Geschichtliches
Die ersten elektrischen Maschinen, wie wir sie heute kennen, wurden
bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts, nach Entdeckung der magnetischen
Wirkung des elektrischen Stromes gebaut. Es waren dies zuerst Gleichstrommaschinen,
mit denen Thomas Alva Edison die ersten Versuche zur Elektrifizierung unternahm.
Nikola Tesla hat dann gegen Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Einführung des Wechsel- und des Drehstromsystems
einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der elektrischen Maschinen und
zur Revolutionierung der Energieübertragung geleistet. So wird heute
ausschließlich Wechselstrom übertragen und ein Großteil
der elektrischen Maschinen sind Drehstrommaschinen.
Eines haben die meisten elektrischen Maschinen gemeinsam, sie nutzen magnetische Kräfte
zur Energiewandlung. Nun ist aus der Elektrotechnik allgemein bekannt,
dass es immer eine Dualität zwischen magnetischen und elektrischen
Feld gibt. Es liegt also nahe, auch Maschinen zu bauen, welche die elektrostatische
Kraft zur Energiewandlung nutzen.
Solche elektrostatischen Maschinen wurden vor allem in der Frühzeit
der Elektrotechnik, etwa ab dem 16. Jahrhundert in verschiedensten Ausführungen
gebaut, haben aber heute wegen ihrer geringen Leistungsdichte kaum eine
praktische Anwendung gefunden.
Analogie Magnettechnik / Elektrostatik
Analog zu den aus der Magnettechnik bekannten Gleichstrommaschinen
mit Kommutator gibt es in der Elektrostatik Motoren wie z.B. den elektrostatischen Scheiben-
oder Walzenläufer. Die Kommutation erfolgt
hier über Sprühentladungen in der Luft und das ist keineswegs
kontaktlos im elektrischen Sinn, auch wenn keine leitenden
Teile den Rotor berühren.
Auf der Generatorseite gibt es die Gleichstromgeneratoren als Umkehrung des Motorprinzips. Auf elektrostatische Maschinen
ist das nur bedingt anwendbar und so sind z.B. bei der Influenzmaschine zusätzliche Einrichtungen wie z.B. die Neutralisatoren nötig,
damit sie als Generator funktionieren kann.
Weit verbreitet in der heutigen Antriebstechnik sind die drehstrombetriebenen Asynchronmotore mit Kurzschlussläufer. Diese Maschinen nutzen die induktive Übertragung des Wechselstromes auf den Rotor und arbeiten daher völlig kontaktlos. In der Elektrostatik fehlt aber eine dazu analog aufgebaute Maschine, alle elektrostatischen Maschinen arbeiten ausnahmslos mit Gleichstrom und benötigen eine Kommutation. Die große Revolution, die der Wechsel- und Drehstrom in der Magnettechnik auslöste, ist bisher in der Elektrostatik ausgeblieben. Vor allem die kontaktlose Übertragung der Leistung zum Rotor, die dann nur auf kapazitivem Wege erfolgen kann, fand nie Verwendung und das führt in der Freien Energieforschung zu großen Problemen im Verständnis der Testatika, die ebenfalls völlig kontaktlos arbeitet.
Elektrostatischer Asynchronmotor
Um zu zeigen, dass auch ein mit Wechselspannung betriebener, elektrostatischer
Asynchronmotor
machbar ist, habe ich dieses
Modell gebaut (in der Abb. ohne Rotor dargestellt). Hierbei ist eine völlig
kontaktlose, kapazitive Leistungsübertragung verwirklicht. Es kann problemlos
eine isolierende Folie zwischen Stator und Rotor gelegt werden, ohne die
Funktion zu beeinträchtigen. Dieser Motor könnte ohne weiteres
auch im Hochvakuum funktionieren,
wo andere elektrostatische Maschinen ihren Ladungstrasportmechanismus über
die Sprühentladungen verlieren würden.
Da es hier systembedingt keine Sprühentladungen gibt, hört man
auch keine knisternden oder zischenden Geräusche, wie sie typisch für
elektrostatische Maschinen sind. Dieser Motor läuft nur unter dem leisen
Brummen der Trafos an und erreicht eine
Drehzahl von über 600U/min.
Schaltungsbeschreibung
Der linke Schaltungsteil hat die Aufgabe, aus dem einphasigen
230V Netz eine Drehspannung zu erzeugen. Dazu werden zwei Hochspannungstrafos
mit Mittelpunkt verwendet, wovon einer über eine 90° Phasenschieberschaltung
versorgt wird. Mit Hilfe des geerdeten Mittelpunktes liefert jeder Trafo
zwei, um 180° versetzte Ausgangsspannungen und in Summe erhalten wir
so eine 4-phasige Drehspannung.
Diese wird über Strombegrenzungswiderstände zum Schutz des Bedieners
folgerichtig auf die 8 Platten des Stators gelegt. Dadurch ergibt sich ein
elektrostatisches Drehfeld, dessen Maximum bei 50Hz Speisung mit 1500U/min
über den 2poligen Stator umläuft. Durch Umpolen eines Trafos kann
die Drehrichtung geändert werden.
Beschaffenheit des Rotors
Um damit jetzt den Rotor zu beeinflussen, muss dieser speziell gebaut
sein. Ausgegangen wird von einer segmentierten Scheibe, wie sie bei elektrostatischen
Maschinen üblich ist.
Ein Segment bekommt, solange es isoliert ist, immer die gegenpolige
Ladung influenziert, wird also vom Maximum des Feldzeigers angezogen und mitgenommen. Damit ist
nur ein synchroner Lauf möglich und der Motor kann nicht von
selbst anlaufen, weil beim Vorbeiziehen des Feldes an dem stehenden Rotorsegment
zuerst eine Anziehung gegen die Drehrichtung und dann eine gleich große
in Drehrichtung erfolgt.
Ein solches Prinzip hat auch nichts mit den Synchron- oder Asynchronmaschinen
zu tun, weil es nur aufgrund der inhomogenen Leitfähigkeit des Rotors
funktioniert. Dieser Effekt wird in der Magnettechnik beim Reluktanzmotor ausgenutzt, der z.B. in netzsynchronisierten Uhren
Verwendung findet. Er wird oft mit einem Asynchronmotor verwechselt, weil
er zum Anlauf einen Kurzschlusskäfig besitzt. Er läuft aber mit
synchroner Drehzahl und kann diese nur aufgrund einer unterschiedlichen
magnetischen Leitfähigkeit im Rotor, meist durch spezielle Formgebung,
erreichen. Nichts anderes ist in der Elektrostatik eine Scheibe mit hinreichend
großen Segmenten.
Wenn im Folgenden von Asynchronmotoren gesprochen wird, meine ich damit
immer einen von der Leitfähigkeit her völlig homogenen Rotor,
der zumindest theoretisch mit unendlich vielen und unendlich kleinen Segmenten
versehen werden könnte. Praktisch wird das dann so ausgeführt,
dass Rotor und Stator je eine unterschiedliche Anzahl an Segmenten aufweisen,
hier 9 zu 8. Dadurch sind synchrone Effekte weitgehend unterdrückt.
Um daraus jetzt einen Asynchronmotor zu machen, müssen analog zum Kurzschlusskäfig
in der Magnettechnik hochohmige Widerstände, hier 1GOhm (=1000MOhm),
in Sternschaltung zwischen die Segmente gebracht werden.
Jetzt werden sie sich fragen, warum es denn Widerstände sein müssen,
wo es doch Kurzschlussläufer heißt. Wenn alle Segmente miteinander verbunden werden, oder eine komplett
leitfähige Scheibe verwendet wird, so wird der Rotor
nur zum Stator hin gezogen, jedoch keine Rotation ausbilden.
Drehfelder und ohmsche Verluste
Die Tatsache, dass es ohne Widerstände genauso wenig funktioniert,
wie mit einer komplett leitenden Scheibe zeigt, dass ein asynchroner Effekt
immer gewisse Verluste benötigt. Für den Normalbetrieb von Asynchronmotoren
sind diese Rotorverluste relativ gering und man findet sich im Allgemeinen
damit ab. Nur bei sehr großen Antrieben wird die so genannte untersynchrone
Stromrichterkaskade verwendet, welche die Rotorleistung über Schleifringe
auskoppelt und mit einem Stromrichter in das Netz zurückspeist. Das ist
notwendig, da die Frequenz auf dem Rotor, je nach Drehzahl, immer geringer
ist, als die Netzfrequenz und somit eine direkte Rückspeisung unmöglich
ist.
Diese Überlegungen zeigen uns, dass ein idealisierter, magnetischer
Asynchronmotor mit einem Klasse 1 Supraleiter
als Kurzschlussläufer überhaupt nicht funktionsfähig wäre. Ein Supraleiter ist ein 100%iger Diamagnet
und das äußert sich so, dass er gegen ein äußeres
Feld einen Gegenstrom aufbaut, der es neutralisiert. Die Kraftwirkung
erfolgt so nur in radialer Richtung
und es kann keine Drehung entstehen. Nur durch den teilweisen Abbau des Gegenstromes
kann die Symmetrie im Drehfeld gebrochen werden.
Wenn ein Asynchronmotor also immer einen gewissen Verlust im Rotor benötigt,
um eine Drehung hervorzubringen, kann man umgekehrt auch sagen,
dass es durch Abziehen von Energie aus einem idealen Rotor zur Ausbildung
der Rotation kommt. Dieser Ansatz ist für die Freie Energieforschung
interessant, weil man dadurch in einen Bereich vorstoßen kann, in
dem normale Motoren nicht arbeiten. Das Ziel wäre es, jenen Bereich,
zwischen dem nicht lauffähigen, idealen Rotor und dem optimalen Betriebspunkt
so zu nutzen, dass man die dafür nötigen Rotorverluste nicht
in Widerständen umsetzt, sondern nach dem Vorbild der untersynchronen
Stromrichterkaskade wieder in die Versorgung zurückspeist.
Jetzt wird auch klar, warum die Testatika elektrostatisch arbeiten
muss. Denn nur in der Elektrostatik
ist der ideale Rotor mit einfachen Mitteln, also ohne Supraleiter, machbar.
Ein fast völlig verlustfreier Rotor ist hier einfach eine isolierende
Scheibe mit leitenden Segmenten, die ohne Widerstände nicht lauffähig ist.
In der Magnettechnik wäre es undenkbar einen solchen Rotor zu fertigen,
selbst ein Kurzschlusskäfig aus Kupfer hat immer noch genügend
Verluste, sodass es zur Rotation kommt. Der Begriff des Kurzschlussläufers
sollte daher auch in der Magnettechnik auf Widerstandsläufer relativiert
werden, sonst müsste man in der Elektrostatik auch "Leerlaufläufer" sagen.
Erklärung der Kraftwirkung
Zur Erklärung der Funktion betrachten wir ein Segment des Rotors,
das sich gerade in einer Stellung zwischen zwei Statorsegmenten befindet.
Auf dieses Rotorsegment koppeln die beiden Statorphasen 1~ und 2~ über
C1 und C2 kapazitiv an. U1 und U2 sind die um 90° verschobenen Spannungen
des speisenden, 4-phasigen Drehstromsystems. Im Widerstand R addieren sich die Ströme i1 und i2 zum Gesamtstrom
i. Dieser verursacht den Spannungsabfall UR. Mit UR
lassen sich die Spannungen an den Kondensatoren C1 und C2 gemäß
den Maschengleichungen U1=UC1+UR und U2=UC2+UR zusammensetzen. Dabei wird
der für die Kraftwirkung so wichtige Effekt sichtbar. Durch die 90°
Phasenverschiebung von U2 gegenüber U1 erfolgt die Addition bei UC2
in einem anderen Winkel, wodurch sich für UC2 eine größere
Spannung ergibt. Da der Betrag von UC2 größer ist, als der von UC1, ist in dem
Teilkondensator C2 auch die elektrostatische Anziehung größer,
als die in C1. Das führt zu einer Bewegung des Rotors nach rechts,
was auch der für dieses Beispiel zugrunde gelegten Drehfeldrichtung
entspricht.
Vereinfacht könnte man sagen, dass sich das Segment beim Vorbeilaufen
des Spannungsmaximums durch den Widerstand nur langsam auflädt und der
aktuellen Spannung nicht unmittelbar folgen kann. Durch die verzögerte
Ableitung bleibt ein Ladungsüberschuss übrig, der den Rotor ein
Stück mitnimmt, bis die Überschussladung abgebaut ist.
Die Analogie dazu sind in der Magnettechnik die Wirbelströme. Deren Magnetfeld versucht
immer, dem erzeugenden Feld entgegen zu wirken, stößt sich also
von ihm ab. In realen, mit einem Widerstand behafteten Materialien,
ist das aber nur für kurze Zeit möglich, da sich die Wirbelströme
rasch abbauen. Dadurch wird es erst möglich, mit einem Magnet, den
man über ein Kupferblech hinwegzieht, dieses ein Stück
in Bewegungsrichtung mitzuziehen. Das funktioniert nur, weil auf der ablaufenden
Seite die Wirbelströme schon geringer sind, als auf der dem Magneten
zulaufenden Seite. Würde ein Supraleiter
anstelle des Kupfers verwendet werden, dann wären die abstoßenden
Kräfte auf beiden Seiten genau gleich groß, der Supraleiter
würde zwar hin- und hergeworfen, in Summe aber nicht von der Stelle
kommen.
Ausblick
=
Noch viel interessanter und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Testatika,
ist die Anspeisung des elektrostatischen Asynchronmotors mit Hochfrequenz.
In dessen Aufbau gibt es kein Material, wie in der Magnettechnik das Eisen,
dass verhindert, die Frequenz extrem zu erhöhen. Durch die HF-Speisung
kann über die relativ geringen Kapazitäten zwischen Rotor und Stator
eine viel größere Leistung auf den Rotor übertragen werden.
Erste Versuch in dieser Richtung haben gezeigt, dass mit Hilfe von
zwei Teslatrafos als Hochspanner eine Leistung von über 100W bei 1MHz
auf den Rotor gebracht werden kann. Aufgrund der viel schnelleren
Umladung in den Segmenten müssen die Rotorwiderstände bis auf
100kOhm herabgesetzt werden, was fast die gesamte zugeführte Leistung
in den Widerständen umsetzt. Hier muss das Prinzip der Leistungsrückspeisung
unbedingt verwirklicht werden, um ihn wirtschaftlich betreiben zu können.
Die Schleifringe könnte man sich ersparen, indem man auf eine
induktive Kopplung zur Leistungsabnahme zurückgreift. Eine weitere
kapazitive Kopplung würde wieder nur auf den Stator
zugreifen und nicht die Rotorleistung abnehmen. Ein solches Prinzip, der
kapazitiven Leistungsaufbringung und induktiver Leistungsabnahme wurde
bis jetzt noch nie bei elektrischen Maschinen verwirklicht.
Das Problem der unterschiedlichen Frequenzen könnte man sich vielleicht
sogar zunutze machen, indem man beide Frequenzen miteinander überlagert.
Aus der Addition der beiden hohen Frequenzen, die nur um die wenigen Hz der
mechanischen Drehzahl auseinander liegen, ergibt sich eine Schwebung. Wie
ich bei Versuchen mit einem magnetischen Schleifringläufer
gezeigt habe, ist das Trägersignal hoher Frequenz dann mit der Differenzfrequenz
amplitudenmoduliert.
Wenn das phasenrichtig für alle Stränge des Drehstromsystems
gemacht wird, läuft das Modulationsmaximum ebenfalls wie ein Drehfeld um den Stator um.
Das könnte dazu benutzt
werden, um die Scheibe in den Generatorbetrieb zu bringen. Denn bei einem
HF-Drehfeld hat man immer das Problem, dass die Scheibe aus mechanischen
Gründen niemals in den übersynchronen Lauf kommen kann, der für
den Generatorbetrieb aber unerlässlich ist. Mit der Differenzfrequenz
haben wir aber ein sehr langsam rotierendes Drehfeld in Form des Modulationsmaximums,
über das die Scheibe im synchronen Generatorbetrieb Leistung abgeben
könnte.
Ein solches System wäre ein völlig neues Konzept für
den Betrieb von elektrischen Maschinen. Über eine mechanische Leistungszuführung
in die tiefe Schwebungsfrequenz könnten so zwei Schwingkreise auf
einer weitaus höheren Frequenz erregt werden, als das von der Drehzahl
her möglich wäre. Die Spulen in den Schwingkreisen würden
dann die Selbsterregung des Generators übernehmen, analog zu der Erregung
eines magnetischen Asynchrongenerators über Kondensatoren. Dies wäre
ein rein mechanisch betriebener HF-Generator, ohne weitere aktive Bauteile
wie Transistoren oder Röhren. Für mich scheint die Testatika
genau ein solcher Generator zu sein, der die beschriebenen Prinzipien in
einer elektrostatischen Drehfeldmaschine verwirklicht.
Ich hoffe, damit das oft diskutierte Thema der Testatika einmal aus anderer
Sicht dargestellt zu haben und den einen oder anderen zum Nachbau von solchen
unkonventionellen Maschinen angeregt zu haben. Genauere Angaben zum Nachbau
finden sich auf meiner Homepage beim elektrostatischen Asynchronmotor.