Der 600kW Sender

600kW Sender

Am 1. Mai 1975 ging am Bisamberg der 600kW BBC-Sender in Betrieb.
Bei diesem Sender in moderner Containerbauweise ist die Sendefrequenz nicht fix eingestellt, sondern kann automatisch von 585kHz auf 1476kHz umgestimmt werden. Dazu werden die Kondensatoren mit Getriebemotoren verstimmt und die Spulen mit Vakuum-Druckluftschalter umgeschaltet.
 
Daten des 600kW Senders
Trägerleistung: 600kW, reduzierbar auf 300kW
Frequenzen: Umschaltbar von 585kHz auf 1476kHz
Modulationsart: Anodenmodulation in der Endstufe
Kühlung: Siedekühlung aller Endstufenröhren 
Anodenspannung: 14kV bei allen Röhren

 
Vor- und Endstufenröhre Schwingkreis der Endstufe

  1. HF-Röhren: Rechts die Vorstufe CQS 15, links die Endstufe CQS 400. Unter ihr befinden sich die Druckluftschalter zur Umschaltung der Frequenz. Links über der Endröhre befinden sich die Auskoppelkondensatoren für die HF zum Schwingkreis. Beide Röhren sind koaxiale, siedegekühlte Tetroden.
  2. Lastschwingkreis: Durch die schwarzen Schläuche wird Luft mit hohem Druck in die Anschlussleitungen der Spulen geblasen, auch die Köpfe der Pressgaskondensatoren werden so gekühlt. Die Spulen selbst werden mit destilliertem Wasser gekühlt, welches durch die roten Schläuche einen geschlossenen Kreislauf durch alle Spulen bildet.
Daten der Röhren im 600kW Sender
CQS 15 CQS 200 CQS 400
Heizspannung: 7,5V 20V 24,5V
Heizstrom: 155A 430A 620A
Heizleistung: 1,2kW 8,6kW 15,2kW
Anodenverlustleistung: 17kW 200kW 400kW
Schirmgitterverlustleistung: 800W 6kW 10kW
Steuergitterverlustleistung: 250W 2kW 4kW
Kathodenspitzenstrom: 35A 300A 600A
Gewicht: ca. 14kg ca. 68kg ca.100kg

 
 
Vorstufe mit CQS 15 Endstufenröhre CQS 400 Prinzipschaltung
  1. Vorstufe: Ein Transistorverstärker befindet sich in dem Kasten unter der Röhre und erzeugt 50W zur Ansteuerung der CQS 15, die daraus mit 14kV Anodenspannung 8kW macht. Hinter der Röhre ist die wassergekühlte Schwingkreisspule zu sehen, rechts neben ihr die zwei Schwingkreis-Vakuumkondensatoren.
  2. Endstufe: Die CQS 400 verstärkt die 8kW direkt auf 600kW. Die Röhre arbeitet im so genannten 3H-Betrieb. 3H steht für die 3. harmonische Oberwelle. Durch Abstimmung der Lastkreise auf die dreifache Frequenz wird die Spannung an der Röhre einem Rechteck angenähert. Die Röhre arbeitet dann ähnlich einem Schalter und deshalb mit geringer Verlustleistung.
  3. Prinzipschaltung: Sie zeigt den grundsätzlichen Aufbau des Senders und vor allem die Funktionsweise der Anodenmodulation.


Anodenmodulation
Bei der Anodenmodulation wird die Tatsache ausgenutzt, dass sich die erzeugte HF-Spannung der Endstufe proportional mit der Anodenspannung verändert. Wird an der Anode also eine Wechselspannung angelegt, so ändert sich auch die abgegebene HF-Spannung proportional zu dieser Spannung. Da im Anodenkreis sehr hohe Leistungen auftreten, muss auch die NF auf dieses hohe Leistungs- und Spannungsniveau gebracht werden.
Die NF-Leistung von etwa 400kW wird in diesem Sender von zwei Tetroden von Typ CQS 200 erzeugt, die über einen Transistorverstärker fast leistungslos gesteuert werden. Der Modulationstrafo bringt die NF auf das hohe Spannungsniveau des Anodenkreises und sorgt gleichzeitig für eine galvanische Trennung.
Über die Modulationsdrossel, welche den 14kV Gleichrichter für NF hochohmig macht und über einen Koppelkondensator, welcher die magnetische Sättigung des Modulationstrafos verhindert, wird die NF der Anodengleichspannung überlagert. Über eine HF Drossel gelangt die Spannung direkt an die Anode der Endröhre. Die eigentliche Modulation erfolgt also erst in der Endröhre selbst. Alle Vorstufen arbeiten immer mit einer gleich großen, unmodulierten HF.



 
NF-Endstufe Offene CQS 200
  1. NF-Endstufe: Links sind die beiden CQS 200 zu erkennen. Rechts hinten befinden sich die dazugehörigen Heiztrafos. Über die dicken roten Kabel fließt der Heizstrom von 430A ! Auf der rechten Wand sind alle nötigen Schütze zur Steuerung des Senders untergebracht.
  2. Innenansicht der CQS 200: Links ist der Röhrenkühler aus Kupfer zu sehen, dessen Innenraum gleichzeitig die Anode bildet. Zum Größenvergleich halte ich den Kathoden- und Gitterteil der Röhre. Im Hintergrund sind drei CQS 400 zu erkennen.
14kV Thyristor-Gleichrichter Hochspannungsraum
  1. 14kV Gleichrichter: Eine Drehstrombrücke mit 16 Thyristoren pro Phase. Die einzelnen Thyristormodule werden über Lichtleiter angesteuert. In den Kästchen rechts neben den Thyristoren befindet sich die dazu notwenige Schaltung zur Gewinnung der Zündspannung aus der Sperrspannung.
  2. Hochspannungsraum: Die sehr großen Hochspannungskomponenten sind räumlich vom Sender getrennt. Von vorne nach hinten: Glättungsdrossel des 14kV-Gleichrichters, Modulationstrafo der NF-Endstufe, Modulationsdrossel, Anodenspannungstrafo.


MPEG-Video 4279kB Obwohl es niemand für möglich gehalten hat, wurde dieser Sender nach seiner Stilllegung am 1. Jänner 1995 nochmals eingeschaltet. Am 3. Mai 1999 ging er für "Nachbar in Not" für ca. 3 Monate wieder in Betrieb. Es war gar nicht so leicht, den eingemotteten Sender wieder zum Leben zu erwecken. Dieses "Wien Heute" Video stammt aus der Zeit des Sendebetriebes. Es zeigt viele Teile der Sendeanlage in einem kleinen Bericht über die Inbetriebnahme. (4MB!)

Hier ein Bild von einigen Kondensatoren, die nach der langen Ruhezeit nicht mehr fit für den Betrieb waren. Die großen rechteckigen sind Glimmerkondensatoren zur Auskopplung der HF aus der Endröhre. Über 8 solche, parallel geschaltete Kondensatoren müssen die 600kW übertragen werden.  Schlägt einer von ihnen durch gibt es einen 14kV-Kurzschluss.
Die runden Kondensatoren stammen aus der Antennenanpassung und sind nach einem Blitzschlag zerstört worden. Die dabei entstehende Hitze vom HF-Lichtbogen hat sogar die Keramik geschmolzen.

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