In der Magnettechnik gibt es die bekannten Gleichstrommotore, die
mit
Kommutatoren arbeiten. Analog dazu gibt es in der Elektrostatik
die Motore wie z.B. den elektrostatische Scheiben-
und Walzenläufer. Die Kommutation
erfolgt
hier über Sprühentladungen und ist keineswegs kontaktlos im
elektrischen
Sinn.
Auf der Generatorseite gibt es im magnetischen Bereich die
Gleichstromgeneratoren,
als einfache Umkehrung des Motorprinzips. Analog dazu gibt es in der
Elektrostatik
den Bandgenerator und die Influenzmaschine.
Als Beispiel für mit Wechselstrom betriebene Maschinen gibt es
in der Magnettechnik die Drehstrom Asynchronmaschinen, die eine breite
Anwendung finden. Diese Maschinen gehen auf die Erfindungen von Nikola
Tesla zurück, der das Wechselstromsystem in Form des
mehrphasigen
Drehstroms einführte. Diese Maschinen nutzen die induktive
Übertragung
der Leistung zum Rotor und arbeiten daher völlig kontaktlos.
Um zu zeigen, dass auch ein
mit Wechselspannung betriebener, elektrostatischer
Asynchronmotor machbar ist, habe ich dieses Modell gebaut. Es
ähnelt
dem elektrostatischen Scheibenläufer,
nur
wird hier ein etwas komplizierterer Stator verwendet. Er besteht wie
der
Läufer aus 20 Segmenten. Jedes 5. Segment ist untereinander
verbunden.
Dadurch entstehen insgesamt 5 Pole mit je 4 Segmenten. Das sind die 4
Phasen,
die von der Versorgung zur Verfügung gestellt werden müssen.
Dazu werden zwei
Ölofenzündtrafos mit 2x5kV Ausgangsspannung
verwendet. Diese sind in der Mitte geerdet und liefern daher immer zwei
um 180° phasenverschobene Spannungen. Damit können bereits
zwei
Segmente eines Pols versorgt werden. Die anderen beiden,
dazwischenliegenden,
benötigen eine 90° Phasenverschiebung. Das wird erreicht,
indem
man einen zweiten Trafo über einen Kondensator an das Netz
anschaltet.
Der Kondensator erzeugt eine um 90° voreilende Spannung am Trafo.
Mit
der 180° Drehung der Sekundärwicklung erhält man so
90°
und +90°.
Der Anschluss der Segmente erfolgt gemäß der zeitlichen
Abfolge der 4 Phasen in Drehrichtung gesehen immer mit -90°, 0°
,+90° und +180°. Das ist eine 4phasige Drehspannung.
Auf dem Stator haben wir somit ein elektrostatisches Drehfeld, dessen
Maximum hier gegen den Uhrzeigersinn über die Scheibe läuft.
Um damit jetzt den Rotor zu beeinflussen, muss er speziell gebaut sein.
Der Stator überträgt die Ladungen auf den Rotor
gemäß
dem magnetischen Asynchronmotor berührungslos und ohne Kommutator,
hier
eben ohne Sprühentladungen. Die Ladungen können also nur
durch
Influenz, sprich durch kapazitive
Kopplung, übertragen werden. Ein Segment, also ein Kondensator,
bekommt,
solange es isoliert ist, die gegenpolige Ladung influenziert und wird
so
immer vom derzeitigen Maximum des Feldzeigers angezogen, es folgt also
dem
Drehfeld. Damit wäre aber nur ein synchroner Lauf möglich und
der
Motor könnte nicht von selbst anlaufen, weil beim Vorbeiziehen des
Feldes
zuerst eine Anziehung gegen die Drehrichtung und dann eine gleich
große
in Drehrichtung erfolgt. In Summe bleibt kein Drehmoment übrig.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch speziell auf den als
Reluktanzmotor
bekannten Maschinentyp hinweisen. Er wird z.B. in
netzfrequent-synchronisierten
Uhren eingesetzt. Er wird oft mit einem Asynchronmotor verwechselt, da
er
zum Anlauf einen Kurzschlusskäfig benutzt. Er kann aber nur
aufgrund
einer unterschiedlichen magnetischen Leitfähigkeit im Rotor,
sprich
einer speziellen Formgebung, in den synchronen Lauf gelangen. Nichts
anderes
ist in der Elektrostatik eine Scheibe mit hinreichend großen
Segmenten
und somit auch kein Synchronmotor im eigentlichen Sinn. Wenn wir im
Folgenden
also von Asynchronmotoren sprechen, meine ich damit immer einen von der
Leitfähigkeit
her völlig homogenen Rotor, der zumindest theoretisch mit
unendlich
vielen und unendlich kleinen Segmenten versehen werden könnte,
ohne
die Funktion dadurch zu verändern.
Um einen solchen mit einem Drehfeld zu beeinflussen, muss der
Kondensator
teilweise entladen werden. Das erreicht man durch ein Verbinden aller
Segmente
des Läufers mit hochohmigen Widerständen. Das ist zu
vergleichen
mit dem Kurzschlussläufer beim magnetischen Asynchronmotor. Die
Abstimmung
der Widerstände hat so zu erfolgen, dass sich das Segment nicht
sofort
auf die volle Spannung aufladen bzw. nachher auch nicht sofort entladen
kann.
Dadurch verschiebt sich das Verhältnis der Kräfe in
Drehrichtung
des Feldes. In Summe überwiegt die Anziehung in Drehrichtung und
der
Rotor kann so auch aus dem Stillstand beschleunigen, was ein
wesentliches
Merkmal von Asynchronmotoren ist.
Bei
diesem ersten Funktionsmodell wurde der Widerstand in Form eines Netzes
aus Graphitlinien auf der Rückseite der Scheibe verwirklicht.
Interessant
ist in diesem Zusammenhang, dass es wahrscheinlich nur mit dem Netz
selbst
ebenfalls funktioniert, da sich dann die Ladungen in den
Freiräumen
zwischen den Linien an der Scheibe sammeln und durch das Gitter langsam
abgeleitet werden. Denkbar wäre ein eventuell segmentiertes
Gitternetz,
damit über den gesamten Umfang kein Kurzschluss entsteht.
So ein Design ähnelt dann der Testatika
in wesentlichen Punkten
und bietet vor allem eine sinnvolle Erklärung für die
Verwendung
von Gittern.
Drehfelder und ohmsche Verluste
Auch die Tatsache, dass die Erzeugung einer Rotation aus einem Drehfeld
offenbar unmittelbar mit einer gewissen Verlustleistung verbunden ist,
spricht
für eine Freie Energiemaschine auf Drehfeldbasis. Denn die in den
Rotorwiderständen
vernichtete Energie könnte wieder in das System zurück
gespeist
werden, wie das beim Schleifringläufer
Motor gemacht wird. Die Tatsache, dass es ohne Widerstände
genauso wenig funktioniert, wie mit einer komplett leitenden Scheibe
zeigt
schon, dass ein Drehfeldeffekt immer gewisse Verluste benötigt,
die
im Normalfall eben in den Widerständen auftreten.
Analog dazu würde auch ein magnetischer Drehfeldmotor mit einem
Klasse 1 Supraleiter als
Kurzschlussläufer
ebenfalls nicht funktionieren, weil die Feldlinien in diesem Fall
überhaupt
nicht in den Rotor eindringen können (=100% Diamagnetismus).
Der Rotor kann nur aufgrund des Widerstandes eine Kraft ausbilden, weil
nur durch den Abbau des Stromes die Symmetrie im Drehfeld gebrochen
werden kann. (siehe auch Funktionsprinzip)
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der magnetische
Widerstandsläufer,
der durch einen erhöhten Widerstand im Kurzschlussläufer die
Drehzahlkennlinie weicher werden lässt, also den Drehfeldmotor
ähnlicher
einem Gleichstrommotor macht. Das wird auch beim Schleifringläufer
durch externe Rotorwiderstände realisiert. Man könnte sogar
sagen,
dass der Widerstand den Motor besser macht, denn ein idealer
Drehfeldmotor,
sprich ein Synchronmotor, ist eigentlich ein sehr schlechter Motor. Er
ist
nicht selbst anlaufend und kann nur auf einer Drehzahl arbeiten.
Wenn ein Drehfeld also immer einen gewissen Verlust im Rotor
benötigt
um eine Drehung hervor rufen zu können, kann man doch umgekehrt
auch
sagen, dass es durch Abziehen von Energie aus einem idealen
Rotor
zur Ausbildung der Rotation kommt. Jetzt wird auch klar, warum die
Testatika
elektrostatisch arbeiten muss. Denn nur in der Elektrostatik
ist der ideale Rotor mit einfachen Mitteln, also ohne Supraleiter,
machbar.
Ein völlig verlustfreier Rotor ist hier einfach die isolierende
Scheibe
mit den leitenden Segmenten, die ihre Ladung über einen
hinreichend
langen Zeitraum behalten können. In der Magnettechnik wäre es
undenkbar
einen Strom in einer kurzgeschlossenen Spule über längere
Zeit
zu speichern.
Man könnte die zur Rotation nötigen Verluste dem idealen
Rotor
jetzt sozusagen nur vortäuschen, indem man eine gewisse Menge
Energie
von ihm abnimmt, sie aber nicht in Wärme vernichtet, sondern
vorerst
einmal nur zwischenspeichert. Dadurch kommt es zur Ausbildung des
Drehfeldes,
wie auch im normalen Betriebsfall mit den Widerständen, es wird
also
mechanische Energie erzeugt. Die aufgespeicherte elektrische Energie
speist
man dann zeitlich versetzt (Stichwort Kugelexperiment)
und phasenrichtig so
in den Stator ein, das sie das Drehfeld weiter unterstützt. Ganz
ähnlich
wie auch schon beim Scheibenläufer
festgestellt
wurde, dass man den Strom nicht unbedingt über die Spannungsquelle
führen muss. Analog zur Selbsterregung
über Kondensatoren in der Magnettechnik, erfolgt sie hier
über die Spulen, um mit den Kapazitäten eine Schwingung hervorrufen zu können.
Für höhere Frequenzen kommen dann sinngemäß Teslatrafos in Verwendung als kapazitive Trafos zur Anwendung.
Aufbau
Sowohl der Stator, als auch der Rotor werden auf Standard 1,6mm
kupferbeschichteten
Leiterplatten geätzt.
Zu beachten ist, dass der Isolierabstand der Statorsegmente nicht
für
die volle Spannung von 5kV ausreicht. Im Experiment zeigt sich, das ein
sicherer, überschlagsfreier Betrieb bis max. 150V Eingangsspannung
in die Zündtrafos möglich ist. Es könnten also auch
Trafos
mit einer kleineren Ausgangsspannung (~3kV) verwendet werden. Kommen
die
Standardzündtrafos mit 5kV zum Einsatz, so muss ein entsprechender
Vorwiderstand (Glühlampe) oder ein Vorschalttrafo mit 110V
Ausgangsspannung
in der Netzzuleitung verwendet werden, damit es nicht zu
Überschlägen
am Stator kommt.
Der Rotor wird auf der Rückseite in einem Abstand von 5mm mit einem Netz aus Graphitstrichen überzogen. Der Rotor muss auf einem extrem leichtgängigen Lager aufgesetzt werden. Dazu kommen nur Kunststofflager ohne Schmiermittel in Frage. Alle geschmierten, oder mit Dichtringen ausgestattete Lager sind völlig ungeeignet. Steht kein Kunststofflager zur Verfügung, so kann eventuell aus einem normalen Lager das Schmiermittel ausgewaschen werden, um es leichtgängig zu machen.
Layout von Stator und Rotor
Die
Abmessungen der Statorprint betragen 150x150mm, gekennzeichnet durch
die quadratische Umrandung. Die weißen
Flächen werden weggeätzt, die schwarzen bleiben bestehen.
Zwei,
der 4 Phasen müssen auf der Rückseite mit je 5
Drahtbrücken pro Phase auf
die einzelnen Pole aufgeteilt werden. Dafür sind für eine
Phase
an der Innenseite und für die andere an der Außenseite der
Segmente
entsprechende Bohrungen für Durchkontaktierungen vorgesehen. Beim
Einlöten der Drahtbrücken
ist darauf zu achten, dass keine Spitzen entstehen. Eventuell
müssen
die Lötstellen abgefeilt werden.
Der Rotor wird auf eine Print mit 140x140mm geätzt. Die
Scheibe wird nachher entlang des äußeren Kreises
ausgeschnitten und sollte dann einen Durchmesser von 130mm haben. Zu
beachten ist, dass der äußere Kupferring nicht
bestehen bleibt, da es sonst
zu Überschlägen und Kurzschlüssen kommen kann.
Gegebenenfalls
muss die obere Kante etwas abgefeilt werden.
2. Versuchsaufbau
Das 1. Modell hatte einige Unzulänglichkeiten. Zum einen ist die Erzeugung der 90° Phase über den Kondensator Last- und Spannungsabhängig und daher unsicher. Zum anderen ist der Stator nicht für die volle Nennspannung der Trafos geeignet.
Neuer Stator
=
Um die Spannungsfestigkeit des Stators zu erhöhen, ist eine
geringere
Polzahl nötig. Dieser 2 polige Stator ist aus 2mm dicken
Al-Blättchen
gemäß der Zeichnung auf einer Kunststoffplatte aufgebaut.
Zu dem
Stator passend ist ein Rotor mit größeren Blättchen
nötig. Hier wurden dazu auf dem alten Rotor jeweils zwei Segmente
mit einem Kupferblech zu einem großen zusammengefasst. Das ergibt
einen 10 teiligen Rotor, der gut zum 8 teiligen Stator passt, da er
ähnlich dem Muller-Motor oder dem diamagnetischen Motor nicht in einer
überdeckenden
Stellung "einrasten" kann. Als Widerstände wurden wieder die
bewähren
Bleistiftstriche verwendet, diesmal in V-Form um über die
größere
Länge den Widerstandswert besser einstellen zu können.
Das Problem der unsicheren
90° wurde durch eine spezielle Anschaltung
an das Drehstromnetz gelöst. Denn auch in der Drehspannung steckt
ein 90° Winkel und zwar zwischen einer Außenleiterspannung,
hier
U23 und einer Phasenspannung, hier UN1. U23 wird noch zusätzlich
über
den Trenntrafo Tr3 von 400V auf 230V herabgesetzt und dann erst dem
Hochspannungstrafo
zugeführt. Über den Schalter S1 kann die Spannung an Tr1
umgepolt
und so die Drehrichtung des Feldes geändert werden.
Die
wichtigste Frage ist, ob die Drehung nicht doch durch irgendwelche
unerwünschten Sprühentladungen hervorgerufen wird. Das Video
zeigt zunächst den Selbstanlauf des Motors nach dem Einschalten
der
Spannung. Dann wurde das Drehfeld mit S1 während des Betriebs
umgepolt.
Der Rotor bremst dann ab und beschleunigt in der Gegenrichtung. Das ist
ein guter Beweis für den Drehfeldantrieb.
Wie wir vom Scheibenläufer wissen, kann
eine durch Sprühentladungen hervorgerufene Rotation durch Umpolen
der Spannung nicht in der Drehrichtung geändert werden. Dazu
müsste
die Geometrie der Anordnung verändert werden. Da es hier jedoch
ohne
Umbau funktioniert, ist es sehr wohl ein echter Drehfeldeffekt ist, der
ihn zum Laufen bringt.
Im statischen Betriebsfall nach einigen Minuten erreicht er eine doch
recht hohe Drehzahl von über 400U/min. Wenn man bedenkt, dass die
zur Rotation nötige Leistung nur kapazitiv über den Luftspalt
zum Rotor übertragen werden kann und diese Kapazität pro
Blättchen
weniger als 1pF ausmacht, ist das schon sehr eindrucksvoll.
Neuer Rotor
Für 50Hz sind
die Segmente auf der alten Scheibe eindeutig zu klein.
Es ist eine größere Kapazität nötig, um mehr
Leistung
auf den Rotor einkoppeln zu können. Aus diesem Grund wurde eine
Scheibe
mit 165mm Außendurchmesser und mit 9 großen Segmenten nach
diesem Layout angefertigt. An den 9 Kontaktstellen in der Mitte
können
Widerstände aufgelötet werden und so sind endlich auch die
undefinierten
Bleistiftstriche beseitigt.
Mit Hilfe von extrem hochohmigen (GOhm!) und leider auch hochpreisigen Widerständen, wurden mit dem 2. Modell und der 9 poligen Scheibe einige Messreihen gemacht. Dazu wurde die Schaltung über einen 3-phasen Frequenzumrichter gespeist und für verschiedene Frequenzen und Widerstände die Enddrehzahlen nach je 5 Minuten Hochlaufzeit gemessen. Es zeigt sich deutlich, dass mit steigenden Widerstandswerten, das Drehzahlmaximum zu niedrigeren Frequenzen hin abfällt. Das ist soweit logisch, wenn man zugrunde legt, dass der Widerstand die Kapazität des Blättchen innerhalb einer Schwingungsperiode entladen muss. Trotzdem ist z.B. bei 60Hz mit 1GOhm eine höhere Drehzahl zu erreichen, als mit 1,47GOhm, da die Drehzahl natürlich zusätzlich auch noch von der Drehfeldgeschwindigkeit bestimmt wird.
Endlich nach fast einem Jahr Entwicklungszeit ist es nun soweit, dass ich hier das fertige Modell präsentieren kann. Das war wirklich eine kniffelige Sache bis es so zum Laufen kam, wie ich wollte. Das größte Problem war einfach das, dass es keine vergleichbaren Geräte gibt auf die man zurückgreifen könnte und ich alles selbst erarbeiten und empirisch ermitteln musste. Das hier vorgestellte Motorprinzip ist somit etwas wirklich Neues !
Das fertige Modell verwendet
den 8 teiligen
Stator und den 9 teiligen Rotor aus
dem
2. Versuchsaufbau. Aufgebaut wurde das Ganze über zwei
Ölofenzündtrafos,
welche die Versorgung übernehmen.
Nach
mehreren Minuten Hochlaufzeit erreicht der Motor eine doch recht
beachtliche
Drehzahl von über 660U/min. Die synchrone Drehzahl liegt bei
diesem
8 teiligen / 2 poligen Stator bei 1500U/min. Diese Drehzahl kann er nie
erreichen, da dann das Spannungsmaximum genau synchron mit der Scheibe
laufen würde, die Differenzfrequenz also Null wäre und somit
auch keine Leistung mehr über die kapazitive Kopplung
übertragen
werden könnte.
Auch beim fertigen Modell funktioniert natürlich die Umsteuerung
über
das Drehfeld, was eindeutig den Drehfeldantrieb beweist. Wenn sie genau
hinhören,
so erkennen sie sofort den Unterschied zu einem normalen
elektrostatischen
Motor. Da alle Kanten und Spitzen gerundet sind, gibt es überhaupt
keine
zischenden oder knisternden Sprühentladungen mehr, wie sie ja beim Betrieb des
Scheiben- oder Walzenläufer zur Funktion unumgänglich sind und wie man sie auch bei
elektrostatischen
Geräten vermuten würde. Doch dieser Asynchronmotor läuft
unter
dem leisen Brummen der Trafos, fast wie von Geisterhand getrieben an
und
klingt total untypisch für einen elektrostatischen Motor.
Um noch eindrucksvoller diesen neuartigen elektrostatischen Antrieb zu demonstrieren, wurde ein Versuch im Vakuum
durchgeführt. Normale elektrostatische Maschinen, wie der Scheibenläufer oder Walzenläufer, die auf einen
Ladungstransport durch einen Ionenstrom in der Luft angewiesen sind,
können im Vakuum nicht funktionieren. Da dieses Modell aber auf keinen Ionenstrom angewiesen ist und eine rein
kapazitiv gekoppelte Energieübertragung nutzt, funktioniert es
natürlich auch im Vakuum.
Zur Erzeugung des Vakuums wurde wieder die bewährte Kombination aus einer zweistufigen Drehschieberpumpe und einer Turbomolekularpumpe
verwendet. Dies ist notwendig, um ein so hohes Vakuum erzeugen zu
können, damit es zu keinen Glimmentladungen durch die hohen
Spannungen kommt, wodurch Isolierteile zerstört werden
könnten.
Um
dieses große Modell evakuieren zu können, wurde ein
Exsikkator aus Glas zu einer Vakuumglocke umfunktioniert und über
eine Aluminiumplatte direkt auf die Turbomolekularpumpe montiert. Bei
einem Druck unterhalb von 10^-4mbar wurde die Versorgung eingeschaltet
und der Motor lief wie zu erwarten war von selbst an und erreichte
aufgrund der fehlenden Luftreibung eine sehr hohe Enddrehzahl von etwa
1000 U/min, was schon sehr nahe an der synchronen Drehzahl von 1500
U/min liegt.
Die Verkabelung der Segmente
auf dem Stator wurde auf die Unterseite der
Grundplatte verlegt, damit keine unerwünschte Feldbeeinflussung im
Bereich der Elektroden entsteht. Die Verbindungen sind ähnlich wie
beim Scheibenläufer und Kelvingenerator
aus 4mm dicken Al-Stäben gefertigt, um Sprühentladungen zu
vermeiden.
Um einen gefahrlosen Betrieb
des Gerätes zu ermöglichen, wurde
an den 4 Hochspannungsausgänge direkt an den beiden Trafos je ein
27MOhm Widerstand in Serie geschaltet, um den Strom zu begrenzen. Durch
diese Maßnahme können die Blättchen des Stators auch im
Betrieb ohne weiteres berührt werden.
Diese Widerstände (R2...R5 im Schaltplan) müssen die
Ausgangsspannung
der Trafos aushalten. Das ist ganz wichtig, denn das Leben des
Benutzers
hängt daran ! Stehen keine geeigneten Widerstände zur
Verfügung,
so müssen unbedingt genügend Widerstände in Serie
geschaltet
werden, um die Spannungsfestigkeit zu gewährleisten !
Um
wieder auf die einfache, einphasige Versorgung zurückgreifen zu
können, musste eine etwas kompliziertere Speisung der Trafos
verwendet
werden. Im Gegensatz zum ersten Modell erfolgt hier die Versorgung mit
voller Nennspannung der Trafos, und die sind damit auch voll in der
Sättigung.
Mit Hilfe von C1 und C2 wird eine 90° Phasenverschiebung
eingestellt.
Diese kann aber durch die Verluste im Trafo nicht erreicht werden und
so
ist es notwendig, mit R1 diese Verluste auch in der
Phasenschieberschaltung
nachzubilden. R1 dient also nicht nur zur Entladung von C1, sondern ist
für das Erreichen der 90° Phasenverschiebung von
entscheidender
Bedeutung, er setzt etwa 10W an Verlustleistung um und ist zur besseren
Kühlung mit der Grundplatte verschraubt. Für andere
Trafotypen
sind diese Bauteilwerte nicht direkt einsetzbar und es muss dann
experimentell
auf 90° Phasenverschiebung abgeglichen werden.
Kontrollieren kann man die richtige Phasenlage mit Hilfe eines
Oszilloskops mit passenden Hochspannungstastkopf. Bei externer
Triggerung auf die Netzspannung, sollte sich so ein Bild wie hier
dargestellt ergeben. Zwischen zwei benachbarten Statorplatten muss
immer 90° Phasenverschiebung herrschen und die Phasenfolge muss
sich in Drehrichtung konsequent fortpflanzen. Die Abweichung von der
Sinusform ist für im Leerlauf und in Sättigung betriebene
Trafos völlig normal.
Wer keinen Hochspannungstastkopf hat und was riskieren will, der kann
auch den
vorher gut abisolierten, normalen Tastkopf nur in die Nähe einer
Statorplatte halten. Durch die kapazitive Kopplung wird genug Spannung
übertragen, um zumindest die Phasenlage, nicht aber
Größe der Spannungen kontrollieren zu können.
Verwendete Bauteile für das fertige Modell
| Tr1, Tr2: | Ölofenzündtrafos Type: ZA 23 100 E2
2x5kVeff, 23mA |
| R1: | 10kOhm Widerstand mit mind. 10W Belastbarkeit |
| R2,R3,R4,R5: | 27MOhm Widerstände mit mind. 7,5kV Spannungsfestigkeit (lebenswichtig !) |
| C1: | 1µF Kondensator mit mind. 400V
Wechselspannungsfestigkeit C1 bildet mit dem Trafo Tr2 einem Serienschwingkreis. Die Spannungserhöhung an C1 beträgt etwa 350V. Ein Kondensator mit der gängigen Spannung von 250V ist daher nicht ausreichend ! |
| C2: | 1µF Kondensator mit mind. 250V Wechselspannungsfestigkeit |
| Stator: |
8 Segmente aus 2mm dickem Al, Kanten gerundet (siehe Zeichnung) Grundplatte aus 6mm dickem Makrolon (dunkles Plexiglas) |
| Luftspalt: | Zwischen Statoroberseite und Rotorunterseite: 3mm |
| Rotor: |
1,6mm Epoxyd Printplatte mit 160mm Durchmesser, 9 Segmente mit der Größe des Stators aufgeätzt (siehe Layout) |
| Rotorwiderstände: | 1GOhm [1000MOhm (!)] mit 350V Spannungsfestigkeit
9 Stk. in Sternschaltung |
| Lager: | 2 Stk. leichtläufige Kunststofflager Type: CM626 ohne
Schmierung ! Kontrollieren kann man die Lager, indem man die Scheibe mit der Hand anwirft, sie sollte dann in etwa 1 Minute lang nachlaufen. |
Zur Erklärung der Funktion betrachten wir ein Segment des Rotors,
das
sich gerade in einer Stellung zwischen zwei Statorsegmenten befindet.
Auf
dieses Rotorsegment koppeln die beiden Statorphasen 1~ und 2~ über
C1
und C2 kapazitiv an. Die Ersatzschaltung für dieses eine Segment
lässt
sich durch Einbringen einer virtuellen Masse am Sternpunkt der
Rotorwiderstände
zeichnen. Das ist zulässig, da sich alle Ströme auf dem Rotor
in
einem symmetrischen Drehfeld zu Null addieren und so am Sternpunkt
ebenfalls
Nullpotential anliegt. Dieser könnte ohne weiteres mit dem
N-Leiter des
speisenden Drehsstromsystems verbunden werden, ohne dass es zu einem
Stomfluss
käme und aus diesem Grund kann er genau so gut weggelassen werden
und
wird praktisch auch nicht ausgeführt. Über den gedachten
N-Leiter
lässt sich das Zeigerdiagramm für die Ersatzschaltung
zeichnen.
U1 und U2 sind die um 90° verschobenen Spannungen des speisenden,
4phasigen
Drehstromsystems. An der, dem Widerstand zugewandten Seite der
Kondensatoren,
addieren sich die Ströme i1 und i2 zum Gesamtstrom i. Dieser
verursacht
an dem Widerstand R den Spannungsabfall UR. Mit UR lassen sich die
Spannungen
an den Kondensatoren C1 und C2 gemäß den Maschengleichungen
U1=UC1+UR
und U2=UC2+UR zusammensetzen. Dabei wird der für die Kraftwirkung
so
wichtige Effekt sichtbar. Durch die 90° Phasenverschiebung von U2
gegenüber
U1 erfolgt die Addition bei UC2 in einem anderen Winkel, wodurch sich
für
UC2 eine größere Spannung ergibt. Aus diesem Ungleichgewicht
ergibt
sich die eigentliche Kraftwirkung. Da der Betrag von UC2
größer
ist als der von UC1 ist in dem Teilkondensator C2 auch die
elektrostatische
Anziehung größer, als die in C1. Das führt zu einer
Bewegung
des Rotors nach rechts, was auch der für dieses Beispiel zugrunde
gelegten
Drehfeldrichtung entspricht.
Vereinfacht könnte man die Funktion auch so beschreiben, dass sich das Segment beim Vorbeilaufen des Spannungsmaximums durch den Widerstand nur langsam auflädt und der aktuellen Spannung nicht unmittelbar folgen kann. Es bleibt ein Ladungsüberschuss übrig, der erst verzögert abgeleitet werden kann und der an der Ablaufenden Seite zu einer stärkeren Anziehung führt, den Rotor sozusagen ein Stück mitnimmt, bis die Überschussladung abgeleitet ist.
Eine Parallele dazu sind in der Magnettechnik die Wirbelströme, wie sie in leitfähigen Materialien auftreten. Deren Magnetfeld versucht immer dem erzeugenden Magnetfeld entgegen zu wirken, stößt sich also von ihm ab, wie bei der Levitation über Supraleiter. In realen, mit einem Widerstand behafteten Materialien, ist das aber nur für kurze Zeit möglich, da sich die Wirbelströme rasch abbauen. Dadurch wird es erst möglich, mit einem Magnet, den man rasch über ein Kupferblech hinwegzieht, das Kupferblech ein Stück in Bewegungsrichtung mitzuziehen. Das ist nur möglich, weil auf der ablaufenden Seite die Wirbelströme schon geringer sind, als auf der dem Magneten zulaufenden Seite. Würde ein Supraleiter anstelle des Kupfers verwendet werden, dann wären die abstoßenden Kräfte auf beiden Seiten genau gleich groß, der Supraleiter würde zwar hin- und hergeworfen, in Summe aber trotzdem nicht von der Stelle kommen. Das ist auch der Grund, warum ein magnetischer Asynchronmotor mit einem Supraleiter als Rotor nicht funktionieren kann.
=
Noch viel interessanter und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung
Testatika,
ist die Anspeisung des Motors mit Hochfrequenz. Denn dann wird
über
die doch sehr geringe Kapazität eine weitaus größere
Leistung
auf den Rotor übertragen als bei 50Hz. Die ersten Versuche mit
zwei
CW-Teslatrafos
bei 650kHz, die ähnlich dem
kapazitiven Trafo
zur Schirmung mit Gitterblech umgeben sind und von denen einer
über
den Drehkondensator in der Phase verschoben wird, schlugen fehl. Es
kann
so zwar eine enorme Leistung von etwa 40 Watt auf die
Rotorwiderstände
übertragen werden, aber zu einer Rotation ist es dabei nicht
gekommen.
Das Problem ist, dass die Widerstände wegen dem schnellen Umladen
der Segmente niederohmiger werden müssen. Der Idealwert liegt etwa
bei 100kOhm, was bei der hohen Spannung zu einer beträchtlichen
Verlustleistung
und damit verbunden zu einem starken Abfall der Statorspannung
führt.
Erst mit zwei baugleichen 40W-Mittelwellensender,
deren Endstufe bis zum "Stehkragen"
ausgefahren
wurde und die so zusammen etwa 120W liefern hat es geklappt. Je ein
Sender
speist dazu einen Teslatrafo ohne Phasenschieberkondensator. Das
Problem
der Synchronisation löst sich durch die Rückwirkung der Last
auf den Oszillator von selbst. Welch ein Glück, dass die Sender
nicht
zu 100% entkoppelt sind. Wenn beide Sender auf annähernd gleiche
Frequenz
abgestimmt werden, rasten sie aufeinander ein. Die nötige 90°
Phasenverschiebung wird dann durch ganz leichtes Verstimmen eines
Senders
eingestellt.
Mit diesem aufwendigen Aufbau hat sich der Rotor mit 10 Segmenten und
107kOhm (39k+68k) Widerständen in Sternschaltung auf dem 8 poligen
Stator ganz langsam, gerade mal gedreht. Nach wenigen Minuten hat sich
dann das ganze Widerstandsgeflecht aufgrund der enormen Verlustleistung
von selbst entlötet und ist in sich zusammengebrochen.
Darum wäre es weit besser, die Leistung nicht in
Widerständen
zu vernichten, sondern über weitere Einrichtungen von den
Segmenten
wieder abzuziehen und in die Versorgung zurückzuspeisen. Nur das
Ankoppeln
an die Segmente darf in diesem Fall nicht mehr kapazitiv erfolgen, weil
sonst die Phasenverschiebung, die normal über die Widerstände
aufgebaut wird, nicht eingehalten werden kann. Eine sehr gute
Lösung
wäre eine induktive Kopplung über eine auf der Scheibe
mitrotierende
Spulen und eine feststehende Stator Spule in der gleichen Achse. Das
Magnetfeld
"weiß" ja nicht, dass es in sich rotiert (gleiches gilt auch
für
die N-Maschine) und so hat man direkten
Zugriff
auf die Rotorspannung und nicht nur einen kapazitiven Durchgriff vom
Stator.
Bei noch viel höheren Frequenzen, werden diese Spulen immer
kürzer
und können irgendwann durch gerade Leitungsstücke ersetzt
werden.
Das könnten bei der kleinen 300W
Testatika,
die aufgrund ihrer kurzen Spulenlängen sicher mit Frequenzen
jenseits
von 10MHz arbeitet, die U-förmigen Bleche sein, die auf der
Vorderseite
der Scheibe immer mit den Enden zur Scheibe hin stehen. Der von der
Scheibe
bzw. den Statorsegmenten abfließende Strom erzeugt in dem
stehenden
Blech ein Magnetfeld, das induktiv an die Scheibe ankoppeln kann und
die
Leistung von der Scheibe in die außen liegenden Schwingkreise
zurückspeist.
Auch die diesen Blechen vorgeschalteten Spulen deuten auf eine
induktive
Verwendung hin. Das macht durchaus Sinn, den auf der Rückseite der
Scheibe sind die Bleche immer flächig zur Scheibe angebracht, was
die kapazitive Kopplung darstellt über die Leistung auf die
Scheibe
aufgebracht wird.
Dabei ist allerdings die Frequenzerniedrigung durch die Rotation ein Problem, denn die Differenz zwischen Rotor- und Statorfrequenz steckt ja in der Rotation. Dadurch ist die von der Scheibe abgeführte Leistung in ihrer Frequenz niedriger und nicht mehr "kompatibel" zu der zugeführten. Dem könnte man mit einer zweiten Scheibe Abhilfe verschaffen, die gegen das Drehfeld läuft und so die Frequenz wieder auf den ursprünglichen Wert erhöht, womit wir dann schon sehr nahe an der 3kW Testatika mit ihren zwei gegenläufigen Scheiben wären. Das Ganze hat nur einen kleinen Haken, die gegen das Drehfeld laufende Scheibe würde vermutlich auch ein negatives Drehmoment erzeugen, also genau jene Leistung verschlingen, welche die andere Scheibe erzeugt und in Summe würde nichts mehr übrig bleiben, oder etwa doch ?
Eine weit bessere Lösung wäre es, sich die Frequenzerniedrigung gezielt zunutze zu machen und die tiefere Frequenz einfach in die Versorgung zurückzuspeisen. Aus der Addition der beiden Frequenzen ergibt sich dann eine Schwebung, so wie mit den Versuchen beim Schleifringläufer gezeigt wurde, ist das Trägersignal dann mit der Rotationsfrequenz der Scheibe amplitudenmoduliert. Wenn das phasenrichtig für zwei 90° zueinander stehenden Zweige gemacht wird, so läuft das Modulationsmaximum mit der Rotationsfrequenz ebenfalls wie ein Drehfeld um den Stator um. Das könnte dazu benutzt werden, um die Scheibe in den Generatorbetrieb zu bringen. Denn bei dem HF-Drehfeld hat man immer das Problem, dass die Scheibe aus mechanischen Gründen niemals in den übersynchronen Lauf kommen kann, der für den Generatorbetrieb aber unerlässlich ist. Mit der Differenzfrequenz haben wir aber ein sehr langsam rotierendes Drehfeld in Form des Modulationsmaximums, über das die Scheibe im synchronen Generatorbetrieb Leistung abgeben könnte.
Mit einem verlustärmeren Hochfrequenzmotor ergebe sich auch
eine
völlig neue Möglichkeit zum Bau eines elektrostatischen
Hochspannungsgenerators. Denn der Motor könnte natürlich auch
als Generator arbeiten, wenn die Scheibe angetrieben wird. Zu Erregung
des asynchronen Generators würden dabei analog zur Magnettechnik,
bei der Kondensatoren nötig sind (siehe Versuche beim Schleifringläufer),
die beiden Teslatrafos, die
ja große Induktivitäten sind, dienen. Ein solcher Generator
würde
hochgespannte Wechselspannung mit der Resonanzfrequenz der Teslatrafos
erzeugen. Das wäre ein völlig neues Konzept von
elektrostatischen
Maschinen.
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Der elektrostatische Asynchronmotor findet sich auch in diesem Buch, wo versucht wird, durch Grundlagenexperimente und neue theoretische Ansätze mehr Licht in das Thema der Freien Energie zu bringen. Nähere Informationen zum Buch. | |
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| Titel: | Grundlagen und Praxis der Freien Energie Alternative Theorien und interessante Experimente |
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| Autoren: | Harald Chmela und Wolfgang Wiedergut | |
| Verlag: | Erschienen im August 2004 im Franzis Verlag | |
| ISBN Nr.: | 3-7723-4400-3 | |