Eine Feldmühle
(engl. field mill) oder auch Rotationsvoltmeter
genannt, ist ein Messgerät für elektrostatische Felder. Das
Messen
der elektrischen Feldstärke ist grundsätzlich sehr einfach.
Da
diese als Volt pro Meter definiert ist, reicht es prinzipiell aus, eine
Spannungsmessung an zwei, in einem definierten Abstand befindlichen
Elektroden
vorzunehmen, um die Feldstärke berechnen zu können. Das
Problem
dabei ist, dass fast alle Voltmeter einen gewissen Strom für die
Anzeige
benötigen. (Eines der wenigen leistungslosen Messgeräte ist
z.B.
das Elektroskop) Ein kontinuierlicher Strom
kann von einem statischen Feld aber nicht zur Verfügung gestellt
werden
und so kommt es mitunter zu sehr starken Verfälschungen im
Messergebnis
durch Feldverzerrungen.
Die Feldmühle umgeht dieses Problem, indem sie das Prinzip der
elektrostatischen Influenz
nutzt, um über ein rotierendes Flügelrad einen ausreichend
großen
Strom zu erzeugen, mit dem ein Messgerät arbeiten kann. Wird
nämlich
eine sich im Feld befindliche Elektrode von dem geerdeten
Flügelrad
abgedeckt, so fließen die Ladungen von dieser Elektrode gegen
Masse
ab. Wird sie wieder aufgedeckt, so influenziert das Feld erneut
Ladungen,
die von Masse auf die Elektrode fließen müssen. Dieser Strom
ist
proportional zur Feldstärke. Die Leistung, die das angeschlossene
Messgerät
benötigt, wird hierbei über die mechanische Rotation des
Flügelrades
erzeugt. Dem zu messenden Feld wird keine Energie entzogen und es
bleibt
somit von der Messung unbeeinflusst.
Üblicherweise werden zwei oder mehr Influenzelektroden bestehend
aus jeweils
2 gegenüberliegenden, miteinander verbundenen Segmenten verwendet.
Der
Strom von diesen Flächen wird über zwei Stromshunts
geführt
und die abfallende Spannung durch zwei Messverstärker für die
weitere
Verarbeitung aufbereitet.
Prinzipiell würde es auch mit einer Elektrode funktionieren, aber
der
überall vorhandene 50Hz Netzbrumm koppelt stark in die hochohmigen
Elektroden
ein und kann so das Messergebnis verfälschen. Der nach geschaltete
Differenzverstärker
löst dieses Problem, indem er die Störungen, die
annähernd
gleichphasig in beide Elektroden einkoppeln zu Null subtrahiert. Die
Nutzspannungen sind gegenphasig und addieren sich.
Die so gewonnene Wechselspannung enthält jetzt in ihrer Amplitude
die
Information über die Größe der Feldstärke, die
Polarität
kann aus ihr nicht abgelesen werden. Dazu ist es notwendig, eine von
der
Rotorstellung abhängige Gleichrichtung des Signals vorzunehmen.
Hier
zeigt sich wieder einmal der starke Bezug der Elektrostatik
zur Geometrie. Es kommt darauf an, ob der Strom beim Abdecken einer
Elektrode
zu oder von ihr fließt. Das erledigt ein über das
Flügelrades
gesteuerte Gleichrichter. Das gleichgerichtete Signal wird noch
geglättet
und man erhält so am Ausgang eine der Feldstärke
proportionale
Gleichspannung.
Aufbau:
Der hier vorgestellte Aufbau geht auf die Idee von Stefan Kneifel
zurück. Der Schaltplan
seiner Feldmühle, den er auch im Praxisheft 12 des AATIS veröffentlicht hat, diente
als Basis für die von mir
verbesserte Version. An dieser Stelle vielen Dank an Stefan, dass er
das
doch relativ unbekannte Prinzip der Feldmühle aufgezeigt hat.
Die beiden Plättchen des Lichtschranken-Unterbrechers werden auf
zwei gegenüberliegende
Seiten der Wellenkupplung gelötet, es ist daher wichtig, sie aus
Messing
bzw. Kupfer zu fertigen. Das Flügelrad und der fertige
Unterbrecher
müssen den gleichen Deckungswinkel von 2x90° aufweisen.
Die Grundplatte ist eine handelsübliche 1,6mm dicke, doppelseitige
Leiterplatte.
Abmessungen des Layouts 60x60mm Auf eine Seite werden die 4
Influenzelektoden
geätzt, die andere Seite bleibt dis auf die Durchführungen
voll
beschichtet und dient als Massefläche, um einen definierten
Abstand der
Elektroden zur Erde herzustellen. Zusätzlich werden so auch
Störungen
vom Motor abgeschirmt. Über 4 versenkte M3 Schrauben wird der
Anschluss
der Elektroden hergestellt. Auf der Oberseite erfolgt die Verbindung
von
Schraube zur Leiterplatte am besten mit Leitsilber, alternativ dazu
kann
man es auch verlöten und anschließend glatt feilen.
Die fertige Mechanik ohne
Printplatte. Unter dem Flügelrad ist der Unterbrecher
zu sehen. Rechts am Motor sind die zwei gegen Masse geschalteten
Entstörkondensatoren
zu erkennen. Der Motor ist ein 12V-Motor aus einem Kassettenrecorder.
Solche
Typen haben den Vorteil, dass sie sehr gut gegen elektromagnetische
Störungen
abgeschirmt sind und das ist wichtig, um nicht die Messung zu
beeinflussen.
Zusätzlich erfolgt der Anschluss des Motors über zwei
Widerstände
R25 und R26 in der Schaltung, um jegliche Einkopplungen zu vermeiden.
Das Bild zeigt die Unterseite
der Printplatte mit den angeschlossenen Messleitungen,
dem Unterbrecher in der Mitte und rechts die Lichtschranke. Die
Lichtschranke
besteht aus einer IR-Diode und einem Phototransistor, die auf einer
Lochprint
montiert sind, diese wird einfach auf der Unterseite der Printplatte
angelötet,
sodass der Unterbrecher sie durchstreichen kann.
Schaltung:
=
Die beiden Messelektroden werden an ST1 und ST2 bzw. ST3 und ST4
über
abgeschirmte Leitungen angeschlossen. R1 und R2 dienen als
Messwiderstand
für den abfließenden Strom. Mit U1A und U1B werden die
Spannungen
für die nachfolgende Bearbeitung entkoppelt. U2A bildet einen
Differenzverstärker
mit v=1, er hat die Aufgabe, die beiden um 180° verschobenen
Messspannungen
voneinander zu subtrahieren. Dabei addieren sich gleichphasige
Störungen
zu Null und die beiden gegenphasigen Messspannungen addieren sich zum
doppelten
Wert.
Das Layout der Feldmühle wird
auf eine einseitige Printplatte mit den Abmessungen 60x60mm
geätzt.
Bei der Bestückung nicht auf die 5 Drahtbrücken vergessen !
Das Layout des Netzteils wird auf
eine
einseitig Printplatte mit den Abmessungen 72x40mm geätzt. Bei der
Bestückung
nicht auf die Drahtbrücke vergessen ! Die Bauteilwerte für
die
richtige Bestückung beider Platinen entnehmen sie der Stückliste.
Gesamtaufbau:
Die Feldmühle wird in einem kleinen Alu-Gehäuse
mit 80x70x60mm untergebracht. Auf der Oberseite wird ein Loch mit 50mm
Durchmesser
ausgeschnitten, sodass genau die Messelektroden und das Flügelrad
hindurchpassen.
Die Stromversorgung und die Anzeige werden in einem separaten
Kunststoffgehäuse
untergebracht. Als Anzeige dient ein handelsübliches, 3 1/2
stelliges
digital Einbaumessgerät, dessen Messbereich von 200mV auf 2V
umgeschaltet
werden kann. So ergeben sich dann zwei Messbereiche für die
Feldstärke
mit einem Endausschlag von 20kV/m bzw. 200kV/m.
Wichtig für eine korrekte Messung ist, dass der Schutzleiter auf
dem Gehäuse der Feldmühle angeschlossen ist und das nicht nur
wegen
dem Berührungsschutz, sondern auch um eine sichere
Massefläche
für die Feldlinien bereitzustellen. Die Feldmühle sollte
keinesfalls
in ein Kunststoffgehäuse eingebaut werden, da sich dieses durch
Berührungen
elektrostatisch auflädt und das Messergebnis verfälscht.
Abgleich:
Mechanischer Abgleich:
Damit die Gleichrichtung einwandfrei arbeiten kann, ist es wichtig,
dass der
Unterbrecher und das Flügelrad exakt synchron laufen. Um den
Abgleich durchzuführen, schließt man ein Oszilloskop
mit einem Kanal an Pin 1 von U2 (Messsignal, im Bild Ch1) und
mit dem anderen Kanal an Pin 14 von U2 (Lichtschrankensignal, im Bild
Ch2)
an. Optional kann man auch noch Pin 7 von U2 (Gleichgerichtetes Signal,
im
Bild Ch3) kontrollieren. Dann bringt man ein Feld, auf die Elektroden,
z.B. durch Annähern eines geriebenen Kunststofflineals. Die
Messspanung wird dann einen sinusähnlichen Verlauf zeigen.
Durch mechanisches Verdrehen des Flügelrades zum Unterbrecher
stellt man jetzt das Lichtschrankensignal so ein, dass es genau im
Nulldurchgang
der Messspannung die Polarität wechselt. Die gleichgerichtete
Spannung muss bei richtiger Einstellung je nach Polarität
gänzlich
unter bzw. über der Nulllinie liegen, wie in Ch3 zu sehen ist.