verwendet werden. Wichtig
ist nur das Gewicht möglichst gering zu halten. Zum Starten des Kreisels
wird noch eine Platte benötigt, mit der man dann den Kreisel in die
richtige Position hebt. Dazu eignet sich am besten eine Plexiglasplatte,
da man dann den Kreisel genau in der Mitte des großen Ringmagneten positionieren und
andrehen kann.
Für die grundsätzliche Dimensionierung eines Magnetschwebekreisels
muss folgendes beachtet werden:
1.) Wenn sich der Kreisel dicht über den Basismagneten befindet,
sollte er angezogen (!) werden, denn sonst ist ein Starten fast
unmöglich. Die anziehende Kraft, die von der Unterseite der Basis
kommt, muss sich kurz über der Hebeplatte in eine abstoßende
umwandeln. Sonst ist der Kreiselmagnet falsch gepolt. Dieses Verhalten
kann aber nur dann erreicht werden, wenn der Innendurchmesser des Basismagneten
größer ist als der Außendurchmesser des Kreisels.
2.) Wenn es beim Anheben des Kreisels keinen Punkt gibt, bei dem er
kurzzeitig zu schweben versucht, oder weit in die Höhe springt, dann
ist die Feldstärke der Basis zu gering. Dann kann man entweder einen
zweiten Magneten dazu schalten, oder dünnere Abstandsplatten
verwenden.
3.) Hat man mit den Platten einen Punkt eingestellt, bei dem der Kreisel
nicht mehr all zu hoch weg springt, dann muss man den Feinabgleich mit
Beilagescheiben am Kreisel durchführen. Dazu eignen sich am besten
Kunststoffscheiben, da diese keine Abbremsung durch Wirbelströme verursachen.
Durch langsames Erhöhen des Gewichtes, sollte der Abhebevorgang so
eingestellt werden, dass der Kreisel gerade noch in die Höhe gezogen
wird. Denn sonst hoppelt er auf und ab, was wiederum nur die Schwebezeit
verkürzt.
4.) Magnete sind temperaturabhängig. Wenn man also nach stundenlangen
Versuchen eine optimal funktionierende Einstellung gefunden hat, muss diese
am nächsten Tag nicht unbedingt funktionieren. Durch das Anfassen
werden die Magnete warm, was zu einer Abschwächung des Magnetfeldes
führt. Kühlen sie dann ab, steigt ihr Feld wieder an. Allgemein
gilt, je kälter es ist, umso mehr Beilagescheiben muss man am Kreisel
anbringen.
Wenn man nicht genau diese Magnete auf Lager hat, würde jedem
empfehlen, das hier vorgestellte Modell nicht nachzubauen. Gleich große
Magnete für die Basis sind sicher eine sauberere Lösung. Dazu
würde ich zwei oder drei Magnete mit 102 mm Außendurchmesser
empfehlen.
Aber für einen ersten Überblick folgen hier die Abmessungen
meiner Magnete:
| Kreisel: | Ferritmagnet: Innendurchmesser: 17 mm, Außendurchmesser:
35 mm, Dicke: 8 mm
Gewicht des Kreisels mit Kunststoffinnenteil: 32 g |
| Oberer Basismagnet: | Ferritmagnet: Innendurchmesser: 51 mm, Außendurchmesser: 102 mm, Dicke: 10 mm |
| Obere AL-Platten: | Zwei 4 mm dicke AL-Platten |
| Mittlerer Basismagnet: | Ferritmagnet: Innendurchmesser: 36 mm, Außendurchmesser: 90 mm, Dicke: 17 mm |
| Untere AL-Platten: | Zwei 4 mm dicke AL-Platten |
| Unterer Basismagnet: | Ferritmagnet: Innendurchmesser: 33 mm, Außendurchmesser: 86 mm, Dicke: 11 mm |
Mit Hilfe eines optischen Drehzahlmessers habe ich noch die Geschwindigkeit
des Kreisels beim Abheben und kurz vor dem Herunterfallen gemessen. Die
Angaben sollen nur als Richtwert dienen und müssen von anderen Modellen
nicht unbedingt eingehalten werden.
| Maximalgeschwindigkeit: | ca. 1220 U/min - Mit höherer Drehzahl ist kein Abheben möglich |
| Minimalgeschwindigkeit: | ca. 1030 U/min - Bei geringerer Drehzahl fällt er herunter |
| Startgeschwindigkeit: | ca. 1500 U/min - Mindestgeschwindigkeit beim Andrehen auf dem Basismagnet |
Eines ist klar, je größer dieser Bereich ist, umso länger
läuft der Kreisel. Mit diesen Werten ergab sich bei optimalem Start
des Kreisels eine Laufzeit von ca. 1 bis 2 Minuten. Die Drehzahlen erscheinen
auf den ersten Blick zwar sehr hoch, werden aber von jedem händisch
gestartetem Kreisel leicht erreicht.
Die Schwebehöhe beträgt bei diesem Modell etwa 3 bis 4 cm.
Interessant ist, dass der Kreisel mit der Zeit relativ stark absinkt, bevor
er dann endgültig herunterfällt. Es ist mir aber nicht gelungen,
ihn schon in geringer Höhe abheben zu lassen !
Die Verwendung von mehreren Basismagneten hat den Vorteil, dass man
eventuelle Ungleichmäßigkeiten in der Magnetisierung durch Verschieben
der Magnete zueinander ausgleichen kann. Das ist z.B. dann der Fall, wenn
der Kreisel nach kurzer Schwebezeit immer in die gleiche Richtung ausbricht. Auch die sonst nötige exakte horizontale Ausrichtung kann man sich dadurch ersparen.
Ich kann nur jeden dazu ermuntern, mit verschiedenen Konfigurationen
zu experimentieren. Der Parameterbereich für eine erfolgreiche Levitation
(lat. Aufhebung der Schwerkraft) ist zwar sehr klein, lässt sich aber
wie man sieht, mit Magneten aus der Bastelkiste durchaus erreichen.
Geben Sie nicht sofort auf ! Ich hatte erst nach zwei Tagen probieren
Erfolg.
Bedienung
Der Startvorgang ist bei diesem Modell etwas schwierig, doch wenn man
es einige Male gemacht hat, ist es keine Kunst mehr. Das Andrehen des Kreisels
sollte möglichst in der Mitte des großen Ringmagneten, und ohne
seitliches Anstoßen erfolgen, weil sonst der Kreisel zu stark taumelt
und auf einen der großen Magnete springt.
Wenn der Kreisel dann halbwegs ruhig läuft, kann man versuchen,
die Plexiglasplatte langsam anzuheben. Man wird dann schnell feststellen,
dass er bald wieder zu taumeln beginnt. Dann muss man die Platte ein Stück
absenken, damit er sich wieder stabilisieren kann. Wenn die Drehzahl dann
ihren optimalen Wert erreicht hat, kann man sie weiter anheben. Es gibt
für jede Höhe eine Drehzahl bei der er stabil läuft. Sind
alle Parameter richtig gewählt, so gibt es eine Höhe, bei der
sich der Kreisel von der Platte löst und dann frei im Raum schwebt.
Hier sieht man einen erfolgreichen Startvorgang. Das Video zeigt nur den
letzten Teil des Abhebevorganges. Um den Kreisel zu starten, muss man von
ganz unten beginnen und langsam anheben. Ein weiteres Video
zeigt den Schwebevorgang in Großaufnahme
Bei meinem Modell konnte ich feststellen, dass man den Kreisel meistens
zu schnell andreht und dann lange warten muss, bis er die richtige Geschwindigkeit
erreicht hat. Man soll beim Stabilisieren auch nicht zu lange auf einen
ganz ruhigen Lauf warten, denn eine gewisse Taumelbewegung muss der Kreisel
ausführen. Das ist notwendig, um sich vom Magneten abstoßen
zu können, um eine Präzession auszuführen. Einen ganz ruhig
laufenden Kreisel kann man sogar über den Schwebepunkt heben. Wenn
er dann aber aus dem Gleichgewicht kommt, springt er schlagartig davon.
Der Kreisel scheint sich im Schwebepunkt in einer Art mechanischer
Resonanz zwischen den Magnetkräften und der Schwerkraft zu befinden,
die nur in einem relativ kleinen Parameterfenster auftritt. Um das optimal
einstellen zu können, muss man einfach experimentieren, das Verhalten
des Kreisels richtig interpretieren und weiter verwerten. Oder anders ausgedrückt,
die Fragen an die Natur in der Sprache stellen, in der man ihre Antworten
dann auch verstehen kann.
Elektrischer Antrieb
Die mit einem Levitron erreichte Levitation ist zwar sehr eindrucksvoll,
aber nur von kurzer Dauer, weil der Kreisel durch Luftreibung und Wirbelströme abgebremst wird. Wenn man sich an dem Anblick des schwebenden Kreisels länger erfreuen will, ist es möglich, ihn elektrisch
in Rotation zu halten. Wer eine rein passive, magnetische Levitation vorzieht, sollte sich die diamagnetische Levitation ansehen.
Zum Testen des elektrischen Antriebs wurde ein fertiges Levitron aus dem Spielzeuggeschäft verwendet (blaue Magnetplatte). Die dreidimensionale Spulenanordnung stammt von den Versuchen mit dem 3D Iarga Funktionsmodell und wurde einfach auf die Magnetplatte gestellt. Grundsätzlich würde für den Antrieb ein einzelnes Spulenpaar ausreichen, so wie es auf der Seite von Martin Simon. vorgeschlagen wird. Durch das Magnetfeld der horizontalen Spulen wird der Kreisel leicht gekippt, also seine natürliche Taumelbewegung unterstützt. Wenn das genau im Takt seiner Rotationsfrequenz geschieht, kann ihm Energie zugeführt werden.
Dazu werden die Spulen der Z-Achse (vorne - hinten) durch einen Audioverstärker gesteuert, der an einen Frequenzgenerator angeschlossen ist. Eingespeist wird ein sinusförmiges Signal. An dem Spulenpaar der Y-Achse (links - rechts) wird zusätzlich ein Oszilloskop zur Messung der Rotationsfrequenz des Kreisels angeschlossen. Die orthogonale Anordnung der Spulen erlaubt es gleichzeitig eizuspeisen und zu messen, da der speisende Strom keine Spannung in der Messspule induziert. Das macht optische Messungen überflüssig und erleichtert die Synchronisation derart, dass sie händisch einzustellen ist.
Bei der Einstellung muss unter Beobachtung von Strom und Rotationsfrequenz eine Phasenkopplung der beiden Signale erreicht werden. Dazu misst man nach dem händischen Starten des Kreisels mit den Y-Spulen seine Rotationsfrequenz. Dann stellt man genau diese Frequenz ein und speist sie über den Verstärker auf die Z-Spulen. Es wird sich eine Schwebung an den Y-Spulen zeigen. Die Frequenz muss dann langsam nachgestellt werden, bis die Phasen beider Signale starr zueinander sind. Dann ist der Kreisel synchron zu der eingespeisten Frequenz und es kann Energie auf den Kreisel übertragen werden. Es ist dann sogar möglich, ihn durch vorsichtiges Erhöhen der Frequenz zu beschleunigen.
Unter Optimierung von Frequenz und Stromstärke findet man einen oder mehrere Punkte, wo der Kreisel sehr ruhig läuft. Mit einer solchen Einstellung hatte ich nach einer Laufzeit von über einer Stunde den Versuch abgebrochen, ich nehme an, er wäre auf unbestimmte Zeit weitergelaufen.
Hier noch die wichtigsten Eckdaten für den elektrischen Antrieb des gekauften Levitrons:
| Spulen | Durchmesser: 95 mm 270 Windungen mit 0,5 mm Lackdraht |
| Strombereich: | Min: 0,3A - darunter Verlust der Kopplung Max 1,5 A - darüber zu instabil |
| Frequenzbereich: | Min: 25 Hz - darunter fällt er herunter Max: 34 Hz - darüber zu instabil |
Der Magnetismus gehört zu jenen Bereichen, die sicher noch nicht
vollständig erforscht sind. Das zeigt schon allein die Tatsache, dass
der Magnetschwebekreisel erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Hinter
den magnetischen Kräften verbirgt sich sicherlich mehr als nur Feldlinien
und Kraftwirkungsgesetze.