Die 120kW Sender

Es gibt vier 120kW Sender der Firma BBC in der Mittelwellen Sendeanlage Bisamberg. Je zwei davon sind für die Frequenz 585kHz und 1476kHz abgestimmt und für den Parallelbetrieb mit 240kW pro Frequenz ausgelegt.
Die 585kHz Sender sind stillgelegt. Die 1476kHz Sender sind seit der Inbetriebnahme des 100kW Transistor Senders ebenfalls stillgelegt.

120kW Sender mit Bedienpult

Das Bild zeigt den 120kW-Senderaum. Im Hintergrund zwei der insgesamt vier BBC-Sender, im Vordergrund das Bedienpult für zwei Sender.
 
Daten eines 120kW-Senders
Trägerleistung: 120kW, reduzierbar bis auf 60kW
Frequenzbereich: 520kHz bis 1610kHz
Modulationsart: Anodenmodulation in der Endstufe
Kühlung: Siedekühlung aller Endstufenröhren 
Anodenspannung: 12,5kV in der HF- und NF-Endstufe

 
HF-Vorstufe HF-Treiberstufe Voderansicht der HF-Endstufe

  1. HF-Vorstufe: Sie ist durchgehend mit Kleinleistungsröhren ausgeführt. Hinter dem großen Schirmgitter ist ein Platten-Drehkondensator zu erkennen, darunter ein weiterer kleinerer.
  2. HF-Treiberstufe: Die Röhre ist wie die Endröhren siedegekühlt. Das Rohr im Vordergrund bläst Luft auf den Röhrenkopf, um vor allem die Heizanschlüsse zu kühlen. Rechts neben der Röhre befindet sich das Ausgleichsgefäß mit automatischer Nachfüllung für das Kühlwasser.
  3. Schwingkreis der HF-Endstufe: Im oberen Teil befinden sich drei Spulen aus Kupferrohren. Sie sind über Keramikstangen isoliert an der Decke aufgehängt. Rechts im Bild ist ein Pressgaskondensator zu sehen. Hinter der Wand links im Bild befinden sich weitere Kondensatoren, die auch im Betrieb von außen verstellt werden können.
Röhren der HF-Ednstufe Prinzipschaltung der Endstufe Schnitt der Röhre BTS25-1
  1. Röhren der HF-Endstufe: Die Anoden der drei Trioden BTS25-1 sind in einem Siedegefäßen untergebracht. Die Kathode, sowie der Gitteranschluss ragen aus dem Siedegefäß heraus. Durch die trichterförmigen Stutzen werden die Röhrenköpfe mit Luft beblasen. Über die dicken Kupferbänder erfolgt die Heizspannungszuführung an die Kathode. Zu erkennen sind auch die Koronaringe, die an allen scharfen Kanten angebracht sind, um Überschläge zu verhindern.
  2. Prinzipschaltung der HF-Endstufe: Die drei Röhren sind parallel geschaltet und arbeiten im C-Betrieb auf einen LC-Schwingkreis.  Durch nachgeschaltete Siebglieder werden die Oberwellen unterdrückt.
  3. Schnitt durch die BTS25-1: Gut zu erkennen ist das Steuergitter, in dessen Zentrum sich die relativ dünne Glühkathode befindet. Die Anode ist aus dickem Kupfer gefertigt und direkt mit dem Siedekühlkörper verbunden.
NF-Vorstufe NF-Endstufe
  1. Die Endstufe im Betrieb: Durch den Glaskörper der Röhren ist sehr schön das Glühen der Kathode zu sehen, dass sich am Gitterring spiegelt.
  2. NF-Vorstufe: Sie besteht aus vier strahlungsgekühlten Q400-1 Tetroden. Die Röhrensockel werden zusätzlich beblasen. Im Vordergrund befinden sich die Gleichrichterröhren zur Versorgung der Vorstufe.
  3. NF-Endstufe: Sie besteht ebenfalls aus 2 siedegekühlten BTS25-1. Auffällig ist hier, dass keine großen Spulen wie in den HF-Stufen vorhanden sind. Die Anoden sind über zwei Hochspannungskabel direkt mit dem Modulationstrafo verbunden. Über den Anschlussbrettern für die Heizspannung sind die beiden Heiztransformatoren zu erkennen.


Siedekühlung:

Bei der Siedekühlung wird die spezifische Verdampfungswärme des Wassers von 540kcal/kg ausgenutzt. An der heißen Anode beginnt das Wasser zu sieden und entzieht durch seine Verdampfung der Röhre Wärmeenergie. Der heiße Dampf wird abgeleitet und durch einen Rückkühler wieder verflüssigt, wodurch die Wärmeenergie wieder frei wird. In so einem System können mit sehr geringer Durchflussmenge sehr hohe Leistungen transportiert werden.
Die Anode steht also direkt mit dem Kühlwasser in Berührung. Um einen Kurzschluss der hohen Anodenspannung über das Wasser zu vermeiden, muss natürlich destilliertes Wasser verwendet werden. Über die aus Glas gefertigten Abdampf- und Zuflussrohre, sowie über Keramikstützen ist die ganze Röhre gegenüber dem Gehäuse isoliert aufgestellt.



 
 
Parallelschaltschrank Innenansicht des Parallelschaltschrankes
  1. Parallelschaltschrank: Rechts die Rückseiten der beiden Sender. Über die dicken Koaxialleitungen gelangt die HF in den Schaltschrank. Auf dessen Oberseite ist ein Stück der Feederleitung zu sehen, welche die HF zum Mast leitet. Das dünne Rohr über den Sendern ist die Abdampfleitung der Siedekühlung.
  2. HF-Schalter: Die Innenansicht des Parallelschaltschrankes zeigt den durch Keramik isolierten HF-Schalter, sowie Kondensatorbatterien zur Abstimmung der HF-Leitungen.
12,5kV-Gleichrichter TQ71
  1. 12,5kV-Gleichrichter: Er besteht aus 6 Quecksilber Gleichrichterröhren (und einer vorgeheizten Ersatzröhre) vom Typ TQ71 in einer Drehstrombrückenschaltung. Durch Phasenanschnittsteuerung ist eine stufenlose Einstellung der Ausgangsspannung möglich. Die Trafos unter den Röhren dienen zur Zünd- und Heizspannungsversorgung der Röhren.
  2. Gleichrichterröhre TQ71: Heiz-, Kathoden- und Gitteranschluss unten, Anodenanschluss oben.

 
Hochspannungsraum
Anodentrafo
  1. Hochspannungsraum: Links vorne die Glättungsdrossel des Gleichrichters und daneben Glättungskondensatoren. Jeder Kondensator ist mit einer Sicherung in Form eines Drahtes zwischen den Funkenhörnern und einem Strombegrenzungswiderstand ausgerüstet.
  2. Anodentrafo: Er erzeugt aus normalen 400V Drehstrom die 12kV Anodenspannung. Er wiegt ca. 2 Tonnen.
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